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Rund um den Hausbau
Darauf kommt's beim Holz- oder Steinhaus an

Holzhäuser lassen sich gut als Fertigbauten realisieren, etwa mit einschaligen Massivholzwänden.
Holzhäuser lassen sich gut als Fertigbauten realisieren, etwa mit einschaligen Massivholzwänden. FOTO: dpa-tmn / Uwe Weiser
Bonn/München . Der Unterschied zwischen beiden Baumaterialien ist geringer als angenommen. Nur bei einem Fünftel der Bauten kommt Holz zum Einsatz.

Ein Haus aus Stein oder Holz? Das ist in erster Linie eine Frage des Geschmacks. Die meisten Bauherren in Deutschland entscheiden sich für Massivhäuser aus Stein oder Beton. Aber auch Holzhäuser entdeckt man immer wieder in Neubausiedlungen. Beide Baumaterialien haben Vor- und Nachteile.

Laut Oliver Mertens vom Deutschen Massivholz- und Blockhausverband in München sind 18 Prozent aller Neubauten in Deutschland Holzhäuser. Die Konstruktion hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert, so dass vielfältige Gestaltungsvarianten möglich sind. „Auf den ersten Blick ist oft gar nicht zu erkennen, ob es sich um ein Stein- oder Holzhaus handelt“, sagt Mertens.

Ein Hauptargument für den Baustoff Holz ist das Gefühl, das manche empfinden: ein behagliches, wohltuendes und heimeliges. Und ein wesentlicher Vorteil von Holzhäusern ist ihre Nachhaltigkeit. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der Kohlendioxid aus der Atmosphäre speichert. Wird er verbaut, bleibt das CO2 dauerhaft gebunden, was gut fürs Klima ist.



Auch in punkto Energieeffizienz steht das Holzhaus anderen Bauweisen nicht nach, zumal sie alle die gesetzlichen Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) erfüllen. „Vollholz erreicht gute Dämmwerte allein durch den Wandaufbau. Teilweise kann auf zusätzliche Dämmung verzichtet werden“, so Mertens. „Zweischalige Wände mit einer Kerndämmung schaffen sogar so hohe Dämmwerte, dass sie die Anforderungen der EnEV übertreffen.“ Ein weiteres Argument: „In Vollholzhäusern strahlt die Wand keine Kälte ab. Daher wird ein angenehmes Raumklima erzeugt“, sagt Mertens.

Holzhäuser lassen sich gut als Fertigbauten realisieren, entweder als ein- oder mehrschalige Massivholzwände oder zugeschnittene Blockbohlen, die auf dem Bauplatz zum Haus zusammengefügt werden. „Beides hat den Vorteil, dass die Hölzer im Trockenen bearbeitet werden und erst dann auf die Baustelle kommen. So muss anschließend keine Baufeuchte aus dem Haus entfernt werden“, erklärt Mertens. Das ist wichtig, denn Feuchtigkeit, die nicht entweichen kann, ist der größte Feind des Holzes. Deshalb muss es während des Baus und besonders danach vor der Witterung geschützt werden. „Statt chemischer Imprägnierungen setzen gute Baufirmen auf konstruktiven Holzschutz“, erklärt Mertens. Dabei komme es darauf an, das Haus so zu planen, dass das Wasser nicht an empfindliche Stellen herankommt und insgesamt gut abfließen kann.

Ein weiterer Punkt, auf den Bauherren achten müssen, ist der Schallschutz. „Ein guter Schallschutz ist beim gemauerten Massivbau konstruktiv leichter zu gewährleisten“, erklärt Heinrich. Solle bei Holzkonstruktionen ein ausreichender bis hoher Schallschutz erreicht werden, seien zusätzliche Maßnahmen nötig. Und die kosten.

Die größere Zahl von Bauherren entscheidet sich in Deutschland für ein Haus aus Mauerwerk. Ronald Rast, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau, spricht von über 74 Prozent der 2017 fertiggestellten Einfamilienhäuser. Er wirbt einerseits mit dem Preis: Steinhäuser der gleichen Qualität seien etwas günstiger als Holzbauten. Zudem sei diese Bauweise widerstandsfähiger bei Hochwasser. Steinhäuser erfüllen auch die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Die Steine können tagsüber die Wärme der Sonne aufnehmen und Temperaturspitzen im Wohnraum abbauen. Nachts geben sie die gespeicherte Wärme an den Raum ab. Dieser Effekt senke den jährlichen Energiebedarf um bis zu zehn Prozent, so Rast.

(dpa)