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Stärkere Bejagung schwierig
Afrikanische Schweinepest macht Sorge

Wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest fordern die Bauern eine deutliche Dezimierung der Wildschweinbestände.
Wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest fordern die Bauern eine deutliche Dezimierung der Wildschweinbestände. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Gensingen. Die Bauern sind wegen eines drohenden Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest beunruhigt. Sie fordern eine gewaltige Dezimierung der Wildschweinbestände — auch in Rheinland-Pfalz. Doch das ist gar nicht so einfach.

Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest hat der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz (LJV) Forderungen nach einer Reduzierung des Wildschweinbestands um 70 Prozent als unrealistisch zurückgewiesen. Niemand könne sagen, wie viele Wildschweine es hierzulande überhaupt gebe. „Kein Mensch weiß, was diese 70 Prozent in konkreten Zahlen bedeutet“, sagte Stephan Angermayer vom LJV in Gensingen jetzt der Deutschen Presse-Agentur. „Wir wissen nicht: Sind das 100 000 oder 500 000 oder 268 723?“

Die Afrikanische Schweinepest hat sich von Russland, die Ukraine und Weißrussland in die baltischen Länder ausgebreitet. Im vergangenen Jahr wurde der Erreger auch in Tschechien und südlich von Warschau in Polen gefunden. Das Virus ist für Menschen ungefährlich, bei Haus- und Wildschweinen aber verläuft die Erkrankung fast immer tödlich. Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Werner Schwarz, hatte der „Rheinischen Post“ gesagt, dass 70 Prozent der Wildschweine in Deutschland geschossen werden müssten, um ein Übergreifen auf Hausschweine zu verhindern.

Die Jäger bemühten sich nach Kräften, die hohen Bestände zu reduzieren, sagte Angermayer weiter. Aber es gebe ganz praktische Probleme. „Größere Bewegungsjagden können zum Beispiel auf derselben Fläche nicht nach Belieben oft wiederholt werden, denn der jeweilige Organisationsaufwand ist erheblich. Und zudem kann jeder Jäger an einem Tag nur auf einer Jagd sein.“



Auch von Hochsitzen aus könnten nicht beliebig viele Wildschweine geschossen werden, sagte Angermayer. „Die Jäger sind schon ständig draußen.“ Ihre Zahl sei endlich und auch die zur Verfügung stehende Zeit begrenzt. „Die Jagd erfolgt normalerweise auf freiwilliger Basis. Man kann niemanden verpflichten, 24 Stunden am Tag anzusitzen, der tagsüber seiner normalen Arbeit nachgehen muss.“ Hinzu komme, dass die Tiere sehr klug seien und auswichen. Angermayer: „Die Wildschweine haben ihre Feindvermeidungsstrategien. Sie gucken und prüfen: Ist da irgendwo ein Feind, der uns auf die Pelle rücken will?“

Gewisse Rahmenbedingungen rund um die Jagd könnten aber durchaus erleichtert werden, fuhr Angermayer mit einem Blick auf die Grundeigentümer, die Behörden und auf die Politik fort. Behörden könnten durch eine Reduktion oder den Wegfall bestimmter Gebühren Anreize schaffen – Jäger zahlen zum Beispiel für die Verkehrsberuhigung während der Drückjagden, für die Untersuchungen der erlegten Tiere auf Krankheiten und Steuern für ihre Jagdhunde.

Angermayer schlug vor, die Landwirte könnten in Mais- und Rapsfeldern zum Beispiel vermehrt Schneisen mit niedrigem Bewuchs anlegen, in denen die Wildschweine für die Jäger besser sichtbar sind. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau hatte erklärt, solche Schneisen seien möglich – wenn die Jagdpächter den Landwirten die Entschädigung zahlten. Angermayer meinte, alle Beteiligten trügen gemeinsam die Verantwortung. Da könne es nicht sein, dass Entschädigungszahlungen den Jagdpächtern alleine auferlegt werden sollen.

(dpa)