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Rauchen lässt Gesicht schneller altern
So hässlich macht Zigarettenqualm

Blick in die Zukunft: Diese zusammengefügten Fotos simulieren die Effekte des Alterns am Beispiel des Gesichts einer jungen Frau, die zum Zeitpunkt der Aufnahme 18 Jahre alt ist. Wie sie in 15 Jahren aussehen könnte, falls sie täglich eine Schachtel Zigaretten raucht, zeigt der linke Teil des Bildes. Auf der rechten Seite hat das Computerprogramm Smokerface dagegen den natürlichen Alterungsprozess simuliert.
Blick in die Zukunft: Diese zusammengefügten Fotos simulieren die Effekte des Alterns am Beispiel des Gesichts einer jungen Frau, die zum Zeitpunkt der Aufnahme 18 Jahre alt ist. Wie sie in 15 Jahren aussehen könnte, falls sie täglich eine Schachtel Zigaretten raucht, zeigt der linke Teil des Bildes. Auf der rechten Seite hat das Computerprogramm Smokerface dagegen den natürlichen Alterungsprozess simuliert. FOTO: smokerface / titus brinker
Heidelberg . Rauchen und zu viel UV-Licht lassen unser Gesicht im Zeitraffer altern. Wie schlimm das wird, zeigt eine Smartphone-App. Von Peter Bylda

Jeden Tag sterben in Deutschland 300 Menschen vorzeitig an den Folgen des Rauchens.  Umgerechnet aufs Jahr sind das etwa 110 000 Todesfälle. Die Zahl der Raucher (16,3 Millionen) sinkt zwar langsam, berichtet die Frankfurter University of Applied Sciences. Doch in anderen Ländern sinkt sie schneller. Weil sich dort die Erkenntnis rascher verbreite, wie gefährlich Tabakrauch ist, ist Deutschland bis heute unter den Top Ten der Rauchernationen zu finden.

Diese unrühmliche Platzierung will Dr. Titus Brinker ändern. Und zwar so schnell wie möglich. Der Arzt hat den Verein „Aufklärung gegen Tabak“ gegründet, der Präventionskampagnen an Schulen betreibt und in dem sich weltweit 3000 Medizinstudenten zusammengeschlossen haben, wie er erzählt. Sie eint außer ihrem Studienfach die Überzeugung: „Tabak ist die größte Ursache für frühzeitigen Tod in Europa“, wie es auf seiner Internetseite gegentabak.de heißt.

Titus Brinker ist nicht nur Mediziner, er pflegt auch ein für Ärzte ungewöhnliches Hobby. Der Abteilungsleiter am Nationalen Zentrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg schreibt Software. Damit habe er schon als Teenager begonnen, zum Beispiel beim Programmieren von WWW-Seiten, erzählt der 27 Jahre alte Hautarzt. Ihn habe fasziniert, „wie man mit ein paar Zeilen Code Computerfunktionen auslösen kann“. Das ist bis heute so geblieben, doch Brinkers Programme dienen nun einem medizinischen Zweck. Er möchte möglichst viele junge Menschen davon abhalten, zur Zigarette zu greifen.



Rauchen, so sagt das Robert-Koch-Institut, die zentrale Einrichtung zur Gesundheitsforschung in Deutschland, ist das größte Gesundheitsrisiko unserer Tage. Doch schon lange bevor der Lungenkrebs beginnt, zeichnen sich Gesundheitsschäden durch Tabakqualm im Gesicht eines Menschen ab. Rauchen macht hässlich. Das soll eine App demonstrieren, die Brinker für die großen Smartphone-Betriebssysteme entwickelt hat. „Smokerface“ zeigt, was sich nach fünf, zehn oder 15 Jahren im Gesicht eines Rauchers ändert. Und das ist wirklich nicht schön anzuschauen. Ein Selfie genügt und die Zeitmaschine der App dreht die Uhr des Lebens um eineinhalb Jahrzehnte vor und simuliert die Hautalterung mit und ohne Zigarette. Schon Nichtrauchern dürfte das Ergebnis nicht gefallen, doch Raucher brauchen starke Nerven, wenn sie sich selbst ins Antlitz schauen. Der Horrortrip auf dem Smartphone zeigt, wie ein glattes Gesicht binnen weniger Jahre zu einer fahlen Kraterlandschaft mit Furchen, Fleckben und Falten mutiert.

