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Spektakuläre Aktion am Dom zu Worms
Altes Gotteshaus bekommt neue Glocken

Schaulustige verfolgten die Montage der Dom-Glocken.
Schaulustige verfolgten die Montage der Dom-Glocken. FOTO: Uwe Anspach / dpa
Worms. Der neue Glockensatz des Wormser Doms ist komplett: Gestern wurden die letzten vier der fünf Exemplare in den Nordostturm gehoben. Viele Schaulustige verfolgten das Spektakel.

Der fast 1000 Jahre alte Wormser Dom hat fünf nagelneue Glocken. Gestern wurden in einer spektakulären Aktion vier der Klangkörper von einem Teleskopkran mit 60 Meter langem Ausleger nacheinander in die Höhe gehievt, wo Arbeiter im Nordostturm sie vor den Augen Hunderter Schaulustiger mit Hilfe einer speziellen Konstruktion in die Glockenstube zogen. Als nach gut zwei Stunden alles vorbei war, zeigte sich Domprobst Tobias Schäfer erleichtert und bewegt zugleich. „Das war schon ein bewegender Moment“, sagte der Geistliche. „Das geht einem auch emotional nahe.“ Es war alles gut gegangen.

Das meiste Kopfzerbrechen hatte Schäfer und den Arbeitern sowie dem Chef des Dombauvereins, Udo Rauch, die größte Glocke bereitet. Der Klangkörper, der Darstellungen der heiligen Amandus und Rupert trägt, wiegt fast drei Tonnen und hat einen Durchmesser von exakt 1,64 Metern. Damit er durch die Fensteröffnung passt, war diese eigens erweitert worden. Kranführer Marcus Bachor lupfte das Schwergewicht als letztes in die Höhe. „Das ist wirklich Zentimeterarbeit gewesen“, sagte Domprobst Schäfer danach. Angst um seinen Dom und die Glocken hatte er nach eigenen Angaben nicht. „Es ist einfach spannend, es ist einfach schön“, lautete sein Motto beim gestrigen Start der Arbeiten.

Lange hatten sich die vielen Zuschauer gedulden müssen, bis es losging. Denn mit dem Kran musste zuerst Baumaterial für die neuen Glockenstühle in den Turm gehoben werden. Kurz vor 13.30 Uhr ging es dann los. Der „heilige Heribert“ war der erste: Ein 473 Kilogramm schwerer Klangkörper mit einem Durchesser von 88 Zentimetern, der ein Bildnis des heiligen Heribert trägt, eines in Worms geborenen Erzbischofs von Köln. Es folgte die mit 297 Kilogramm und einem Durchmesser von 75,1 Zentimeter kleinste Glocke („Nanno“), an die sich die 1,7 Tonnen schwere Glocke („Heinrich und Kunigunde“) mit einem Durchmesser von 1,40 Meter anschloss, bevor die schwerste Glocke den Abschluss machte. Die fünfte Glocke („Petrus Faber“) war bereits am Dienstag in den Südostturm gehievt worden, wo sie sich die Glockenstube mit drei bereits vorhandenen Klangkörpern teilt.



Die fünf Glocken sind ein Geschenk des Dombauvereins zum 1000-jährigen Bestehen der Kathedrale. Sie wurden von Einzelspendern bezahlt und sollen am Pfingstsamstag erstmals erklingen. Das große Jubiläum zum 1000-jährigen Bestehen des Wormser Doms wird am 9./10. Juni gefeiert.

Zu den zahlreichen Schaulustigen gehörte auch das Ehepaar Thomas und Felicitas Mehler aus Darmstadt. So ein Erlebnis habe vielleicht nur einmal im Leben, sagte die 63-jährige Felicitas Mehler.

(dpa)