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Fußball
„Wir sind zu Besonderem fähig“

 Daniel Farke will an diesem Samstag mit dem Tabellenletzten der Premier League, Norwich City, das Unmögliche möglich machen – den FC Liverpool in dieser Saison besiegen. Das hat in der Liga noch kein Team geschafft.
Daniel Farke will an diesem Samstag mit dem Tabellenletzten der Premier League, Norwich City, das Unmögliche möglich machen – den FC Liverpool in dieser Saison besiegen. Das hat in der Liga noch kein Team geschafft. FOTO: dpa / Martin Rickett
Norwich. Norwich City und sein deutscher Trainer wollen dem großen FC Liverpool die erste Saisonniederlage zufügen. sid

Letzter gegen Erster, Aufsteiger gegen Champions-League-Sieger – Daniel Farke (43) und Norwich City nehmen es an diesem Samstag in der englischen Premier League mit Jürgen Klopp und seinen Überfliegern vom FC Liverpool auf (18.30 Uhr/Sky). Im Interview spricht Norwichs deutscher Trainer Farke über sich und sein Team, vor allem aber auch über die schier unglaubliche Dominanz des Gegners in dieser Saison.

Herr Farke, Norwich City gegen den FC Liverpool – mehr Kontrast geht nicht in einer Partie der Pre­mier League. Wie ist die Stimmung in Ihrem Club vor dem großen Duell?

DANIEL FARKE Konzentriert und fokussiert, wir freuen uns auf die Aufgabe. Die entscheidenden Partien für uns werden nach dem Liver­pool-Spiel kommen, dennoch sind wir hochmotiviert. Wenn wir in unseren Themen gut sind, haben wir gegen jeden Gegner eine Chance.



Sie sind tief eingetaucht in die Vorbereitung auf das Team von Jürgen Klopp. Ist das ein fast perfekt aufspielender Gegner?

FARKE Es ist aktuell ganz bestimmt das beste Team der Welt. Einfach beeindruckend ist, dass die Mannschaft nach einer enorm erfolgreichen Saison mit vielen Punkten in der Premier League und dem Titel in der Champions League eine unglaubliche Gier und Konstanz in dieser Saison an den Tag legt. Das ist natürlich einer unfassbar guten Arbeit von Jürgen geschuldet, der diese besondere Mentalität reinbringt. Auf diesem Level eine Bilanz mit 24 Siegen und einem Unentschieden hinzulegen, ist außergewöhnlich. Wir brauchen einen speziellen Tag, um gegen Liverpool zu punkten. Wie eingangs gesagt, wissen wir aber auch, dass wir an einem besonderen Tag zu Besonderem fähig sind.

Sie haben vor eigenem Publikum ja auch schon Manchester City geschlagen.

FARKE Ja, das stimmt. City kam damals auch mit einer Serie von 20 ungeschlagenen Spielen und in einer totalen Favoritenrolle zu uns. Das zeigt, was in einem Spiel möglich ist – und dass wir über Qualitäten verfügen, die gerade auch Spitzenmannschaften wehtun können. Natürlich brauchen wir eine absolute Topleistung in vielen Bereichen, weil Liverpool so viele Stärken hat. Es muss viel zusammenkommen. Wichtig wird sein, dass wir auch versuchen, unser Spiel durchzudrücken. Dass wir möglichst viele Phasen haben, in denen wir im Ballbesitz das Spiel kontrollieren. Du musst Liverpool ein Stück von ihrer Dynamik und Aggressivität wegnehmen. Wenn wir uns Torchancen erarbeiten, müssen wir effektiv sein und sie nutzen.

Liverpool kann sich eine Niederlage ja eigentlich locker leisten angesichts des großen Vorsprungs.

FARKE (lacht) Das stimmt. Ich werde mal versuchen, Jürgen davon zu überzeugen. Aber ich bin mir recht sicher, dass er auch heiß darauf ist, ungeschlagen durch die Serie zu gehen. Es wird schwierig.

Die Ausgangslage Ihres Clubs ist ziemlich schwierig. Glauben Sie noch an den Klassenverbleib?

FARKE Wir waren von Anfang an sehr realistisch, galten als Favorit auf den 20. Platz und haben im Sommer nicht einmal eine Million Pfund für Transfers ausgegeben. Unser Mitaufsteiger Aston Villa hat mit dem Winter-Transferfenster fast 200 Millionen, Sheffield United fast 70 Millionen Pfund ausgegeben. Wir haben dazu in der Hinrunde eine echte Verletzungsseuche gehabt. Jetzt stecken wir in der schwierigsten Ausgangsposition von allen in der Liga, aber der stellen wir uns. Wir wissen, dass es eine Mammutaufgabe ist und an ein kleines Wunder grenzen würde, wenn wir den Klassenverbleib schaffen. Im Fußball versucht man aber auch, unrealistische Dinge zu erreichen. Wir arbeiten fokussiert und mit absoluter Überzeugung daran, es hinzubekommen.

Sie haben sich mit Ihrer Arbeit in England einen Namen gemacht. Ist es für Sie klar, dass Sie den schweren Gang in die 2. Liga mitgehen würden?

FARKE Ich verwende keine Kraft und Energie für Gedanken an die nächste Saison. Ich weiß, dass ich hier einen großen Rückhalt von der Vereinsführung und den Fans habe. Ich empfinde eine große Dankbarkeit, bei solch einem Traditionsverein die Geschicke leiten zu dürfen und habe mich ganz bewusst und im Wissen um die Möglichkeiten des Clubs dafür entschieden, einen längerfristigen Vertrag zu unterschreiben.

Hat in den vergangenen Monaten dennoch mal ein Club aus der Bundesliga den Kontakt zu Ihnen gesucht?

FARKE Ich habe es immer so gehalten, dass ich zu Spekulationen und Gerüchten um meine Person niemals Stellung genommen habe. Ich habe meine Verträge immer komplett erfüllt, das sagt eigentlich schon alles. Ich bin am richtigen Ort hier und mit voller Arbeitskraft dabei. Dass man gewisse Begehrlichkeiten weckt, wenn man als Spieler, Sportdirektor oder Trainer gute Arbeit abliefert, ist ganz normal. Ich bin aber nur auf Norwich City fokussiert, alles andere spielt keine Rolle.

Auch nicht, wenn Borussia Dortmund, wo Sie ja von 2015 bis 2017 die zweite Mannschaft trainiert haben, irgendwann mal anfragen sollte?

FARKE Das gilt für jeden Verein. Ich bin total auf meine Aufgabe fokussiert. Andere Überlegungen spielen für mich aktuell im Tagesgeschäft keine Rolle.