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Dritter Verhandlungstag im Landgericht Zweibrücken
Das Blut auf den Messern stammt von Opfer und Beschuldigter

Zweibrücken/Pirmasens . Zwei Gutachter haben den Tatvorwurf gegen einen junge Pirmasenserin vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken untermauert. Von Rainer Ulm

Dieser Montag war in der Ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken vor allem der Tag der Sachverständigen, die ihre toxikologischen Befunde und DNA-Analysen vorgelegt haben. Sie bestätigten den Tatvorwurf gegen die Beschuldigte.

Die 31-Jährige soll ihren Lebensgefährten mit nicht weniger als 45 Messerstichen getötet haben. Deshalb muss sich die junge Frau seit vergangenem Mittwoch im Landgericht Zweibrücken in einem sogenannten Sicherungsverfahren verantworten, bei dem die Staatsanwaltschaft keine Freiheitsstrafe, sondern die Unterbringung in einer forensischen Psychiatrie beantragt – so auch im Falle der 31-jährigen Pirmasenserin. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Totschlag vor. Demnach soll sie ihren 58-jährigen Lebensgefährten am Abend des 28. Juli 2019 in dessen Wohnung in der Pirmasenser Hauptstraße, wo sie mit ihm seit einigen Wochen gemeinsam gelebt hatte, mit zwei Küchenmessern am ganzen Körper so schwer verletzt haben, dass er noch an Ort und Stelle starb. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Pirmasenserin „im Zustand einer erkrankungsbedingten Schuldunfähigkeit“ handelte. Denn die Beschuldigte leide unter einer „akuten paranoid-halluzinatorischen Psychose“.

Ein Gutachter kam in seinem toxikologischen Befundbericht zu dem Ergebnis, dass die Beschuldigte zum Tatzeitpunkt sehr wahrscheinlich unter Drogeneinfluss gestanden hatte. Sie soll vor der Bluttat sowohl Amphetamin als auch Cannabis konsumiert haben – möglicherweise sogar hochdosiert, was zu „Aggressivität“ und „Enthemmung“ geführt haben könnte, sagte der 37-jährige Mediziner aus. Durch den zeitgleichen Konsum beider Substanzen würden Blutdruck und Herzfrequenz erhöht, wodurch der Körper extremen Kreislaufbelastungen ausgesetzt werde.



Ein 48-jähriger Sachverständiger für DNA-Analysen beim Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz in Mainz ordnete die Blutspuren auf drei Messern, einem Badeanzug und einer Basecap, die in einer Jeansweste eingewickelt waren, und auf der Weste selbst sowohl dem Getöteten als auch der Beschuldigten zu. Das Bündel war unweit des mutmaßlichen Tatorts, unter einem Auto versteckt, gefunden worden.

Ganz so eindeutig war die Aussage einer 44-jährigen ehemaligen Freundin des erstochenen 58-Jährigen nicht. Sie will den später Getöteten vor der 31-Jährigen gewarnt haben als die Frau bei ihm einzog, wie sie am Montag im Zeugenstand aussagte: „Sie war obdachlos und er hat sie aufgenommen.“ Auf die Frage des Gerichts, was sie seinerzeit denn genau gegen die 31-Jährige einzuwenden gehabt habe („Das gibt noch was!“), antwortete sie nur ausweichend. Die junge Frau sei „immer so hibbelig und aufgedreht“ gewesen, habe oft „wirres Zeug“ geredet und jedes Mal, wenn sie zu Besuch war, die Wohnungstür von innen abgeschlossen. Das habe ihr nicht gefallen. Ihren Freund will sie noch am Tattag gesehen haben. Am darauffolgenden Samstagmorgen habe er allerdings auf das vereinbarte Klingelzeichen die Haustür nicht mehr geöffnet.

Die Verhandlung vor der Ersten Strafkammer wird am kommenden Freitag um 9 Uhr fortgesetzt.