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Wie gefährlich sind Smartphones?
Der strahlende Begleiter direkt am Ohr

Dient das Smartphone als Wecker auf dem Nachttisch, können Nutzer den Flugmodus aktivieren, um die Strahlung zu mindern.
Dient das Smartphone als Wecker auf dem Nachttisch, können Nutzer den Flugmodus aktivieren, um die Strahlung zu mindern. FOTO: dpa-tmn / Christin Klose
Berlin. Ob in der Hand oder in der Tasche — das Smartphone ist immer dabei. Gesicherte Erkenntnisse, ob Handy-Strahlung auf Dauer schädlich ist, gibt es nicht. Experten empfehlen dennoch, die Belastung so weit wie möglich zu reduzieren. Von Sven-Hendrik Hahn (dpa)

Eine Tumorerkrankung als Folge von Mobilfunk-Strahlung? Ein umstrittenes Szenario, mit dem die Weltgesundheitsorganisation WHO 2011 Aufsehen erregte. Nach der Auswertung verschiedener Untersuchungen war das die Schlussfolgerung der WHO-Krebsforschungsagentur. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) betont zwar, dass Gesundheitsgefahren bisher nicht eindeutig belegt sind, aber „Risiken infolge langfristiger Nutzung von Mobilfunkgeräten können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausgeschlossen werden“, sagt Sprecher Jan Henrik Lauer. Das BfS empfiehlt daher, die Strahlung in unmittelbarer Körpernähe in jedem Fall zu minimieren.

Um welche Strahlen geht es eigentlich? Smartphones nutzen hochfrequente elektromagnetische Felder, um Sprache und Daten zu senden und zu empfangen. Der Smartphone-Nutzer spürt davon unmittelbar nichts, aber er nimmt Energie auf, die als sogenannte spezifische Absorptionsrate (SAR) in Watt pro Kilogramm Körpergewicht (W/kg) gemessen wird. Dieser Wert muss bei allen ­Smartphones und Tablets angegeben werden. Der empfohlene Höchstwert liegt laut BfS bei zwei W/kg. Bei jedem verfügbaren Smartphone wird der SAR-Wert zweimal gemessen – beim Telefonieren am Ohr und beim Tragen des Geräts am Körper.

Die Werte finden Nutzer in der Betriebsanleitung und in der Datenbank des Bundesamts (Infokasten), die regelmäßig aktualisiert wird und online verfügbar ist. Demnach liegt der Wert für das Samsung-Modell Galaxy S9+ am Ohr bei 0,29 W/kg und am Körper bei 0,5 cm Abstand bei 1,35. Apples iPhone X liegt bei 0,92 am Ohr, am Körper bei 0,95. Huaweis P20Pro liegt laut Liste bei 0,73 am Ohr und 1,22 am Körper. Diese Werte seien unbedenklich, so BfS-Sprecher Lauer. Moderne Geräte mit LTE oder UMTS sind strahlungsärmer als ältere Geräte, die im GSM-Standard senden. „Das liegt auch am Gerätedesign“, erklärt Lauer. „Durch die größeren Bildschirme vergrößert sich der Abstand zwischen der oftmals im unteren Gehäuseteil verbauten Antenne und der Messsonde, wodurch der SAR-Wert sinkt.“



Wie aber lässt sich Mobilfunkstrahlung reduzieren? Hersteller spezieller Hüllen werben damit, die Menschen vor Strahlung zu schützen. „Solches Zubehör führt dazu, dass das Smartphone seine Sendeleistung erhöht, um die Verbindung zu halten“, hält Bernd Theiss vom Fachmagazins, Connect dagegen. „Dann sendet es umso mehr Strahlung in Richtung Nutzer.“ Dagegen könnten einfache Verhaltensregeln die Strahlung deutlich reduzieren.

Grundvoraussetzung ist ein Smartphone mit einem möglichst niedrigen SAR-Wert. Bei einem Wert von unter 0,6 sprechen die Experten von einem strahlungsarmen Gerät. Laut BfS unterschreiten etwa 55 Prozent der aktuellen Smartphones diesen Wert. Allerdings, so Experte Lauer, werde das Smartphone heute länger und intensiver genutzt als früher. Die Strahlungsbelastung könne man daher auch reduzieren, indem man so oft wie möglich das Festnetztelefon statt das Smartphon nutzt.

Im Betrieb sollte die Antenne möglichst weit vom Kopf entfernt sein. Hierzu ist ein Headset empfehlenswert. Wenn das ­Smartphone nicht benutzt wird, sollte es nicht am Körper getragen werden. Hier stimmt Bernd Theiss zu: „Jede Verdopplung des Abstands reduziert die verbleibende Strahlung auf ein Viertel.“ Daher ist der Nachttisch neben dem Kopfkissen kein guter Platz, wenn das Gerät empfangsbereit bleibt. Wenn das Handy als Wecker diene, solle man den Flugmodus aktivieren, so das BfS.

Da Mobiltelefone bei schlechtem Empfang die maximale Strahlungsleistung erreichen, sollten Nutzer nicht in schlecht ausgebauten Gegenden, im Auto oder während einer Zugfahrt mit Tunneln telefonieren oder im Internet surfen. Laut BfS ist außerdem die Intensität der elektromagnetischen Wellen bei einer Funkverbindung per WLAN oder auch Bluetooth deutlich geringer als bei der normalen Mobilfunkverbindung.

Der Smartphone-Boom geht auch an Kindern nicht vorbei. Das Bundesamt rät, den Nachwuchs vor der hochfrequenten elektromagnetischen Strahlung zu schützen. Wenn möglich, sollte das WLAN-Netzwerk genutzt und die mobile Datennutzung so oft wie möglich ausgeschaltet werden. Die Strahlung, über deren Folgen für Groß und Klein kaum eine Institution abschließende Aussagen trifft, werde so in jedem Fall reduziert.