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Atomkraft
AKW Fessenheim reagiert auf Hitze

 Das Atomkraftwerk Fessenheim wird mit Flusswasser gekühlt.
Das Atomkraftwerk Fessenheim wird mit Flusswasser gekühlt. FOTO: dpa / Violetta Kuhn
Fessenheim. Die anhaltende Hitzewelle zwingt auch das elsässische Atomkraftwerk Fessenheim südlich von Colmar in die Knie. Der Betreiber Electricité de France (EDF) sah sich in der Nacht zu Freitag gezwungen, die Stromproduktion zu drosseln. Von Jürgen Lorey

Die durchschnittliche Wassertemperatur im Grand Canal d’Alsace (Rheinseitenkanal), in den das Kühlwasser aus Fessenheim geleitet wird, hatte am Donnerstag die Grenze von 28 Grad Celsius überschritten. Um das Wasser im Kanal nicht noch weiter mit warmen Kühlwasser aufzuheizen, reduzierte EDF die Leistung des zweiten Kraftwerkreaktors um ein Drittel von 900 auf 600 Megawatt. Nach Angaben der Pressestelle ist es das erste Mal in der Geschichte des Atomkraftwerks in Fessenheim, dass die Stromproduktion wegen einer lang andauernden Hitzeperiode heruntergefahren werden musste. Laut Vorhersage des französischen Wetterdienstes Météo France dauert die Hitzewelle im Elsass auch in den kommenden Tagen an, was die Stromproduktion in Fessenheim weiter beeinträchtigen könnte.

„Wir schließen nicht aus, dass wir die Leistung noch mehr reduzieren oder dass es sogar zu einem Stopp des Reaktors kommt, wenn die Temperaturen weiter steigen“, heißt es in einer Erklärung der Kraftwerks-Pressestelle.

Die Kraftwerke entnehmen ihr Kühlwasser in der Regel aus Flüssen. Damit die Temperatur der Gewässer durch die Wiedereinspeisung von genutztem Kühlwasser nicht zu stark ansteigt, unterliegt die Entnahme strengen Vorgaben. Im Gegensatz zu vielen anderen Kraftwerken, die an Flüssen oder an der Meeresküste gebaut wurden, hat das Kraftwerk Fessenheim keine Kühltürme und setzt stattdessen direkt auf die Kühlung durch Flusswasser. Das kritisieren Umweltschützer seit Jahren vehement, weil das Kraftwerk wie „ein riesiger Tauchsieder“ funktioniere.