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Neuausrichtung der Konzernstrategie
Nokia wechselt Chef und 5G-Strategie

  Nokia will auf dem Markt für den neuen Mobilfunkstandard 5G mitmischen. Der wird aktuell zwar vom chinesischen Anbieter Huawei dominiert, doch besonders die USA sind auf der Suche nach alternativen Partnern. 
Nokia will auf dem Markt für den neuen Mobilfunkstandard 5G mitmischen. Der wird aktuell zwar vom chinesischen Anbieter Huawei dominiert, doch besonders die USA sind auf der Suche nach alternativen Partnern.  FOTO: dpa / Heikki Saukkomaa
Espoo. Der Konzern hat trotz massiver Investitionen kaum vom 5G-Ausbau profitieren können. Nun soll ein neuer Mann an der Spitze die Probleme lösen. Von dpa

Der Netzwerk-Ausrüster Nokia wechselt mitten im Kampf um entscheidende Aufträge zum 5G-Ausbau den Chef aus. Zum 1. September soll Pekka Lundmark den Spitzenjob von Rajeev Suri übernehmen, wie das finnische Unternehmen am Montag mitteilte. Lundmark ist aktuell Chef der Energiefirma Fortum, ist aber ein Nokia-Rückkehrer: Er war einst unter anderem für die Strategie in der Netzwerk-Sparte verantwortlich.

Nokia hatte sein Handy-Geschäft und den Kartendienst Here verkauft und sich komplett auf das Ausrüsten von Telekommunikations-Netzen konzentriert. Dafür übernahm Nokia nicht nur komplett das Geschäft des langjährigen Partners Siemens, sondern kaufte auch den Konkurrenten Alcatel-Lucent. Suri rückte vor gut zehn Jahren an die Spitze der Netzwerk-Sparte und führt seit 2014 auch den gesamten Konzern.

Das Netzausrüster-Geschäft ist umkämpft. Die Schwergewichte Ericsson und Nokia spüren den Preisdruck von chinesischen Konkurrenten wie Huawei und ZTE. Nokia agierte zuletzt eher glücklos und schloss das vergangene Jahr mit einem mageren Gewinn von sieben Millionen Euro ab – nach einem Verlust von 340 Millionen Euro 2018.



Ein wichtiger Faktor für die Zukunft von Nokia könnte werden, welche Rolle Huawei beim Ausbau der 5G-Netze in Europa spielt. Der 5G-Datenfunk mit hohen Geschwindigkeiten und kurzen Reaktionszeiten gilt als Standard der Zukunft unter anderem für die Industrie. Vor allem die USA warnen vor einer Gefahr von Spionage und Sabotage mithilfe von Huawei-Technik und machen Druck auf Verbündete, den Konzern vom Netzausbau auszuschließen. Huawei weist die Vorwürfe zurück.

Ein zentraler Vorwurf lautet, Huawei lege mit seiner Mobilfunk-Technik das Fundament für kommende Spionage-Angriffe chinesischer Geheimdienste – ohne dass die Amerikaner dafür bisher konkrete Belege vorlegten. „Sie hoffen, dass ein Teil des Schlamms hängen bleibt, wenn sie genug Schlamm auf uns werfen“, konterte Huawei-Manager John Suffolk auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Zuvor hatte der US-Sonderbeauftragte für internationale Telekommunikationspolitik, Robert B. Blair, schwere Vorwürfe gegen Huawei erhoben und verlangt, dass sich der Konzern von der chinesischen Regierung distanzieren müsse.

So wie in München versuchen die USA nun auf allen diplomatischen Kanälen, Großbritannien und die Staaten der Europäischen Union zu einem Huawei-Verzicht zu drängen. Bislang sind die Europäer allerdings nicht auf den Kurs einer Total-Blockade eingeschwenkt.

Die amerikanische Regierung brachte jüngst auch eine US-Beteiligung an Nokia und Ericsson ins Gespräch. In der Branche kann man sich zumindest vorstellen, dass ein Industrie-Schwergewicht aus den USA bei den Firmen einsteigen könnte.

Zuletzt zeichnete sich in Europa der Kurs ab, „risikobehaftete Anbieter“ aus dem Kern der Netze herauszuhalten, aber in der Rand-Infrastruktur zuzulassen. Da Telekom-Firmen traditionell mindestens zwei Lieferanten haben wollen, könnte das Nokia helfen, sich neben Ericsson einen festen Platz in 5G-Netzen zu sichern.

Zuletzt entschied sich unter anderem der französische Mobilfunk-Anbieter Orange, sein 5G-Netz mit Ericsson und Nokia auszubauen. Allerdings hatte Orange die beiden Anbieter auch schon bei aktuellen LTE-Netzen genutzt, auf denen 5G zumindest in der Anfangszeit aufsetzt. In Deutschland ist dagegen viel LTE-Technik von Huawei im Einsatz.

 Pekka Lundmark soll die Konzernführung ab dem 1. September übernehmen.
Pekka Lundmark soll die Konzernführung ab dem 1. September übernehmen. FOTO: dpa / Roland Weihrauch