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Fußball
Internationaler Vergleich: Wie stark ist die Bundesliga wirklich?

FOTO: unsplash.com; @robertbye
Zweibrücken. Die Bundesliga geht langsam aber sicher in die finale Schlussphase. Das Meisterschaftsrennen ist spannender denn. Allerdings sind alle deutschen Teams in der Championsleague bereits im Achtelfinale ausgeschieden - jeweils gegen Teams von der Insel. Auch Leverkusen und Leipzig sind im Europapokal längst nicht mehr vertreten. Welche Qualität hat die Bundesliga im europäischen Vergleich? Hier wird gerne auf die Vergangenheit geschielt. Klubs aus der Bundesliga haben - allen voran natürlich der Rekordmeister Bayern München - auch in Europa guten Fußball gespielt. Das deutsche Championsleague-Finale 2013 ist unvergessen. In den letzten Jahren haben allerdings andere Teams die Führung übernommen. Kritiker erklären die Situation mit fehlenden finanziellen Mitteln und mangelnder Nachwuchsarbeit.

Die Vereine benötigen mehr Geld - etwa aus den Übertragungsrechten - um ihre Schlüsselspieler oder Talente halten zu können. Schließlich shoppen die Premier League Vereine mittlerweile gerne in Deutschland.

Finanzielle Ausstattung der Vereine

Ein Parameter zur Bewertung der Ligaqualität ist sicher das Abschneiden der Klubs in den internationalen Vereinswettbewerben. Die Champions League ist in diesem Zusammenhang klar der Primus unter den Wettbewerben. Die TV-Rechte werden in Paketen vergeben und kosten inzwischen mehrere hundert Millionen Euro. Im Fall einiger Top-Ligen geht es bei den Übertragungsrechten gar um Milliardenbeträge.



2017 hat der FC Bayern München - der deutsche Rekordmeister - hier sage und schreibe knapp 75 Millionen Euro durch die Verteilung der TV-Gelder eingenommen. Im Vergleich mit der Premier League wäre der FCB damit allerdings einsames Schlusslicht.

Hintergrund: In der Premier League hat im gleichen Zeitraum das Ligaschlussslicht FC Sunderland mehr als 100 Millionen aus den TV-Geldern erhalten. Noch krasser ist die Schere zwischen dem Rekordmeister aus München und den Spitzenreitern der englischen Liga:

  • FC Chelsea - 173 Millionen Euro
  • Man City - 168 Millionen Euro
  • Tottenham Hotspur - 167,5 Millionen Euro.

Diese krassen Unterschiede kommen durch die Einnahmen aus den TV-Rechten zustande. Laut Fußballmagazin ran.de kommt die Bundesliga bis 2021 hier pro Saison auf 1,16 Milliarden Euro (im Durchschnitt).

Damit steht die Bundesliga augenscheinlich recht gut da. Aber: Die Premier League erreicht in etwa doppelt so hohe Einnahmen aus den TV-Rechten - nämlich 2,3 Milliarden Euro je Saison. Selbst die spanische Primera Division kann bei solchen Zahlen nicht mithalten. Bei diesen Summen fehlen zudem die millionenschweren Investoren im Hintergrund.

Klubs kaufen Talente auf

Welche Folgen hat diese Schere für die Ligen? Sobald ein Klub finanziell deutlich besser dasteht, sticht er die anderen Interessenten auf dem Transfermarkt ganz eifnach aus. Dies lässt sich bereits in Deutschland beobachten. Bayern kann es sich leisten, die Spieler direkter Konkurrenten "abzuwerben".

Der eigene Kader wird hierdurch deutlich stärker, die Spielqualität der anderen Mannschaften leidet zeitgleich. Was sich in Gang setzt, ist eine Spirale. Erfolg zieht Sponsoren an, es steigen auch die Einnahmen aus dem Geschäft mit Fanartikeln. Letztlich verschiebt sich das Gleichgewicht immer stärker. Diese Entwicklung lässt sich auch auf Europa übertragen.

