| 22:44 Uhr

Mikrochip
Technik, die unter die Haut geht

Stockholm. Immer mehr Schweden lassen sich einen Mikrochip einpflanzen. Kritiker fürchten um den Datenschutz. Von afp

Wenn Ulrike Celsing zur Arbeit geht, braucht sie keinen Schlüssel. Stattdessen hält die 28-jährige Schwedin einfach ihre linke Hand in die Höhe und schon öffnet sich die Tür zu ihrem Büro. Wie bereits tausende ihrer Landsleute trägt sie einen Mikrochip unter der Haut. Dieser ist klein wie ein Reiskorn, hat aber riesige Einsatzmöglichkeiten. Ob elektronische Fahrkarte oder digitales Zahlungsmittel, das Implantat kann das Leben im Digitalzeitalter bequemer machen – oder auch gefährlicher wie Kritiker warnen.

Mikrochip-Träger nutzen den Miniaturchip wie eine elektronische Handtasche, der beispielsweise die Karte fürs Fitnessstudio oder das Zugticket ersetzt. Innerhalb eines Jahres haben sich bei der schwedischen Bahngesellschaft SJ bereits 130 Nutzer für den Service angemeldet. Kontrolleure scannen bei diesen Kunden dann einfach die Hand des Fahrgastes.

Der Miniaturchip nutzt dabei das Prinzip der Near Field Communication (NFC), bei dem drahtlos Informationen ausgelesen werden. Diese Technik kommt auch bei Kreditkarten zum Einsatz. Die Implantate sind dabei passiv, das heißt sie enthalten zwar Informationen – Daten von anderen Quellen können sie aber nicht auslesen.



3000 Schweden haben einen solchen Chip inzwischen unter der Haut. Viele der rund zehn Millionen Einwohner des skandinavischen Landes stehen nicht nur der Technologie, sondern auch dem Teilen privater Informationen grundsätzlich offener gegenüber als etwa die Menschen in Deutschland.

Kritisch sieht die Implantate der Mikrobiologe Ben Libberton, der im südschwedischen Lund in einem Labor für Lasertechnologie arbeitet. Die Chips könnten Infektionen oder Reaktionen des körpereigenen Immunsystems verursachen, warnt er. Das größte Risiko besteht allerdings beim Datenschutz: „Im Moment sind die gesammelten Datenmengen, die von den Implantaten geteilt werden, noch klein“, sagt Libberton. Aber das werde sich in Zukunft wahrscheinlich ändern. Je mehr Daten an einem Ort gespeichert würden, desto höher sei das Risiko, „dass sie gegen uns verwendet werden“, sagt Libberton.