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Rom
Neuer Paukenschlag im Vatikan

 Kardinal Müller ist nicht mehr Chef der Glaubenskongregation.
Kardinal Müller ist nicht mehr Chef der Glaubenskongregation. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Regensburg/Rom. Der Präfekt der Glaubenskongregation, der ehemalige Regensburger Bischof Müller, verliert sein Amt. Von Bernhard Loheide

() Als Papst Franziskus 2013 sein Amt antrat, übernahm er bei der Besetzung der Kurie ein Erbe seines Vorgängers Benedikt. Dieser hatte 2012 den ehemaligen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zum Leiter der Glaubenskongregation gemacht. Franziskus hielt an Müller fest.

Als Gralshüter der katholischen Tradition stand der deutsche Kardinal wie Benedikt für eine sehr konservative Linie. Die von Franziskus betriebene Öffnung der Kirche lehnte er weitgehend ab. Jetzt hat der Papst einen Schlussstrich gezogen und Müller abgelöst.

Wie fremd sich beide sind, wurde spätestens bei den Bischofssy­noden zu den Themen Ehe und Familie 2014/15 deutlich. In seinem Schreiben „Amoris Laetitia“ öffnete der Papst anschließend den Zugang zur Kommunion in Einzelfällen auch für wiederverheiratete Geschiedene. Die Deutsche Bischofskonferenz griff das auf und setzte die neue Regelung mit einem eigenen Schreiben in Kraft. Kardinal Müller kritisierte das. Niemand, auch nicht der Papst, könne die dogmatische, durch Jesus selbst eingeschärfte Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe verändern, mahnte er.



Franziskus will die Kirche nicht gewaltsam, sondern behutsam öffnen. Daher blieb Müller zunächst im Amt, aber er spielte kaum noch eine Rolle. Eigentlich haben Ressortchefs beim Papst regelmäßig Audienzen. Müller nicht, wie Beinert berichtet: „Franziskus hat gesagt: ‚Ich rufe Sie, wenn ich Sie brauche.’ Und offensichtlich brauchte er ihn nicht sehr oft.“ Dabei gibt es eine große Gemeinsamkeit zwischen dem Papst aus Buenos Aires und dem gebürtigen Mainzer: der Kampf gegen die Armut in Lateinamerika. Müller ist Ehrenbürger eines Armenviertels in Peru. Dem Begründer der Befreiungstheologie, dem Peruaner Gustavo Gutiérrez, ist er eng verbunden. Kein Wunder also, dass Jorge Mario Bergoglio für Müllers Buch „Arm für die Armen“ ein Vorwort verfasste. Doch die von Franziskus vorangetriebene Kurienreform gegen Korruption und Misswirtschaft soll Müller behindert haben.

Zur Belastung wurde der 69-jährige Müller jetzt auch aus einem anderen, viel gravierenderen Grund: Die größte Krise der katholischen Kirche seit Jahrzehnten, der Skandal um sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche, hat die Führung im Vatikan erfasst. Der Finanzchef, Kardinal George Pell, musste sich beurlauben lassen, um sich in seinem Heimatland Australien einem Ermittlungsverfahren zu stellen. Als Chef der Glaubenskongregation war Müller auch dafür zuständig, Missbrauchsfälle aufzuklären. Doch die Dimension des Skandals spielte er herunter. Es habe sich nur um Einzelfälle gehandelt, nicht um ein systematisches Versagen der Kirche, meinte er. Er beklagte eine „Pogromstimmung“ gegen die Kirche.