| 21:10 Uhr

Zweibrücken
Partyabend mit Startschwierigkeiten

 Die US-amerikanische Kultband Kool & the Gang brachte zehn Musiker auf die Bühne der Westpfalzhalle. Im Hintergrund ganz in Weiß: Namensgeber Robert Kool Bell.
Die US-amerikanische Kultband Kool & the Gang brachte zehn Musiker auf die Bühne der Westpfalzhalle. Im Hintergrund ganz in Weiß: Namensgeber Robert Kool Bell. FOTO: Sebastian Dingler
Zweibrücken. Wegen technischer Probleme sind Kool & The Gang in Zweibrücken mit erheblicher Verspätung aufgetreten.

Nach dem Konzert war die Meinung aller Befragten in einem Punkt gleich: Dass Kool & the Gang erst um 21.20 Uhr auf die Bühne der ausverkauften Westpfalzhalle kamen und anschließend über diesen Umstand kein Sterbenswörtchen verloren, wurde sehr negativ beurteilt.

Das war auch in der Halle schon spürbar, als der 15-jährige Gitarrenvirtuose Frano Zivkovic ein Pfeifkonzert abbekam. Das galt sicher nicht ihm, sondern dem Befehl des Konzertmanagements, den Auftritt von der geplanten halben Stunde auf vierzig Minuten auszudehnen. Als dann noch Sanitäter gesehen wurden, wie sie hinter die Bühne eilten, musste mit dem Schlimmsten gerechnet werden.

In Wirklichkeit war ein technisches Problem mit dem digitalen Mischpult Ursache des verspäteten Beginns. So lauteten jedenfalls die Aussagen von Kulturamtsleiter Thilo Huble und Roland Nilles, dem Chef der veranstaltenden Firma Kultopolis. Beide führen schon seit längerem eine gute Kooperation, die es jetzt ermöglichte, dass die Kultband der Siebziger und Achtzigerjahre ins Programm der Reihe Euroclassic eingebaut werden konnte.



Zum Erfreulichen: Kool & the Gang lieferten insgesamt eine tolle Show, die die 2500 Besucher zum Mittanzen und -singen animierte. Schon als zweites hatte die Band „Fresh“, einen ihrer vielen Hits, eingestreut, später sollte sich die Dichte an Klassikern steigern. Aber auch die Anfänge als mehr Jazz-orientierte Soul-Band kamen nicht zu kurz. Da musste das Party-gierige Publikum auch mal durch einige schräge Harmonien und gewagte Bläsersätze durch.

Das wilde Funk-Stück „Jungle Boogie“ von 1973, bekannt aus dem Kultfilm Pulp Fiction, bildete dann die Brücke zum mehr groove-orientierten Disco-Funk von „Ladies’ Night“ oder „Get Down on It“, der Kool & the Gang berühmt gemacht hatte. Sogar die damalige Konkurrenz von Nile Rogers und dessen Band Chic wurde zitiert, ehe es in die Richtung der Achtzigerjahre ging. Da hatte die Band sich mehr zum Pop orientiert und einen letzten Erfolg mit der überzuckerten Ballade „Cherish“ gefeiert.

Nicht so schlimm, dass Namensgeber Robert „Kool“ Bell in Zweibrücken eher im Hintergrund stand und die schwierigen Bass-Passagen einem jüngeren Musiker überließ. Dem überall feststellbaren Prozess, dass an den erfolgreichen Bands der Siebziger der Zahn der Zeit schwer nagt, wird bei Kool & the Gang einfach mit dem Auffüllen durch junge Musiker begegnet. So standen da zehn Leute auf der Bühne – kein Fehler bei den unterschiedlichen Genres und Klangbildern, die die Band im Laufe ihrer Karriere durchlaufen hat. Gerade der Bläsersatz war eine Wucht, ebenso der vielstimmige Chorgesang.

Eine Coverband war das jedenfalls nicht, so wie manche Besucher schimpften. Sondern eben das, was von Kool & the Gang 50 Jahre nach deren Gründung noch übrig und möglich ist. Dass bei der Zugabe, dem Hit „Celebration“, die Anlage kurzfristig ausfiel, machte wenig aus: Da hörte man, wie euphorisch die Fans mitsangen. „Celebrate good times“ heißt es im Text, und das gelang dem Publikum trotz aller Widrigkeiten: Die guten alten Zeiten wiederaufleben zu lassen.