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Elektronische Helfer
Digitale Türsteher gegen Einbrecher

Die Technologien des Smart Home taugen nur bedingt für den Einbruchschutz, sind sich sowohl die Polizei als auch die Stiftung Warentest einig.
Die Technologien des Smart Home taugen nur bedingt für den Einbruchschutz, sind sich sowohl die Polizei als auch die Stiftung Warentest einig. FOTO: dpa-tmn / Jochen Lübke
Frankfurt. Können Smart-Home-Systeme als Schutz vor Langfingern tatsächlich gute Schlösser und Riegel ersetzen?

Einbruchschutz im Haus muss sich nicht auf Riegel an Türen oder Schlösser an den Fenstern beschränken. Auch elektronische Helfer, sogenannte Smart-Home-Systeme, sollen Alarm schlagen können, sobald sich ein Einbrecher den eigenen vier Wänden nähert. Doch wie funktionieren die überhaupt?

Das Smart Home ist ein mit intelligenter Technologie vernetzter Wohnraum. Die Fenster öffnen sich zum Beispiel automatisch, die Rollläden reagieren selbstständig auf Sonneneinstrahlung, und Waschmaschine und Co. können mit dem Smartphone aus der Ferne gesteuert werden. Auch der Einbruchschutz lässt sich damit steuern. Zum Beispiel, indem eine Kamera an der Eingangstür nicht nur aufzeichnet, sondern auch registriert, dass jemand sich daran zu schaffen macht. Sie schickt dann eine Warn-Nachricht aufs Smartphone, mit Liveaufnahmen. So können Betroffene gleich die Polizei rufen. Andere Lösungen sind Bewegungsmelder oder Glasdrucksensoren, die sich ebenfalls auf dem Smartphone melden, wenn eine Scheibe zerschlagen wird. Öffnungsmelder für Türen und Fenster registrieren ungewöhnliche Bewegungen. Und letztlich gehören auch smarte Alarmanlagen dazu.

Aber wie gut sind solche Lösungen? Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes betont, dass smarte Technik mitnichten ein zuverlässiges Einbruchmelde- oder Gefahrenwarnsystem sei. Vielmehr handele es sich um ein reines Informationssystem ergänzend zum mechanischen Grundschutz – also zu guten Schlössern und Riegeln. Daher rät die Polizei auch dazu, sich nicht komplett auf die Systeme zu verlassen. Sie könnten aber durchaus hilfreich sein, etwa um einem Einbrecher vorzugaukeln, im Gebäude befänden sich Menschen, obwohl diese in Wirklichkeit gerade im Urlaub sind. Zum Beispiel lassen sich mit entsprechenden Lösungen morgens und abends Rollläden steuern, immer mal wieder das Licht anknipsen und der Fernseher anstellen.



Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die Stiftung Warentest. Sie hat unlängst vier solcher smarten Systeme auf ihre Sicherheitsfunktion hin untersucht. Keines von ihnen konnte die Experten wirklich überzeugen. Das größte Problem der elektronischen Helfer, kritisieren die Warentester, seien ihre Zentralen. So gibt es in jedem Smart Home eine zentrale Steuereinheit, die mit den einzelnen Geräten kommuniziert. Das geschieht meist drahtlos, die einzelnen Einstellungen wählt der Nutzer per Smartphone-App. Über das Telefon können dann etwa Lampen ein- und ausgeschaltet werden, Fenstersensoren warnen vor offen gelassenen Fenstern, oder die Videokamera an der Haustür meldet sich auf dem Smartphone, wenn jemand klingelt. Falle nun allerdings der Strom aus oder werde der Stecker des zentralen Gerätes aus Versehen gezogen, stehen Bewohner ohne Schutz vor Einbrechern da.

Punkten konnten die Systeme immerhin mit ihrer einfachen Bedienbarkeit und dem Datesendeverhalten ihrer Apps. Alle der vier getesteten Produkte sendeten demnach nur Daten, die für ihre Funktion erforderlich seien. Dass Smart-Home-Anwendungen, insbesondere von europäischen Herstellern, grundsätzlich sicher seien, sagt auch Andreas Habermehl vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke. Dennoch mahnt er: „Wenn Sie aber die Möglichkeit haben, von außen auf Ihr Smart Home zuzugreifen, besteht theoretisch ein Restrisiko.“

Laut der Polizeilichen Kriminalprävention birgt jedes IT-gestützte System ein Sicherheitsrisiko. Daher müssen Nutzer Schutzmaßnahmen treffen, damit Kriminelle das System nicht hacken können. Sonst können diese etwa Bilder der Überwachungskamera abgreifen oder Bewegungsmelder manipulieren. Die Beamten empfehlen, Sicherheitsupdates für die Software stets auf dem neuesten Stand zu halten. Nutzer können einstellen, dass Updates automatisch heruntergeladen werden. Was bei Computern längst selbstverständlich ist, nämlich der Einsatz einer Firewall, sicherer Passwörter und eines Virenschutzprogramms, sollte auch bei allen vernetzten Haushaltsgeräten die Regel sein. Optimalerweise verbinden sich Nutzer auch nur mit den Geräten, wenn der Zugriff aus der Ferne notwendig ist. Bei der Wahl eines sicheren Passwortes rät das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zu einer Kombination aus mindestens acht Zeichen, die nicht im Wörterbuch vorkommt, aus Groß- und Kleinbuchstaben, Sonderzeichen und Ziffern.

(dpa)