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Arbeiten von zuhause
Ohne Regeln keine Motivation

 Die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben verschwimmen bei der Arbeit im Homeoffice schnell.
Die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben verschwimmen bei der Arbeit im Homeoffice schnell. FOTO: dpa-tmn / Daniel Naupold
Düsseldorf/Trier. Die Arbeit von zu Hause birgt neben vielen Vorteilen auch die eine oder andere Schwierigkeit.

() Viele Arbeitnehmer wollen im Homeoffice Privatleben und Arbeit besser miteinander verknüpfen. Tatsächlich kann das Arbeiten von Zuhause Vorteile haben. „Wenn ich die Möglichkeit habe, Homeoffice zu machen, ist es eine Chance, meine Flexibilität zu erhöhen, meinen privaten und beruflichen Verpflichtungen leichter nachzukommen und Stress, beispielsweise durch Pendeln, zu reduzieren“, sagt Prof. Conny Antoni, Arbeitspsychologe an der Universität Trier. Für viele Menschen sei die Zeitknappheit ein belastender Faktor. Mit Homeoffice könne Zeit gewonnen werden.

Es müsse sichergestellt sein, dass dabei nicht ein neuer Stressor dazu kommt. Das kann etwa die ständige Erreichbarkeit sein. Ufuk Altun vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaften (Ifaa) empfiehlt, die Regeln des Homeoffice im Vorfeld zu kommunizieren und schriftlich festzuhalten. Dazu können feste Erreichbarkeitsfenster zählen. So werde in einigen Betrieben der E-Mail-Server ab 18 Uhr abgeschaltet oder Mails während der Urlaubszeit des Arbeitnehmers nicht weitergeleitet.

Werde das Thema Homeoffice nicht strukturiert angegangen, könne das dazu führen, dass die Beschäftigten sich selbst überschätzen. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit aus den Augen verlieren. „Laut Studien stellen Betriebe, die keine Regelungen und Vereinbarungen getroffen haben, immer wieder fest, dass es nicht zu einer Motivation, sondern eher zu einer Demotivation der Beschäftigten führt“, sagt Altun.



Arbeits- und Erholungszeiten sind teilweise gesetzlich geregelt. Im Unterschied zur sogenannten mobilen Arbeit, stellt der Gesetzgeber beim „Homeoffice“ konkrete Anforderungen an die Arbeitszeit, -Sicherheit und den Datenschutz. So gilt es, vorab die Begrifflichkeiten zu klären, empfiehlt Ufuk Altun: „Reden wir von Homeoffice oder mobiler Arbeit oder von Tele-Arbeit? Wenn das nicht geklärt ist, kann es zu Unklarheiten führen.“

Im Gegensatz zur „mobilen Arbeit“, bei der der Arbeitnehmer selbst entscheidet, wie lange und wo er arbeitet, müssen „auch im Homeoffice Arbeitszeitvorgaben, Ruhepausen und Höchstarbeitszeiten eingehalten werden“, sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Arbeitnehmer sollten ihren Blick besonders auf das Sozialversicherungsrecht richten, rät Oberthür. „Denn im Homeoffice genießen Arbeitnehmer nur begrenzt einen Unfallversicherungsschutz. Wenn sie auf dem Weg zur Toilette die Treppe herunterfielen, wären sie im Homeoffice nicht versichert“, erklärt die Anwältin. Sie rät Arbeitnehmern daher zu einer Unfallversicherung.

Manch einer schätzt die Arbeit ohne Kollegengespräche oder ablenkende Telefonate. Andere leiden unter der sozialen Isolation, die Heimarbeitsplätze mit sich bringen können. „Wie weit eine soziale Isolation damit verbunden ist, hängt maßgeblich damit zusammen, ob ich ständig im Homeoffice bin oder nur ein bis zwei Mal in der Woche von zu Hause arbeite“, erklärt Antoni. Im Büro finden auch spontan Gespräche statt. „Man tauscht sich aus und dabei können auch Ideen entstehen. Diese spontanen Interaktionen sind im Homeoffice deutlich erschwert.“

Zudem könne sich die Wahrnehmung der Kollegen ändern: „Wenn man verteilt arbeitet, kann es sein, dass der Beitrag des Einzelnen zum Team weniger sichtbar wird. Das kann die Gefahr bergen, dass die Kollegen sich fragen, was macht der zu Hause“, erklärt Antoni. Helfen könnten klare Aufgabenverteilungen.

(dpa)