| 14:01 Uhr

Fußball
Dem 1. FC Kaiserslautern droht der Absturz

 Der 1. FC Kaiserslautern besitzt trotz aktueller Krise noch immer einen großen Namen im deutschen Fußball.
Der 1. FC Kaiserslautern besitzt trotz aktueller Krise noch immer einen großen Namen im deutschen Fußball. FOTO: Oleksandr Osipov – 683284849 / Shutterstock.com
Zweibrücken. Als wäre die aktuelle gefährliche Lage des 1. FC Kaiserslautern in der Zweiten Bundesliga nicht schon Sorge genug, plagen den Verein harte Machtkämpfe in der Vereinsführung, Vorwürfe der Misswirtschaft und ein angespanntes Verhältnis zu den Fans der roten Teufel. Der Traditionsverein steckt tief in der Krise und muss um seine Existenz im deutschen Profifußball kämpfen.

Ein Traditionsverein in der Krise

Nur sieben Punkte aus 13 Spielen, lediglich ein Sieg und bereits sieben Punkte Rückstand auf den rettenden 15. Platz – die sportliche Lage könnte aktuell kaum schwieriger beim 1. FC Kaiserslautern sein. Am nächsten Spieltag kommt es am Montagabend zum Abstiegskracher, der bereits die Gewichtung eines vorläufigen Endspiels für die roten Teufel besitzt. Der Tabellenfünfzehnte Dynamo Dresden empfängt den Klub aus der Pfalz.



Der unlängst verpflichtete neue Trainer der roten Teufel, Jeff Strasser, versucht jedoch, Optimismus zu verbreiten. „Das Ziel Nichtabstieg ist erreichbar.“ Die allgemeine Stimmung rund um den Verein ist jedoch weitaus negativer und auch die Wettquoten verschiedener Sportwettenanbieter sehen kaum Chancen für den Verbleib des 1. FC Kaiserslautern in der zweiten Bundesliga. Ein Lichtblick auch für die strapazierten Fans ist jedoch, dass erst rund ein Drittel der Saison gespielt ist.

Denn auch das 0:0-Unentschieden am letzten Spieltag gegen den VfL Bochum gab wenig Hoffnung auf Besserung. Der Trainer sah dennoch etwas Positives: „Nach den beiden Niederlagen in Regensburg und gegen Duisburg war es erst einmal wichtig, hinten wieder kompakt und sicher zu stehen. Das ist gelungen.“ Dass der erst vor wenigen Wochen neu verpflichtete Jeff Strasser sich an die positiven Elemente klammert, ist natürlich verständlich, speziell wenn man bedenkt, dass er bereits der vierte Mann auf dem Trainerposten seit 2016 ist.

Die vergangenen Trainer des 1. FC Kaiserslautern der letzten Jahre:

  • Konrad Fünfstück, Deutsch, 23. September 2015 - 20. Mai 2016, entlassen
  • Tayfun Korkut, Deutsch, 15. Juni 2016 - 27. Dezember 2016, Rücktritt
  • Norbert Meier, Deutsch, 3. Januar 2017 - 20. September 2017, entlassen
  • Manfred Paula, Deutsch, 20. September 2017 - 27. September 2017, Interimstrainer
  • Jeff Strasser, Luxemburgisch, 27. September 2017 - aktuell

Dabei sollte doch alles anders werden. Als Thomas Gries vor anderthalb Jahren die Position als Vorstandschef beim 1. FC Kaiserslautern antrat, versuchte er noch mit markanten Sprüchen eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen. „Ich habe hier Real Madrid verlieren sehen, ich habe hier Barcelona verlieren sehen. Ich habe hier Bayern München oft verlieren sehen“, verkündete Gries und gab die Rückkehr in die Erste Bundesliga als Ziel aus. Aktuell sieht die Lage mit dem drohenden Abstieg in die Dritte Liga aber ganz anders aus.

 Der 1. FC Kaiserslautern kann auf eine beeindruckende Historie zurückschauen.
Der 1. FC Kaiserslautern kann auf eine beeindruckende Historie zurückschauen. FOTO: Infografikquelle: pfaelzischer-merkur.de

Enttäuschten Fans fehlt die Identifikation

Auch den Fans missfällt die Entwicklung der letzten Jahre deutlich, was sich unter anderem in rückläufigen Zuschauerzahlen im altehrwürdigen Fritz-Walter-Stadion abzeichnet. Ein offener Brief der Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern konnte die leiderprobten Fans ebenso wenig wieder zurückholen.

