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So werden Datensammler abgeschüttelt
Den Online-Schnüfflern einen Schritt voraus

Internet-Nutzer stehen unter ständiger Beobachtung. Denn mit diesen gesammelten Informationen wird reger Handel betrieben.
Internet-Nutzer stehen unter ständiger Beobachtung. Denn mit diesen gesammelten Informationen wird reger Handel betrieben. FOTO: dpa / Daniel Reinhardt
Zweibrücken . Fast alles, was wir im Internet tun, wird erfasst und gespeichert. Die Stiftung Warentest gibt Tipps, wie Nutzer ihre Daten schützen können. Von Stephanie Schwarz

Wenn wir im Internet surfen, wird fast alles, was wir tun, irgendwo erfasst und gespeichert. Sowohl Daten über das Kaufverhalten als auch über private Interessen und sogar Krankheiten und finanzielle Sorgen können davon betroffen sein. Mit diesen sensiblen Daten erstellen Internet-Unternehmen präzise Profile des jeweiligen Nutzers. Doch wie kommen Firmen an unsere Daten?

Dazu müssen Nutzer diese weder in sozialen Netzwerken veröffentlichen, noch müssen Firmenmitarbeiter an der Telefonleitung lauschen. Die kleinen Spione der Unternehmen tragen wir täglich bei uns – sowohl im Mobiltelefon als auch in der Brieftasche.

So wisse das Handy laut der Stiftung Warentest etwa auch ohne aktiviertes GPS, wo sich eine Person gerade aufhält. Dazu sei lediglich eine aktive Datenverbindung notwendig. Als Folge könne das Handy Tipps für ein beliebtes Café in der Nähe oder Abfahrtszeiten der nächsten Bahn nach Hause auf dem Display anzeigen – wohlgemerkt, bevor der Smartphone-Besitzer überhaupt danach sucht. Denn die Adresse eines Nutzers sei dem Internetriesen Google bestens bekannt: Wo das Handy sich in den meisten Nächten im Jahr aufhält, dort ist das Zuhause, schlussfolgert der Konzern.



Doch das Datensammeln ist kein reines Phänomen des Internets. Auch in der Offlinewelt wird fleißig spioniert und ausgewertet. Supermarktketten speicherten etwa alle Einkäufe, die mit einer Kundenkarte getätigt werden und erstellten so ein Profil über Vorlieben und Essgewohnheiten. Der Grund für diesen Datenhunger: Profit. Denn Unternehmen wollen ihre Waren verkaufen. Um eine passende Werbeauswahl dafür zu schalten, müssen diese so viel wie möglich über den einzelnen Kunden wissen.

Die Stiftung Warentest hat neun Tipps zusammengestellt, die dabei helfen können, Daten zu schützen und die kleinen Spione auszuschalten:

Kundenkarten und Gewinnspiele:

Es klingt oft sehr verlockend: Nur eine Karte mit den eigenen Daten ausfüllen und schon hat jeder Teilnehmer die Chance auf einen Gewinn. Die Nutzerdaten werden jedoch von Firmen für Werbezwecke oder zur Profilerstellung verwendet. Auch das Zahlen mit Kunden- und Kreditkarten gibt viel über einen Menschen preis. So können Unternehmen das Einkaufsverhalten protokollieren und Rückschlüsse auf die Lebensführung ziehen. Die Experten der Stiftung Warentest raten daher, Gewinnspiele zu meiden. Außerdem sei Barzahlung die beste Methode, um beim Einkaufen seine Daten zu schützen.“

Online abmelden: Ist ein Nutzer mit seinem Google Profil angemeldet, kann der Internetkonzern jede Suchfrage auf den Nutzer zurückführen. Dadurch wird das Profil immer umfangreicher und präziser. So weiß Google etwa über Ängste, Wünsche und Vorlieben Bescheid. Deshalb rät die Stiftung Warentest: Ausloggen nicht vergessen, auch aus sozialen Netzwerken wie Facebook. Denn wer dauerhaft eingeloggt sei, erleichtere Schnüfflern die Arbeit.

