| 22:50 Uhr

Immer weniger Menschen nutzen den Newsfeed
Facebook muss Werbegeschäft an Nutzerverhalten anpassen

Wegen umstrittener Geschäftspraktiken des Konzerns musste sich Firmenchef Mark Zuckerberg kürzlich einer Anhörung im US-Senat stellen.
Wegen umstrittener Geschäftspraktiken des Konzerns musste sich Firmenchef Mark Zuckerberg kürzlich einer Anhörung im US-Senat stellen. FOTO: AP / Andrew Harnik
Menlo Park. Facebook steht ein Umbruch bevor, der die jahrelang auf Hochtouren laufende Geldmaschine des Online-Netzwerks abbremsen wird. Die Mitglieder versendeten ihre Beiträge verstärkt im kleineren Freundeskreis statt als öffentliche Nachricht (von Facebook „Newsfeed“ genannt), so Firmenchef Mark Zuckerberg. dpa

Der Konzern müsse sein werbefinanziertes Geschäftsmodell daher umstrukturieren.

Aktuell stammen die Milliardengewinne des Online-Netzwerks laut Finanzchef Dave Wehner fast ausschließlich aus dem Newsfeed, der viel Platz für Anzeigen bietet. Werbeeinnahmen aus seinen Kurznachrichtendiensten Whatsapp und ­Messenger sowie den neuen Formaten auf Facebook seien dagegen bisher sehr gering.

Zu diesen Formaten gehören zum Beispiel die sogenannten Stories, bei denen Nutzer ihre Fotos und Videos für einen Tag für ausgewählte Freunde veröffentlichen. Die Idee hatte der Konzern vom Konkurrenten Snapchat kopiert. Facebook gelang es dadurch zwar, den Aufstieg von Snapchat zu stoppen – die Foto-App kämpft seitdem mit Nutzerschwund. Doch jetzt muss Facebook selbst die wirtschaftlichen Konsequenzen des veränderten Nutzerverhaltens tragen. Der Wandel verlaufe weniger geschmeidig als er es sich erhofft habe, räumte Zuckerberg ein. 



Schon die Zahlen für das vergangene Quartal offenbarten einige Probleme. So verlor das Online-Netzwerk im zweiten Vierteljahr in Folge eine Million Nutzer in Europa und hat hier noch 375 Millionen aktive Mitglieder. Weltweit gesehen geht das Wachstum des Online-Netzwerks aber weiter. Die Zahl monatlich aktiver Facebook-Nutzer legte binnen drei Monaten von 2,23 auf 2,27 Milliarden zu. Der Quartalsumsatz stieg im Jahresvergleich um rund ein Drittel auf zwölf Milliarden Euro. Der Gewinn kletterte um neun Prozent auf 4,5 Milliarden Euro.

Allerdings dürften die Ausgaben in diesem Jahr um über 50 Prozent steigen und 2019 um weitere 40 bis 50 Prozent. Das sei unter anderem für die Sicherheit und den Kampf gegen Hass und Hetze nötig, sagte Zuckerberg. So stelle Facebook mehr Mitarbeiter für seine Löschzentren ein, die verbotene Inhalte entfernen. Vor allem dadurch stieg die Zahl der Beschäftigten binnen eines Jahres um 45 Prozent auf 33 600.

Facebook wurde in diesem Jahr von dem Datenskandal um Cambridge Analytica in eine Krise gestürzt. Zuletzt sorgte ein Hacker-Angriff, von dem rund 30 Millionen Nutzer betroffen waren, für neue Negativ-Schlagzeilen. Diese Turbulenzen scheinen das Geschäft des Online-Netzwerks jedoch bisher kaum beeinflusst zu haben.