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Ohne personalisierte Werbung
Europäische Konkurrenz für Google

Suchmaschinen wie Qwant oder Startpage erklären, sie verkauften keine Nutzerdaten.
Suchmaschinen wie Qwant oder Startpage erklären, sie verkauften keine Nutzerdaten. FOTO: NicoElNino/ Fotolia
London. Einige Suchmaschinen fordern den amerikanischen Internetgiganten heraus und setzen dabei vor allem Datenschutz. Von Kelvin Chan (ap)

Der Wunsch nach mehr Privatsphäre und Datenschutz im Netz hat dem Internet-Goliath Google in Europa einige Suchmaschinen-Davids als Herausforderer beschert. Angebote wie Mojeek mit Sitz in Großbritannien, Qwant aus Frankreich, Unbubble aus Deutschland oder Swisscows aus der Schweiz speichern die Daten ihrer User nach eigenen Angaben nicht, filtern keine Suchergebnisse und zeigen auch keine auf das Nutzerverhalten zugeschnittene Werbung.

Vor dem Hintergrund der EU-weiten Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und zahlreicher Daten­skandale ist das öffentliche Bewusstsein dafür gewachsen, wie viele persönliche Informationen Unternehmen im Internet verdeckt sammeln und an Werbeunternehmen verkaufen. Hinzu kommt ein verbreitetes Misstrauen gegenüber Google.

All das bereitet den Boden für den Erfolg sicherer Internet-Suchmaschinen. „Für uns geht es um die Bürger – sie haben das Recht auf Privatsphäre“, sagt Eric Leandri, Vorsitzender von ­Qwant mit Sitz in Paris. In den USA sei eine andere Einstellung weit verbreitet. Dort würden Internet-Nutzer als Kunden gesehen, deren Rechte von den mit Technologie-Unternehmen geschlossenen Nutzungsvereinbarungen bestimmt würden.



Die Zahlen zeigen, dass das Interesse an Alternativen zum Platzhirsch Google steigt. Im Jahr 2017 verdreifachten sich die Suchanfragen über Qwant auf zehn Milliarden, wie Leandri sagt. Inzwischen habe die Seite bei den Suchmaschinen einen Marktanteil von sechs Prozent in Frankreich. Sogar von offizieller Stelle gibt es Unterstützung: Armee und Parlament kündigten vergangenen Monat an, Qwant statt Google zur voreingestellten Suchmaschine zu machen. Dies sei Teil der Anstrengungen, Europas „digitale Souveränität“ wiederzuerlangen.

Die Seite speichert nach eigenen Angaben keine Cookies, anhand derer das Verhalten der Nutzer verfolgt und ausgewertet werden könnte. Daher erhalten – anders als bei Google – zwei verschiedene Anwender exakt dieselben Suchergebnisse auf eine Anfrage. 20 Milliarden Seiten auf Französisch, Deutsch und Italienisch durchkämmt Qwant. Es ist geplant, das Angebot um 25 zusätzliche Sprachen zu erweitern, bei denen die Suchergebnisse derzeit noch von Microsofts Suchmaschine Bing kommen.

­Mojeek, das aus Brighton in England stammt, hat bislang zwei Milliarden Internetseiten katalogisiert. Rund 200 000 Besucher zählt der Dienst nach eigener Aussage pro Monat, die Suchanfragen hätten sich im vergangenen Jahr verfünffacht.

­Ein weiteres Beispiel ist der Dienst Startpage mit Sitz in den Niederlanden. Die Seite greift zwar auf Googles Internetsuche zurück, verhindert allerdings, dass der amerikanische Internetkonzern Informationen über die Nutzer erhält. Zudem filtert Startpage Werbung aus.

All das wird Google wohl nicht vom Thron stürzen. Der Konzern mit Sitz in Mountain View in Kalifornien kontrolliert mindestens drei Viertel des weltweiten Marktes bei Suchmaschinen. Aber die Konkurrenz muss sich nicht verstecken.

Pat Walshe, Berater für Datenschutz in Großbritannien, nutzt Startpage und Qwant seit einigen Jahren. Er findet nicht, dass deren Leistung schlechter ist als die von Google. „Ich denke, dass Menschen, die einmal zu einer der Alternativen gewechselt sind, nicht zu Google zurückkehren“, sagt er.

Das deutsche Unternehmen ­Unbubble stellt eine sogenannte Meta-Suche bereit. Sie schickt verschlüsselte Anfragen an mehr als 30 andere Suchdienste. Das verspreche Ergebnisse, die nicht durch irgendeinen verdeckten Algorithmus in Richtung mutmaßlicher Anwender-Interessen gefiltert werden.

Die Hauptidee sei es, neutrale Informationen anzubieten und den Menschen zu ermöglichen, weniger abhängig von personalisierten Filtern zu sein, sagt Unbubble-Gründer Tobias Sasse. Googles Vorgehen verhindere, dass die Menschen die große Vielfalt des Internets sähen.

Einige der neuen Seiten finanzieren sich mit Spenden. Andere leben vom sogenannten Affiliate Advertising, bei dem sie kommerzielle Seiten verlinken und dafür eine Provision erhalten. Dabei verzichten sie jedoch nach eigenen Angaben darauf, Nutzerdaten zu verarbeiten. Das ist der große Unterschied zu Google, wo die Werbeanzeigen auf der Basis des Suchverlaufs des Anwenders ausgewählt und eingeblendet werden.

In der Schweiz, wo Diskretion auch wegen des riesigen Bankensektors großgeschrieben wird, gedeiht der Suchmaschinen-Anbieter ­Swisscows. Die Anfragen seien um rund 50 Prozent auf 20 Millionen pro Monat gestiegen, sagt Gründer Andreas Wiebe, der noch ein weiteres Software-Unternehmen betreibt.

Ihm sei zu Beginn viel Skepsis entgegengeschlagen. „Im Jahr 2014 haben mir Leute gesagt, ich sei verrückt, und das Projekt werde innerhalb eines Jahres eingehen“, erinnert er sich. Stattdessen habe er durch den 2015 vom ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden aufgedeckten Daten-Skandal viel Rückenwind bekommen.

www.qwant.de

www.mojeek.de

www.startpage.de

www.unbubble.eu

www.swisscows.com