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Wenn im Notfall Sekunden entscheiden
Das Smartphone als Retter in der Not

 Auf den meisten Geräten können Notfallinformationen des Patienten wie Blutgruppe oder Allergien hinterlegt werden. Diese Daten können Rettungskräfte auch ohne Zugangscode abrufen.
Auf den meisten Geräten können Notfallinformationen des Patienten wie Blutgruppe oder Allergien hinterlegt werden. Diese Daten können Rettungskräfte auch ohne Zugangscode abrufen. FOTO: dpa-tmn / Zacharie Scheurer
Berlin. Viele Mobiltelefone können im Notfall automatisch die Rettungskräfte alarmieren und sie zu einem Patienten führen. Von Martin Trappen

Die Notrufnummern 110 (Polizei) und 112 (Feuerwehr oder Rettungsdienst) kennt in Deutschland jedes Kind. Wenige wissen, dass die 112 auch eine EU-weite einheitliche Notrufnummer ist. Wer sie im EU-Ausland wählt, wird von jedem Festnetz- und Mobiltelefon kostenlos mit den örtlichen Notrufdiensten von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr verbunden. Wer ein Smartphone besitzt, kann den Notruf jedoch noch viel einfacher verständigen. Eine entsprechende Funktion ist inzwischen in vielen modernen Handys eingebaut. Die wenigsten Funktionen sind von vornherein aktiviert, wer sie im Notfall nutzen möchte, muss einige Vorkehrungen treffen.

Nutzer können für den Notfall vorsorgen, indem sie in ihr Telefon medizinische Informationen eingeben. Das kann lebenswichtig werden, wenn der Handybesitzer nicht in der Lage ist, mit Rettungskräften zu sprechen, die Helfer aber wichtige Infos für die Behandlung des Patienten benötigen. Er kann unter anderem Name, Adresse, Blutgruppe, Allergien, welche Medikamente er nimmt und ob er Organspender ist, hinterlegen. Diese Angaben können Android-Nutzer in den Einstellungen ihres Telefons eingeben. Wo genau, ist jedoch von Gerät zu Gerät unterschiedlich. Meist heißt der entsprechende Menüpunkt „System“, „Mein Telefon“ oder „(Be-)Nutzer“. Am einfachsten finden Anwender den entsprechenden Eintrag, indem sie die Suchfunktion in den Einstellungen verwenden. Wer den Suchbegriff „Notfall“ eingibt, sollte den Weg zur Eingabe der medizinischen Informationen finden. Dort lassen sich in der Regel auch die Notfallkontakte festlegen. Familie, Freunde und Bekannte, die als Notfallkontakte eingetragen sind, werden dann automatisch benachrichtigt. Auf Wunsch wird den Kontakten auch der aktuelle Standort des Geräts angezeigt, damit der Retuungsdienst schnell zum Ziel findet.

Notfallinformationen und -kontakte lassen sich auf dem Smartphone jederzeit abrufen, auch wenn der Bildschirm des Handys gesperrt ist. Auch ohne den Zugangscode für das Gerät zu kennen, können Rettungskräfte die lebenswichtigen Daten einsehen. Dazu müssen sie nur mit dem Finger einmal nach unten oder oben wischen. Mit einem Tippen auf „Notruf“ werden die Daten angezeigt.



Ähnliche Funktionen bieten auch Apples iPhones. In der ins iOS-Betriebssystem eingebetteten App ­Health (Gesundheit) lässt sich ein sogenannter Notfallpass einrichten. Der enthält die gleichen Informationen zur eigenen Gesundheit, die auch bei Android ausgefüllt werden müssen. Ebenso lassen sich auch hier Familie, Freunde und Bekannte festlegen, die im Notfall neben den Rettungsdiensten benachrichtigt werden sollen.

In iPhones ist seit der Version 11 von Apples mobilem Betriebssystem iOS eine Notfallfunktion eingebaut. Wer ein iPhone 8, iPhone X oder ein neueres Modell besitzt, muss laut Angaben von Apple den Ein-/Aus-Knopf an der rechten Seite des Geräts und eine der Lautstärketasten an der linken Seite des Handys gedrückt halten. Als Erstes erscheint der Schieber „Notruf SOS“. Den können Nutzer nach rechts ziehen, um den Notruf zu starten. Oder man hält die beiden Tasten weiter gedrückt. Nach kurzer Zeit startet ein Countdown mit Signalton. Bleiben die Finger auf den Tasten, startet der Notruf bei Ende des Countdowns. Den automatischen Notruf müssen Nutzer unter Umständen in den Einstellungen unter „Notruf SOS“ zuerst einschalten. Hier findet sich auch die Option „Mit Seitentaste anrufen“. Ist sie eingeschaltet, kann der Notruf auch absetzt werden, indem fünfmal hintereinander der Ein-/Aus-Knopf betätigt wird. Genauso lässt sich die Notruffunktion auch auf einem iPhone 7 und auf älteren Modellen aktivieren.

Besitzer von Android-Smartphones sollen im Notfall bald noch bessere Karten haben. Die großen deutschen Mobilfunkanbieter, die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica (O2), haben zusammen mit Google eine Funktion in das Betriebssystem integriert, die Android-Handys ihre Standortdaten an die nächste Leitstelle übertragen lässt, wenn der Nutzer den Notruf wählt. So sollen Rettungskräfte möglichst schnell den Weg zur Unfallstelle finden, erklären die Netzbetreiber.

Android-Nutzer müssen keine App installieren oder eine bestimmte Einstellung an ihrem Handy vornehmen. Sobald die 112 gewählt wird, wird der Standort des Geräts automatisch an die zuständige Leitstelle übermittelt. Die Notfallortung wird laut Google von allen Smartphones unterstützt, die mit Android 4.0 oder einer neueren Version laufen. Einzige Voraussetzung ist, dass die Google-Dienste, ein Bündel an Programmen, das auf nahezu allen Android-Geräten jederzeit im Hintergrund läuft, installiert sind. Sofern auf dem Smartphone der Google Play Store, Googles Online-Verkaufsplattform für Android-Smartphones, zu finden ist, lassen sich die Google Play Dienste jederzeit herunterladen und auf dem neuesten Stand halten.

Besitzer von iOS-Geräten profitieren von der Zusammenarbeit der Mobilfunkanbieter und Google bislang nicht. Doch mit dem neuesten Update (iOS 13.3) hat Apple eine ähnliche Funktion, die bei der Aktualisierung automatisch eingeschaltet wird, auf iPhones installiert. Wenn ein Anrufer den Notruf über 112 absetzt, wird sein aktueller Standort an die Rettungskräfte freigegeben.