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Vermögensanlage
Geldanlage in schwierigen Zeiten

 Gold wird wahrscheinlich nie völlig wertlos. Daher ziehen viele Anleger in Erwägung, dieses Edelmetall zu kaufen. Allerdings schwankt der Goldpreis oft stärker als die Aktienkurse.
Gold wird wahrscheinlich nie völlig wertlos. Daher ziehen viele Anleger in Erwägung, dieses Edelmetall zu kaufen. Allerdings schwankt der Goldpreis oft stärker als die Aktienkurse. FOTO: dpa / Sven Hoppe
Bremen. Die anhaltende Null-Zins-Politik sowie die Unwägbarkeiten um den Brexit oder den Handelsstreit machen es Verbrauchern schwer, gewinnbringende Anlagen zu finden. Experten raten zu Aktien. Doch hier bleibt ein Risiko.

(dpa) Das Jahr 2019 war für Anleger nicht leicht: Es gab keine nennenswerten Zinsen auf Sparbücher oder sichere, mehrjährige Anlagen wie Festgeld. „Wir befinden uns in einer absoluten Niedrigzinsphase“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen.

Das ist jedoch kein ganz neues Phänomen. Seit dreieinhalb Jahren liegt der Leitzins im Euroraum bei null Prozent, seit September zahlen Banken nun 0,5 Prozent Strafzinsen auf Gelder, die sie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken.

Von einem baldigen Wandel gehen Experten nicht aus. Vor Mitte 2020 sei keine Erhöhung des Leitzinses geplant, ließ die EZB im Sommer 2019 verlauten. Auch nach dem Wechsel an der Spitze der EZB von Mario Draghi zu Christine Lagarde Anfang November rechnen Experten nicht mit einem schnellen Wechsel der Geldpolitik.



Risikoarm anzulegen, passt nicht zu Niedrigzinsen: Für Immobilienkäufer ist die Niedrigzinsphase gut. Kredite sind derzeit günstig. Anleger haben dagegen das Nachsehen. „Wir Deutschen neigen dazu, risikoarm anzulegen. Das wird uns gerade zum Verhängnis“, sagt Oelmann. Denn mit den Renditen solcher Anlagen gelinge es derzeit oft nicht mehr, die Inflationsrate zu schlagen. Die lag im November 2019 bei einem Prozent. Festgeld kam nach Angaben der FMH Finanzberatung nur auf eine durchschnittliche Rendite von 0,1 Prozent, Sparbücher auf lediglich 0,02 Prozent.

„Wer noch auf herkömmliche Art und Weise spart, der verbrennt mit Blick auf die Inflation regelrecht das hart ersparte Vermögen“, erklärt Maik Bolsmann. „Für Sparer war 2019 eine herbe Ernüchterung“, lautet das Fazit des Geschäftsführers von B&K Vermögen in Köln.

Der Dax hat zugelegt: Anders verlief das Jahr dagegen an der Börse. „2019 ist ein Überraschungsei gewesen. Es hat sich, gerade im Vergleich zum vierten Quartal 2018, für Anleger überraschend gut entwickelt“, erklärt Jens Hartmann, Geschäftsführer von Ficon Börsebius Invest in Düsseldorf.

Das zeigt auch ein Blick auf den Dax. Der deutsche Leitindex legte im Lauf des Jahres bis Ende November 2019 um gut 25 Prozent zu. Hatte das schwierige Börsenjahr 2018 noch mit rund 10 559 Punkten geendet, stieg der Dax bis zum 29. November mit zwischenzeitlichen Einbrüchen auf 13 236 Punkte. Andere wichtige Indizes weltweit verzeichneten ähnliche Entwicklungen.

„Die Kursentwicklungen der vergangenen beiden Jahre zeigen einmal mehr, dass es wichtig ist, bei seinen Aktieninvestments geduldig dabei zu bleiben, um von langfristigen Aufwärtsbewegungen profitieren zu können“, sagt Hartmann. „Schwankungen, wie wir sie im vierten Quartal 2018 gesehen haben, gehören einfach dazu.“

Handelsstreit verunsichert Märkte: Doch trotz der leichten Erholung belasteten Handelskonflikte und die Abkühlung der Weltwirtschaft nach Einschätzung der EZB auch 2019 die Konjunkturaussichten für den Euroraum. Die Europäische Kommission und die Bundesregierung rechnen nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von etwa 0,5 Prozent im Jahr 2019. Im Jahr zuvor waren es noch 1,5 Prozent gewesen. Für das Jahr 2020 wird ein Zuwachs von 1,0 Prozent erwartet.

Der mögliche Brexit verunsicherte immer wieder die Märkte und ließ die Konjunktur schwächeln. Dazu kamen die Verwerfungen wegen des Handelsstreits zwischen den USA und China. „Das Hin und Her im Handelsstreit führte zu einem erheblichen Anstieg der Unsicherheit unter den Unternehmern und somit zu deutlicher Zurückhaltung bei Investitionen“, erläutert Bolsmann. Dabei sei auch der Einfluss von US-Präsident Donald Trumps Tweets spürbar gewesen.

Gold hat deswegen 2019 ein Comeback erlebt. Das Edelmetall gilt als stabil. Doch Erträge wie Dividenden wirft es anders als andere Anlageformen nicht ab. Nur wenn der Goldpreis steigt, profitieren Anleger. Doch dieser unterliegt Schwankungen. Zur Wertentwicklung kann keiner eine sichere Aussage treffen.

Das Auf und Ab gehört dazu: Anleger sollten ihre Strategie an die niedrigen Zinsen anpassen, raten die Experten. „Sachwerte, vor allem Aktien, stehen mehr denn je im Mittelpunkt für langfristig ausgerichtete Investoren“, sagt Hartmann. Interessant seien etwa Aktien mit regelmäßigen Dividendenausschüttungen. Beimischen könne man Edelmetalle wie Gold, die sich häufig gegenläufig zu Aktien entwickeln und so das Depot stabilisieren.

Nachdem sich Aktien, Anleihen und Gold im ablaufenden Jahr sehr ähnlich entwickelten, werde sich 2020 voraussichtlich ein breiter aufgestelltes Portfolio stärker lohnen, vermutet Bolsmann. So kann man Schwankungen besser ausgleichen.

Auch Annabel Oelmann rät, unterschiedliche Anlageformen zu mischen. „Der sogenannte Notgroschen kann ruhig aufs Tagesgeldkonto, aber viel mehr sollte da nicht liegen.“ Mehr Rendite bieten der Verbraucherschützerin zufolge etwa passiv gemanagte Indexfonds (ETFs). Sie bilden einen Index wie den Dax ab und streuen so das Risiko breiter als einzelne Aktien.