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Neuer Datenskandal im Anmarsch
Facebook gewährte anderen Firmen Zugang zu Nutzerdaten

 Facebook-Chef Mark Zuckerberg steht zunehmend unter Druck.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg steht zunehmend unter Druck. FOTO: AP / Andrew Harnik
Menlo Park. Das soziale Netzwerk tauschte persönliche Informationen und Freundeslisten seiner Kunden mit Drittanbietern wie Microsoft, Netflix und Spotify aus. dpa

Facebook hat nach neuen Vorwürfen den Zugang zu Nutzerdaten für Firmen wie Microsoft, Netflix oder Spotify verteidigt. Das Online-Netzwerk sagte, die Schnittstellen seien dazu gedacht gewesen, Nutzern den Kontakt zu ihren Facebook-Freunden auf den anderen Plattformen zu ermöglichen. Zudem seien sie lediglich nach einer Anmeldung aktiviert worden, hieß es in einem Blogeintrag. Die New York Times berichtete zuvor unter anderem, Microsofts Suchmaschine Bing habe Zugriff auf die Namen von Facebook-Freunden eines Nutzers gehabt und die Streaming-Dienste Netflix und Spotify auf die privaten Nachrichten.

Solche Verknüpfungen von Facebook-Accounts mit anderen Diensten werfen nicht zum ersten Mal Fragen auf. Das Online-Netzwerk sieht darin keine Verletzung des Datenschutzes: Nutzer hätten lediglich auf der Plattform der Partner-Firma den Zugang zu ihren eigenen Daten gehabt. Kritiker argumentieren, dass dabei Daten, zum Beispiel Informationen von Freunden, ohne deren Zustimmung weitergegeben worden seien.

Zugleich bestätigte Facebook, dass die entsprechenden Schnittstellen zum Teil noch 2017 verfügbar gewesen seien, obwohl der Datenzugang eigentlich 2014 eingestellt wurde. Das hätte nicht passieren dürfen, räumte der zuständige Manager Konstantinos Papamiltiadis ein. Facebook habe aber keine Hinweise darauf, dass Daten nach dem Ende des Programms missbraucht worden seien.



Die New York Times berichtete, dass Facebook im Gegenzug Daten wie zum Beispiel Kontaktlisten von Partnern wie Amazon, Yahoo oder Huawei erhalten habe, die dann unter anderem für Freundschaftsvorschläge genutzt worden seien. Das gehe aus internen Unterlagen hervor, die der Zeitung vorliegen. Noch im vergangenen Jahr hätten unter anderem Sony, Microsoft und Amazon E-Mail-Adressen von Facebook-Nutzern über ihre Freunde abrufen können.

Netflix und Spotify bekamen der Zeitung zufolge das Recht eingeräumt, private Nachrichten von Nutzern zu schreiben, zu lesen und zu löschen. Die Streaming-Anbieter erklärten, dies sei ihnen nicht bewusst gewesen.