Alternative Dienste: Google bietet eine Suchmaschine, einen E-Mail-Dienst, einen Browser und viele weitere Dienste an. Damit sammelt der Internetriese täglich enorme Datenmengen. Um dem zu entgehen, können Nutzer auf alternative Angebote ausweichen. Die Stiftung Warentest empfiehlt die Suchmaschinen duckduckgo.com, ixquick.com und metager.de, die Browser Cliqz und Firefox sowie die E-Mail-Anbieter Mailbox.org und Posteo.

Verschlüsselt surfen: Verschlüsselte Dienste sind vor allem im Umgang mit sensiblen Daten wie Online-Banking und E-Mails wichtig. Einen verschlüsselten Dienst im Internet erkennt man an folgenden Hinweisen: Am Beginn der Adresszeile steht „https“ statt „http“. Daneben steht das Symbol eines geschlossenen Vorhängeschlosses. Damit können Nutzer Hacker daran hindern, ihren Datenverkehr auszuspähen. Das ist laut den Experten vor allem in öffentlichen Netzen wie Cafés wichtig.

Vorsicht bei Alexa: Sprachassistenten und smarte Fernseher ziehen immer häufiger in deutschen Wohnzimmer ein. Auch diese praktischen Geräte sammeln jedoch viele Daten. Deshalb rät die Stiftung Warentest, Assistenten wie Alexa, Amazon Echo und Google Home abzuschalten oder zumindest das Mikrofon zu deaktivieren, wenn sie nicht gebraucht werden.

App-Berechtigungen: Apps auf Smartphones und Tablets müssen, um richtig arbeiten zu können, auf gewisse Funktionen des Handys Zugriff haben, Google Maps beispielsweise auf den Standort des Nutzers und Skype auf das Mikrofon. Jedoch fordern viele Apps gleichzeitig auch Rechte ein, die für ihre Funktion nicht notwendig sind. So scannt etwa die App von Sport1 alle Kontakte im Handy-Adressbuch, was für die eigentliche Aufgabe der Anwendung überflüssig ist. Deshalb empfiehlt die Stiftung Warentest: Vor der Installation prüfen welche Rechte eine App verlangt und diese gegebenenfalls einschränken. Das kann auch nach der Installation noch geschehen (siehe Infokasten).

Browser einstellen: Einige Browser bieten einen gesonderten Schutz der Privatsphäre an. Nutzer müssen diesen jedoch selbst aktivieren. Damit können sie anonym im Netz surfen. Dies verhindert beispielsweise, dass auf Computern oder Laptops Cookies dauerhaft gespeichert werden. Und so geht’s: Bei Chrome öffnet sich ein anonymes Fenster mit der Tastenkombination Strg+Umschalttaste+N. Bei Firefox und Internet Explorer: Strg+Umschalttaste+P.

Private Cloud: Viele Fotos und Musikstücke liegen heute nicht mehr im Schrank, sondern in digitalen Speichern, der sogenannten Cloud. Diese Dienste, wie Google Drive, Dropbox oder iCloud, bieten Nutzern genug Platz, um all ihre Daten zu verwalten und jederzeit darauf zugreifen zu können. Doch es gibt eine bessere Variante, rät Stiftung Warentest: Eine eigene Cloud in Form einer externen Netzwerkfestplatte. Diese werde an den Internetrouter zu Hause angeschlossen und ermögliche so ebenfalls, auch von außerhalb Zugriff auf seine Daten zu haben.

Trackingblocker: Mit sogenannten Trackern verfolgen Werbenetzwerke Nutzer auf Webseiten, um ihnen personalisierte Werbung auszuspielen. Programme, die diese Spionage abwehren, heißen „Trackingblocker“. Es gibt sowohl Blocker für Computer als auch fürs Handy. In einem Vergleich der Stiftung Warentest haben die kostenlosen Programme „uBlock Origin“ für Computer und „Cliqz“ für Smartphones am besten abgeschnitten. Allerdings weisen die Experten der Stiftung Warentest auch darauf hin, dass Nutzer selbst mit solchen Programmen den Datenstrom nicht gänzlich blockieren können.