| 20:48 Uhr

Energie-Einkauf
Beim Heizöl zählt der richtige Moment

Bei der Heizöl-Bestellung können Kunden sich auch mit Nachbarn zusammentun.
Bei der Heizöl-Bestellung können Kunden sich auch mit Nachbarn zusammentun. FOTO: picture alliance / dpa / Patrick Pleul
Mannheim/Düsseldorf. Wer sich für den Winter mit Heizöl eindecken möchte, sollte das ganze Jahr über die Preise beobachten. Es gibt teils heftige Schwankungen. Von Sabine Meuter, dpa

Wenn draußen so langsam die Temperaturen sinken, werden drinnen wieder die Heizungen angedreht. Wer dabei auf Heizöl setzt, sollte dafür sorgen, dass der Tank daheim zumindest nicht ganz leer ist. Denn mit Beginn der Heizperiode ordern viele bei den Händlern, und dadurch kommt es zu deutlich verlängerten Lieferzeiten. „Je nach Auftragslage können vor allem in der kalten Jahreszeit zwischen Bestellung und Lieferung in Spitzenzeiten 14 Tage, im Extremfall auch mehr als vier Wochen vergehen“, sagt Hans-Jürgen Funke. Er ist Geschäftsführer des Verbands für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH) in Mannheim.

Das heißt aber nicht, dass Ölheizer ihren Tank im Sommer bis zum Rand füllen sollten. Viele glauben immer noch, dass in den Monaten mit den milden Temperaturen die Preise aufgrund mangelnder Nachfrage besonders günstig sind. Doch den idealen Zeitpunkt für den Heizölkauf gibt es schon seit längerem nicht mehr. „Da die Heizölpreise auch ein Spiegelbild der Rohölnotierungen an den Börsen sind, reagieren sie eher auf politische Unruhen, Lieferengpässe oder Konjunkturdaten als auf die Jahreszeit“, erklärt Funke. Das bedeutet: Heizölkunden sollten das ganze Jahr über die Preisentwicklung beobachten.

Aktuell sind die Ölpreise auf dem höchsten Stand seit Jahren. Während Nordseeöl der Sorte Brent vor einem Jahr noch für 55 Dollar pro Barrel (158 Liter) gehandelt wude, liegt der Preis jetzt bei deutlich über 70 Dollar. Ob der Preis steigen oder sinken wird, darüber sind sich die Experten uneins. Die Sanktionen gegen den Iran und die Krise in Venezuela lassen wichtige Öl-Lieferländer ausfallen. Gleichzeitig droht der Handelskonflikt zwischen China und den USA der Weltwirtschaft einen Dämpfer zu verpassen. Beide Entwicklungen könnten die Ölpreise mal steigen, mal fallen lassen.



Beim Heizölkauf kann es sich lohnen, wenn mehrere Ölheizer gemeinsam Heizöl bestellen. Denn höhere Bestellmengen werden mit Rabatten belohnt. „Preisnachlässe sind aber nur dann zu erwarten, wenn die Nachbarn oder Freunde, die gemeinsam bestellen, nicht allzu weit voneinander entfernt wohnen“, sagt Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Als Faustregel gelten etwa drei bis fünf Kilometer.

Geht bei Händlern eine Sammelbestellung ein, machen die meisten von ihnen den Preis an der durchschnittlichen Bestellmenge aller Beteiligten fest. Das heißt, dass eine Sammelbestellung sich unter dem Strich nur dann für einen Besteller rechnet, wenn die anderen nicht deutlich weniger bestellen.

Doch Vorsicht: Kommt eine Sammelbestellung zustande, müssen bei einem Zahlungsausfall eines einzelnen die anderen für ihn haften. Um das zu vermeiden, sollte eine Bestellgemeinschaft beim Hersteller anfragen, ob jeder Haushalt eine eigene Rechnung bezahlen kann, rät Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher im rheinland-pfälzischen Unkel. So bleibe die Bestellung juristisch eine Einzelbestellung.

Allgemein besteht beim Kauf von Heizöl nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (AZ: VIII ZR 249/14) ein Widerrufsrecht – wie bei anderen Fernabsatzverträgen auch. Somit kann eine Bestellung bis zum Beginn des Einfüllens widerrufen werden.

Vor der Lieferung sollten sich Verbraucher vergewissern, wie viel Öl-Restmenge im Tank ist. Bei einem Kunststofftank oder einer Tankbatterie kann der Füllstand mit Filzstift auf der Behälterwand markiert werden. Bei einem Kugeltank wird die Füllhöhe mit einem Längenmaß oder Peilstab gemessen. Eine exakte Mengenerfassung ist hierdurch aber nicht möglich. „Um sich zu vergewissern, dass die Heizöllieferung einwandfrei durchgeführt wird, können Kunden die Eichstempel am Tankwagen kontrollieren, während der Heizölabgabe die Zähleranzeige im Auge behalten und dann den Endstand mit den Lieferscheinangaben vergleichen“, sagt Funke.

In jedem Fall sollten Ölheizer während des Liefer- und Tankvorgangs vor Ort sein, merkt Peters an. Das Zählwerk muss auf null stehen. „Ist dies nicht der Fall, dann sollte der Kunde eine Rückstellung verlangen oder die Annahme der Lieferung verweigern“, so Peters. Der Zählerstand kann auch fotografiert werden. Nach der Lieferung und vor dem Ausdruck der Lieferquittung sollte man den letzten Zählwerkstand kontrollieren und notieren. Die Angabe auf der Zähleranzeige muss mit der auf dem Ausdruck identisch sein. Andernfalls sollte man reklamieren und den Lieferschein nicht unterschreiben.