| 20:19 Uhr

Weniger Viren
Warum sich der Umstieg auf Linux lohnt

 Der lächelnde Pinguin namens Tux ist das offizielle Maskottchen von Linux.
Der lächelnde Pinguin namens Tux ist das offizielle Maskottchen von Linux. FOTO: dpa-tmn / Andrea Warnecke
Berlin. Die kostenlose Software ist bei Privatnutzern weniger verbreitet als der Platzhirsch Windows – und gerade das ist eine ihrer Stärken. Von Martin Trappen

Windows ist zwar bei privaten PC-Nutzern seit Ewigkeiten das beliebteste Betriebssystem, aber es ist längst nicht das einzige. Eine Alternative stellen Linux-basierte Betriebssysteme dar. Ein Blick über den Tellerrand kann sich besonders für alle lohnen, die derzeit noch Windows 7 verwenden und nicht auf Version 10 umsteigen wollen. Da Microsoft am 14. Januar 2020 aufhört, die in die Jahre gekommene Version 7 mit Sichheitsaktualisierungen zu versorgen, ist es für deren Nutzer ratsam, sich Gedanken über eine Alternative zu machen.

Was ist Linux?



Hinter dem Namen steckt ein Programmkern, der zu einem vollständigen Betriebssystem ausgebaut werden kann. Anders als bei Windows gibt es deshalb zahlreiche Varianten der Software, sie werden als Distributionen bezeichnet. Der Linux-Programmkern, auch Kernel genannt, ist Open Source (quelloffen). Das heißt, dass jeder Nutzer dazu berechtigt ist, den der Software zugrunde liegenden Code anzuschauen, anzupassen und weiterzuentwickeln. Daher ist es möglich, dass Software-Entwickler auf der ganzen Welt, Unternehmen und Organisationen ebenso wie private Programmierer an Linux arbeiten. Nutzer können viele der Fassungen kostenlos herunterladen und installieren.

Linux ist vor allem unter Privat­anwendern weniger verbreitet als Windows. Laut der Statistikplattform Statista erzielten Windows-Systeme in Deutschland im März 2019 einen Marktanteil von 80,2 Prozent. MacOS, das Computer-Betriebssystem des iPhone-Konzerns Apple, kam auf einen Wert von 14 Prozent, während die Linux-Betriebssysteme mit 3,4 Prozent den dritten Platz belegten. Auch im internationalen Vergleich ist Windows das beliebteste Betriebssystem. Der Anteil der Linux-PCs ist laut Statista jedoch im weltweiten Durchschnitt nur halb so hoch wie in Deutschland.

Wer bislang Windows 7 gewohnt ist, dem empfiehlt Liane Dubowy vom Computerfachmagazin c’t die Linux-Distribution Mint 19.1 Tessa. Das System sei besonders einsteigerfreundlich und leicht zu nutzen. Außerdem ähnele seine Benutzeroberfläche der von Windows 7 und erleichtere so den Umstieg. Das Fachmagazin PC Welt erklärt, dass Windows-Umsteiger sich bei Linux Mint vor allem aufgrund des Startmenüs, das dem von Windows 7 sehr ähnlich sei, wohlfühlen dürften. Gleichzeitig stelle die Distribution keine allzu großen Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des PCs. Als Alternativen für Linux-Einsteiger empfiehlt das Computer-Fachportal Chip.de die Distributionen Ubuntu, Manjaro Linux und OpenSUSE Leap. Für ältere PCs sei besonders MX Linux geeignet, da diese Fassung auch auf alten und langsamen Rechnern gut laufe. Stark an Windows orientiere sich zudem die Variante Zorin OS.

Welche Unterschiede bestehen zwischen Linux und Windows?

Linux bietet seinen Nutzern gegenüber Windows einige Vorteile, erläutern die Experten der PC Welt. Alle Linux-Distributionen für den Privatgebrauch sowie zahlreiche Anwendungen seien kostenlos. Auch gelte Linux als sicherer, weil ihm ein Virus oder Trojaner, der für Windows entwickelt wurde, nichts anhaben könne. Wegen des geringeren Marktanteils würden generell wesentlich weniger Schadprogramme für Linux entwickelt.

Zu den Nachteilen gehöre, dass nicht jeder Hardwarehersteller Treiber für Linux anbiete. Geräte wie WLAN-Adapter, TV-Sticks oder Drucker würden unter Linux nicht immer erkannt. Auf einem Laptop müssen Nutzer laut dem Fachmagazin damit rechnen, dass der Akku nicht so lange durchhält wie unter Windows, da letzteres mehr Energiesparfunktionen habe.

Viele aus der Windows-Welt bekannte Programme gibt es für Linux nicht. Dazu gehört das Bildbearbeitungsprogramm Photoshop. Allerdings existieren in den meisten Fällen ähnliche Open-Source-Alternativen. Anstelle von Photoshop können Nutzer etwa auf das kostenlose Grafikprogramm Gimp zurückgreifen. Das Bürosoftware-Paket Microsoft Office lässt sich durch die kostenlose Programmsammlung Libre Office ersetzen.

So manches quelloffene Programm ist auch unter Windows-Nutzer beliebt. Dazu gehören der Firefox-Browser sowie das E-Mail-Programm Thunderbird, beide von der Mozilla-Organisation, und der VLC Media Player, mit dem sich Video- und Musikdateien abspielen lassen. Ein Problem kann Linux laut PC Welt für Computerspieler sein, da zahlreiche Spiele auf dem quelloffenen System nicht oder weniger flüssig laufen. Die Situation habe sich für Zocker in den vergangenen Jahren jedoch verbessert.

Wie wie kann ich Linux vor der Installation ausprobieren?

Wer mit dem Gedanken spielt, Linux zu verwenden, kann es vorher ohne großen Aufwand ausprobieren, erklärt Liane Dubowy von der c’t. Nutzer könnten das System demzufolge von einem USB-Stick starten und so herausfinden, ob ihnen die Optik gefällt, ob sie mit der Benutzeroberfläche zurechtkommen und ob sich der eigene Rechner mit dem System grundsätzlich verträgt. Sollte Linux bei einer solchen Testfahrt lahmen, ist das laut c’t kein Grund zur Sorge. Sobald das System richtig auf dem Computer installiert sei, laufe alles erheblich flüssiger.

Wer nach den ersten Versuchen zufrieden mit Linux ist, kann das Betriebssystem dann parallel zu Windows auf dem PC installieren und sich in Ruhe mit dem neuen System anfreunden. Sollte etwas schiefgehen, ist die vertraute Windows-Umgebung immer noch einsatzbereit. Wer sich ganz sicher ist, kann in einem letzten Schritt Microsofts Betriebssystem vollständig hinter sich lassen und seinen Rechner komplett auf Linux
umstellen.

 Experten empfehlen Umsteigern die Linux-Variante Mint, da sich diese ähnlich wie Window über eine Startleiste bedienen lasse.
Experten empfehlen Umsteigern die Linux-Variante Mint, da sich diese ähnlich wie Window über eine Startleiste bedienen lasse. FOTO: dpa-tmn / Linux Mint