In den letzten Jahren haben Teams wie:

  • Barcelona
  • PSG
  • Real Madrid
  • Chelsea

auch auf dem deutschen Transfermarkt eine Rolle gespielt und starke Spieler abgeworben. Die besten Beispiele sind Emre Can, Julian Draxler, Mesut Özil oder Sami Khedira. Spieler wie Marc Andre ter Stegen oder Toni Kroos sind mittlerweile unverzichtbare Säulen bei ihren Clubs. Mit Thilo Kehrer und Max Meyer sind zudem zwei weitere deutsche Talente seit vergangen Jahr im Ausland aktiv. Und dank der Finanzen können es sich die Klubs leisten, exorbitante Ablösesummen in die Hand zu nehmen.

Zuschauerinteresse der europäischen Ligen

Lässt sich aus dem Zuschauerinteresse die Bedeutung der Bundesliga im internationalen Vergleich ableiten? Grundsätzlich liegen für Ligen wie die Bundesliga, die Premier League oder die Primera Division durchaus Zahlen bezüglich der Zuschauer im Stadion vor. Allerdings sind solche Statistiken - gerade, wenn es um vergleichende Ansätze geht - mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Zu den Gründen gehört unter anderem die Tatsache, dass die Rahmenbedingungen sehr stark variieren. So hat Deutschland mehr als 80 Millionen Einwohner. Großbritannien kommt dagegen auf rund 66 Millionen. Angenommen, prozentual sind die Fußballfans in beiden Ländern gleich verteilt, ergeben sich einfach Unterschiede.

Wie sehen die Zahlen in der Praxis aus? Laut DFB zog die Bundesliga in der Spielzeit 2017/2018 mehr als 13,4 Millionen Zuschauer ins Stadion. Die Primera Division hat im gleichen Zeitraum etwa 7,4 Millionen Zuschauer im Stadion (bezogen auf die einzelnen Klubs) gezählt. Trotz der Tatsache, dass Großbritannien bei der Einwohnerzahl deutlich kleiner als Deutschland ist, führt die Premier League die Statistik - mit 14,5 Millionen Besuchern - an. Und unterstreicht auf diese Weise eindrucksvoll, welche Bedeutung Fußball in England hat.

Die Unterschiede bei den Zuschauern sind keinesfalls als Hinweis auf den Enthusiasmus der Fans in den einzelnen Ländern zu werten. Gerade in Spanien wird Fankultur mitunter mit einer ganz besonderen Leidenschaft gelebt.

Spielstärke im Europa-Vergleich

Wie lassen sich deutsche Fußballklubs in Europa also mit anderen Klubs vergleichen? Möglich ist dies eigentlich nur, wenn direkte Aufeinandertreffen der Vereine ausgewertet werden. Hierfür dient der Blick auf Champions League und UEFA Europa League.

Hier treffen die besten Mannschaften aus den verschiedensten Ligabetrieben aufeinander - im Rahmen einer Qualifikation/Gruppenphase. Aus diesen gehen die Teams hervor, welche schließlich um die Pokale in die K.O. Runden gehen.

In der Champions League sind es vor allem zwei Vereine aus Deutschland, die immer wieder mit dabei waren - FC Bayern München und Borussia Dortmund.

Wie am Anfang bereits erwähnt schaut es in dieser Saison allerdings so schlecht aus wie lange nicht mehr. Der direkte Vergleich England gegen Deutschland geht in dieser Saison klar zu Gunsten der Briten aus. Schalke wurde mit 0:7 von Manchester City deklassiert und der BVB musste gegen Tottenham die Segel streichen.

Auch die Stärke der spanischen Klubs - sowohl in der Königsklasse als auch in der UEFA Europa League - haben deutsche Vereine bisher nicht brechen können. Besonders Real Madrid und der FC Barcelona haben in der Vergangenheit eine sehr starke Dominanz aufgebaut. In der UEFA Europa League sieht die Situation ähnlich aus. Hier sind es Sevilla und wie im letzten Jahr Atlético Madrid, die sich immer wieder gegen die anderen Mannschaften durchsetzen können.

Im Vergleich der TV-Gelder liegt auch die Primera Division deutlich hinter der Premier League. Geld kann den Erfolg letztlich also nicht komplett erklären.

