| 21:36 Uhr

Nachfrage geringer als gedacht
Online-Handel mit Lebensmitteln läuft nur schleppend an

Volle Lagerhäuser, geringer Absatz – Nahrungsmittel verkaufen sich über das Internet hierzulande noch immer eher schlecht.
Volle Lagerhäuser, geringer Absatz – Nahrungsmittel verkaufen sich über das Internet hierzulande noch immer eher schlecht. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Düsseldorf. Die Sorgen waren groß, als Amazon im Mai 2017 seinen Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh in Deutschland startete. Viele Händler fürchteten, der US-Internetgigant könne die Art und Weise revolutionieren, wie wir Lebensmittel kaufen. Doch der Boom des Online-Lebensmittelhandels lässt auf sich warten. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) etwa kommt in einer aktuellen Untersuchung zum Ergebnis, dass der Internethandel mit Konsumgütern wie Obst, Fleisch oder auch Zahnpasta in Deutschland trotz steigender Investitionen der Händler „mehr oder weniger auf der Stelle“ trete. Und das, obwohl nach jüngsten Zahlen des E-Commerce-Branchenverbandes bevh die Umsätze im Internethandel mit Lebensmitteln im ersten Quartal 2018 immerhin um gut 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau zulegen konnten.

Die Sorgen waren groß, als Amazon im Mai 2017 seinen Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh in Deutschland startete. Viele Händler fürchteten, der US-Internetgigant könne die Art und Weise revolutionieren, wie wir Lebensmittel kaufen. Doch der Boom des Online-Lebensmittelhandels lässt auf sich warten. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) etwa kommt in einer aktuellen Untersuchung zum Ergebnis, dass der Internethandel mit Konsumgütern wie Obst, Fleisch oder auch Zahnpasta in Deutschland trotz steigender Investitionen der Händler „mehr oder weniger auf der Stelle“ trete. Und das, obwohl nach jüngsten Zahlen des E-Commerce-Branchenverbandes bevh die Umsätze im Internethandel mit Lebensmitteln im ersten Quartal 2018 immerhin um gut 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau zulegen konnten.

Das klingt auf den ersten Blick viel – doch ist das Wachstum bescheiden, vergleicht man es mit den Raten in anderen Branchen in einer ähnlichen Phase des einsetzenden Online-Handels. Im Buchhandel etwa erzielten Amazon und Co. anfangs zum Teil dreistellige Wachstumsraten. Und insgesamt liegt der Online-Anteil am Gesamtumsatz mit Konsumgütern des täglichen Bedarfs nach wie vor deutlich unter zwei Prozent.

„Trotz aller Bemühungen des Handels scheint der Boden steiniger als erwartet“, urteilen auch die Experten von der GfK. Die Marktforscher sind mit ihrer Einschätzung nicht allein. Auch der E-Commerce-Experte Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) hat inzwischen Zweifel, ob sich der Online-Lebensmittelhandel noch zum Massenmarkt entwickeln wird. Möglicherweise sei das Angebot doch nur für spezielle Zielgruppen interessant.



Warum der Online-Handel mit Lebensmitteln nicht richtig in Gang kommt, dafür haben die GfK-Experten eine verblüffend einfache Erklärung: Die Kern-Klientel der Online-Händler seien Stadtbewohner, die meisten Angebote stünden der Landbevölkerung ohnehin nicht zur Verfügung. Doch gerade für Städter sei der Online-Einkauf oft umständlicher als der schnelle Besuch in einem der Läden in der Nachbarschaft. „Bevor man sich am Computer oder per Tablet durch die Produktlisten geklickt hat und dann – weil man tagsüber selten zu Hause ist – auch noch eine zumeist kostenpflichtige Terminlieferung vereinbart, für die man dann auch noch wirklich zu Hause sein muss, geht der Stadtbewohner doch lieber schnell einmal vor die Tür und erledigt seine Einkäufe beim Händler um die Ecke“, erklären die Marktforscher.

Auf dem Land habe der Online-Handel mit Lebensmitteln wegen der geringeren Dichte an Supermärkten zwar theoretisch ein größeres Kundenpotenzial. Doch hier rechne sich das Angebot für die Händler häufig nicht, weil die Zustellung über die großen Entfernungen nicht rentabel sei.