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Juristische Dienstleistungen im Internet
Online-Rechtsberatung hat ihre Tücken

Bad Homburg. Viele Internet-Portale bieten juristische Hilfe an. Verbraucher sollten diesen aber nicht blind vertrauen. dpa

Wer Rechtsberatung sucht, muss nicht unbedingt zum Anwalt gehen. Auch im Internet bieten viele Portale inzwischen juristische Dienstleistungen an. Verbraucher sollten allerdings darauf achten, ob sie auch das bekommen, was ihnen versprochen wird. Das rät die Wettbewerbszentrale, eine Selbstkontroll-Institution der Wirtschaft.

Ein Online-Portal bot beispielsweise den Ankauf von Ersatzansprüchen bei Flugverspätungen an und warb dafür mit dem Hinweis: „Jetzt kostenlos Anspruch berechnen! Schnell und ohne Risiko 600 Euro“. Diese Werbung ist nach Auffassung des Landgerichts Köln irreführend (Az.: 84 O 45/18), denn es werde nicht deutlich, dass der Portalbetreiber von der Entschädigung fast 15 Prozent zuzüglich Mehrwertsteuer einbehalte. Der Kunde bekomme also nie 600 Euro ausgezahlt.

In einem anderen Fall warb ein Fluggastrechte-Portal mit dem Slogan „Wir zahlen bis zu 400 Euro innerhalb von 24 Stunden“. Auch diese Aussage wurde als irreführend untersagt (Az.: 21 O 31/18). Denn das Portal warb an anderer Stelle mit Auszahlungsbeträgen zwischen 152 und 352 Euro. Für den Verbraucher sei die konkrete Entschädigung nicht durchschaubar, beanstandete das Landgericht Duisburg.



Ein anderes Portal warb mit folgendem Spruch damit, arbeitsrechtliche Abfindungsansprüche durchzusetzen: „Jeder hat ein Recht auf Abfindung“. Nach Ansicht des Landgerichts Bielefeld war diese Werbung irreführend, denn nicht jede Beendigung eines Arbeitsverhältnisses löst einen Abfindungsanspruch aus (Az.: 15 O 67/17).

Ein weiterer Anbieter wollte für Autofahrer Bußgeldbescheide abwehren und warb mit Versprechen wie „Kostenlos Bußgeld los“. Nach Auffassung des Landgerichts Hamburg war das irreführend, weil nur ein Anwalt beauftragt wurde, wenn das Portal Erfolgsaussichten sah (Az.: 312 O 477/16).