Allerdings sind auch die großen Drei aus Spanien alles andere als finanzschwach. Auch Juventus Turin und Paris Saint Germain sind durch Investmentgruppen und Sponsorenverträgen in der Lage um den Championsleague mitzuspielen. Auch wenn PSG überraschend gegen Manchester United im Achtelfinale der laufenden Saison ausgeschieden ist, sind sie trotzdem in der Lage Spieler wie Neymar (222 Millionen Euro Ablöse) und Kylian Mbappe' (120 Millionen Euro Ablöse) zu verpflichten. Auch wenn es dafür heftige Kritik im Rahmen des Financial Fairplays und sogar Ermittlungen gab, kommen die Franzosen damit durch. Juventus Turin gönnte sich im Sommer gar die Dienste von Weltstar Cristiano Ronaldo. Die Ablöse von 105 Millionen ? kommt dem jährlichen Slär des Portugiesen gleich. Allerdings liefert CR7 und schoss Juventus quasi im Alleingang ins Viertelfinale.

Summen die Bayern bislang nicht bereit war auszugeben -für Unterschiedsspieler die den Bayern aktuell allerdings auch fehlen.

Man darf daher gespannt sein, wie der angekündigte Umbruch im kommenden Sommer aussieht. Das Standing und auch die wirtschaftliche Stärke haben die Münchener in jedem Fall. Neben dem neuen Sponsorendeal mit Audi kommt die gute ökonomische Arbeit der letzten Jahre den Bayern zu Gute.

Verteilung der Spielstärke - ein guter Gradmesser?

Die Stärke der Bundesliga könnte sich auch anhand der Frage beurteilen lassen, wie dicht die Vereine bezüglich der Leistung beieinander liegen. Was in der Theorie recht einfach klingen mag, ist in der Praxis schwierig umzusetzen.

Ursache ist der Aufbau des Ligabetriebs - egal, ob es um die Bundesliga oder Premier League geht. Es kann nur einen Erstplatzierten geben und wird immer einen Verein geben, der sich im Tabellenkeller festgefahren hat. Einzig die Zahl der Siege und Niederlagen - im Verhältnis zu den absolvierten Spielen - wäre als Messlatte für die Einschätzung der Klubs geeignet.

Allerdings ist ein solcher Parameter nur bedingt aussagekräftig. Um die Qualität der Liga zu bewerten, wäre es viel interessanter, sich das erste Drittel der Tabelle anzuschauen. In der laufenden Bundesliga-Saison ist das Rennen um die Meisterschaft recht spannend.

Erst war der BVB vorne, dann die Bayern. Nun sind beide punktgleich. Wissenswertes rund um den aktuellen Spieltag sollte man daher stets im Blick behalten.

Auch in England ist das der Fall, während in Italien und Frankreich die Meister quasi jetzt schon feststehen.

Fazit: Bundesliga steht besser da als gedacht

Vor allem nach den aktuellen Ergebnissen wird die Kritik lauter, dass die Klubs in Deutschland finanziell im Vergleich mit anderen europäischen Ligen schlecht dastehen. In der Praxis sieht das Bild allerdings etwas anders aus. Richtig ist, dass die Premier League die Bundesliga aktuell abhängt. Aber: Mit mehr als 2 Milliarden Euro an TV-Geldern sticht die Premier League auch jede andere Fußballliga der Welt aus. Im Vergleich mit Spanien oder Italien steht die Bundesliga recht gut da. Verbesserungspotenzial gibt es vor allem in den europäischen Wettbewerben. Hier gehen spanische Klubs derzeit mit breiter Brust voran. Deutsche Vereine spielen hingegen keine so große Rolle. Im Zusammenhang mit der Bundesliga von Zweitklassigkeit sprechen zu wollen, wäre allerdings eine grobe Fehleinschätzung der aktuellen Situation. Man darf nämlich nicht außer Acht lassen, dass der FC Bayern sich aktuell in einem Übergangsjahr befindet und im Sommer den Umbruch des Teams einläuten wird. Dortmund hat sich diese Saison zudem mal wieder ein vielversprechendes, junges und talentiertes Team um Superstar Marco Reus aufgebaut. Auch hier finden im Sommer noch Feinjustierungen am Kader statt. Zudem werden Leipzig und Gladbach aktuell immer stärker. Es bleibt also gespannt abzuwarten, was die Saison 2019/2020 mit sich bringen wird.