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Schwachstellen in französischen AKW
AKW unzureichend gegen Terror geschützt

Abgeordnete haben die Sicherheitslage der Meiler unter die Lupe genommen – auch das AKW im lothringischen Cattenom.
Abgeordnete haben die Sicherheitslage der Meiler unter die Lupe genommen – auch das AKW im lothringischen Cattenom. FOTO: dpa / Christophe Karaba
Cattenom. Parlamentsbericht sieht „Schwachstellen“ bei den französischen Atomkraftwerken — auch in Cattenom. Von Hélène Maillasson

Die Bilder des Feuerwerks, das Greenpeace-Aktivisten im vergangenen Herbst auf dem Gelände des lothringischen Atomkraftwerks (AKW) Cattenom gezündet hatten, liefen in den Abendnachrichten – und wurden zum Albtraum des AKW-Betreibers EdF. Für die Umweltaktivisten war diese spektakuläre Aktion der ultimative Beweis für die Anfälligkeit von Kernkraftwerken für Eindringlinge. Die EdF hingegen sah ihre Sicherheitsmaßnahmen dadurch bestätigt, dass niemand die Eindringlinge früher stoppte: Man habe durch einen Anruf gewusst, dass es sich dabei um Greenpeace handele und habe in Deckung bleiben müssen, falls echte Angreifer die Gelegenheit nutzten, mit einem anderen Ziel das Gelände zu betreten.

Längst nicht alle Anwohner hat das überzeugt, ebenso wenig die Nationalversammlung in Paris. Ende Januar setzte sie eine Untersuchungskommission ein, die sich fünf Monate lang mit der Sicherheitslage der Atomeinrichtungen in Frankreich beschäftigte. Das Fazit: Die 19 französischen Meiler weisen verschiedene Schwachstellen auf.

Zum einen sieht die Kommission den verstärkten Einsatz von Subunternehmen in Atomkraftwerken kritisch. Rund 80 Prozent der großen Wartungsarbeiten werden durch solche externen Dienstleister durchgeführt, steht im Abschlussbericht der Parlamentarier. Sie sehen darin ein erhöhtes Risiko des „menschlichen Faktors“. Auch wenn die Parlamentarier den Einsatz von Subunternehmen als notwendig anerkennen und sich darüber einig sind, dass die EdF diesen im Griff hat, befürchten sie dadurch auch einen Verlust von Schlüsselkompetenzen für den Betreiber selbst.



Ein weiterer Kritikpunkt im Bericht sind materielle Normabweichungen in mehreren Atommeiler. Als Beispiel wird unter anderem ein Vorfall aus dem grenznahen Meiler Cattenom genannt, als sich 2011 bei einer Nachkontrolle in Folge der Atomkatastrophe in Fukushima herausstellte, dass Sicherheitsventile in den Abklingbecken der Reaktoren 2 und 3 fehlten. Insgesamt kommen die Parlamentarier, die für ihren Bericht 43 Anhörungen durchführten, zu dem Ergebnis, dass die Atomanlagen gegen mögliche Terrorangriffe nicht ausreichend geschützt sind. 33 Maßnahmen schlagen sie vor, wie die Sicherheit in den Atomkraftwerken verbessert werden kann – zum Beispiel durch eine verstärkte Präsenz von Gendarmen an den Standorten oder durch eine Verpflichtung der Hersteller von Satelliten-Bildern auf diesen AKW unscharf zu machen.

Die EdF reagierte kritisch auf den Abschlussbericht der Untersuchungskommission. Dieser weise keine Verstöße gegen die Betreiberpflichten nach. Im Gegenteil würden dadurch die bereits existierenden Maßnahmen bestätigt, welche die Sicherheit der Atomstromanlagen gewährleisteten.