„Im Augenblick helfen gut gemeinte Schreiben wenig – im Fußball liegt die Wahrheit auf dem Platz und nicht im Schriftverkehr. Wie oft sollen die Fans noch in Vorleistung treten?“, reagierte beispielsweise der Banker und FCK-Mitglied Bruno Otter auf den Brief. Die Stimmung im Umfeld sehe er an einem absoluten Tiefpunkt. Das liege auch daran, dass der Verein sich von der Basis entfernt habe. „Das Wir-Gefühl ist verlorengegangen.“

Hinzu kämen weitere Faktoren, die die Identifikation mit der Mannschaft und dem Verein immer schwieriger machen würden:

  • Zahlreiche Spielerwechsel
  • Vier Trainer in den letzten anderthalb Jahren
  • Mangel an Kontinuität
  • Zweifel an der sportlichen Kompetenz handelnder Akteure

Einen erheblichen Anteil am Abstieg des Traditionsvereins hat in der marktwirtschaftlichen Fußballwelt aber sicherlich auch die Finanzlage der letzten Jahre. Löcher in der Finanzierung des Vereins konnten nur noch durch Sondereffekte oder Transferüberschüsse gedeckt werden. Ein Teufelskreis, denn die hoffnungsvollen Talente des Vereins können dem FCK so sportlich nicht weiterhelfen.

Allein zu Beginn dieser Saison wurde die gesamte Abwehrreihe ausgetauscht beziehungsweise verkauft. Und das, obwohl speziell die Abwehr der größte Stabilitätsfaktor in der letzten Saison gewesen ist. Die Kaderqualität dermaßen stark zu reduzieren, ist ein erhebliches Risiko, vor dem viele Vereinsmitglieder regelmäßig gewarnt haben. Die sportliche Negativserie kommt daher nicht gänzlich überraschend. Der Vorstand und die Aufsichtsräte waren aber scheinbar anderweitig beschäftigt.

Vorwurf der Misswirtschaft

Diese haben sich, noch zu Zeiten der alten Vereinsführung um den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz, auf heißen Mitgliederversammlungen lieber aufgerieben. Aufkommende Kritik wurde im Keim erstickt. Die negative Entwicklung wurde mit angeblicher „ligaunabhängiger wirtschaftlicher Stabilität“ abgetan.

Nicht verwunderlich erscheint da der Vorwurf der Misswirtschaft und Antworten auf bedrückende Fragen seitens der Mitglieder. Einen besonderen Enthusiasmus, die offenen Fragen zu beantworten, vermittelte auch die neue Vereinsführung bisher nicht. Auch dieser Zustand trägt zur negativen Stimmung rund um den 1. FC Kaiserslautern bei.

Einigen Medien zufolge hat nun sogar der Kaiserslauterer Oberbürgermeister Klaus Weichel von der SPD die Vereinsführung aufgefordert, die betriebswirtschaftlichen Daten aus der Zeit der Regentschaft von Stefan Kuntz zu prüfen. Doch auch hier scheint ein Zerwürfnis unvermeidbar zu sein. Denn obwohl der FCK offiziell von einer „professionellen Zusammenarbeit und vertrauensvollem Umgang“ mit dem Oberbürgermeister spricht, drängt dieser seit Monaten auf die Aufarbeitung.

Laut Aufsichtsratschef Nikolai Riesenkampff werden „etwaige Vorwürfe“ geprüft, doch die Diskussion habe „in der Öffentlichkeit nichts verloren“. Ein wenig mehr Aufklärung versprechen sich die Mitglieder des 1. FC Kaiserslautern von der kommenden Jahreshauptversammlung am dritten Dezember. Dort stehen unter anderem Neuwahlen des Aufsichtsrats an. Vielleicht kann so der Rückhalt bei der Basis wieder neu gestärkt werden. Ein paar Antworten auf offene Fragen würden sicherlich ihren Teil dazu beitragen.