Wie sich diese Form der Prävention auswirkt, soll in Studien untersucht werden. Das Interesse an der digitalen Zeitmaschine ist jedenfalls bereits groß. Über 100 000-mal ist die App bislang aus Googles Playstore geladen worden. Insgesamt seien über 600 000 Versionen aller seiner Apps auf Apple- und Android-Geräten installiert, berichtet Brinker stolz. Der Plural zeigt: Der programmierende Mediziner hat mehr als nur eine App veröffentlicht. Für Smokerface wurde er zweimal beim sogenannten Startsocial-Wettbewerb für ehrenamtliche, soziale Projekte von der Bundeskanzlerin ausgezeichnet, für die Nachfolge-App „Sunface“ hat er vor wenigen Wochen den Young Research Award der La Roche-Posay-Foundation erhalten. Hier geht es um die Folgen übermäßiger UV-Strahlung. Sunface soll junge Menschen vor Hautkrebs warnen, ein Thema, dem der Hautarzt Titus Brinker täglich bei seiner Arbeit im Krankenhaus begegnet.

Sunface und Smokerface gehören zur Kategorie der sogenannten Photoaging-Apps, die das Altern simulieren. Sunface verrechnet dabei ein Selfie, Angaben zum Hauttyp und drei UV-Optionen – Sonnenbad mit und ohne Sonnenschutz und dazu eine zusätzliche wöchentliche UV-Dusche im Solarium – zum mutmaßlichen Aussehen in fünf bis 25 Jahren. Zusätzlich zeigt die App, wie sich je nach Verhalten das Krebsrisiko erhöht, und sie erklärt, woran man Hautkrebs und seine Vorstufen erkennt. Wer wagemutig ist, kann Freunde und Verwandte über soziale Netzwerke über sein mutmaßliches künftiges Aussehen in Kenntnis setzen. Die App ist ein großer Partyspaß unter jungen Leuten. Eine Untersuchung in Essen mit 205 Schülern im Alter zwischen 13 und 19 Jahren habe aber auch gezeigt, dass sie Teenager zum Nachdenken über UV-Schutz bringe, berichtet die Uniklinik Heidelberg.

Was bringt einen jungen Arzt dazu, seine Zeit ins Programmieren von Smartphone-Apps zu investieren? Titus Brinker spricht über Erfahrungen aus dem Studium, wo das Thema Prävention, vor allem beim Rauchen, zu kurz gekommen sei. Drei Viertel der Lungenkrebspatienten kämen zu spät zum Arzt. Hautkrebs zähle zu den häufigsten Tumoren junger Erwachsener. Diese Krankheiten, die so viele Leid bedeuteten, ließen sich leicht verhindern, seien aber schwierig zu behandeln. „Wenn Sie das einmal angesehen haben, sind Sie extrem motiviert.“ Das sieht das Nationale Zentrum für Tumorerkrankungen der Uniklinik Heidelberg ähnlich. Dort wurde eine Forschungsgruppe App-Entwicklung eingerichtet. Sie soll neue, digitale Gesundheitsangebote fürs Internet entwickeln. Ihr Leiter ist Titus Brinker.

Die kostenlosen Smartphone-Apps Sunface und Smokerface gibt es in Googles Playstore und im Appstore von Apple. Der Verein „Aufklärung gegen Tabak“ hat die Internet-Adresse www.gegentabak.de

Der Hautarzt 
Titus Brinker entwickelt Apps.
Der Hautarzt Titus Brinker entwickelt Apps. FOTO: Titus Brinker