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Neue IWF-Chefin startet durch
Auf der Neuen lastet viel Verantwortung

 Kristalina Georgiewa ist an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine der mächtigsten Frauen der Welt. 
Kristalina Georgiewa ist an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine der mächtigsten Frauen der Welt.  FOTO: dpa / Jose Luis Magana
Washington. Kristalina Georgiewa muss an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) auch in Handelskonflikte vermittelnd eingreifen. dpa

Von der Karl-Marx-Universität im damals kommunistischen Bulgarien hat sich Kristalina Georgiewa an die Spitze des kapitalistischen Finanzsystems hochgearbeitet: eine steile Karriere. Die 66-jährige Ökonomin will dem Internationalen Währungsfonds (IWF) neuen Schwung verleihen. Die frühere EU-Kommissarin und Geschäftsführerin der Weltbank übernimmt das Ruder zu einer kritischen Zeit: Das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamt sich gefährlich. Das liegt auch an dem von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskrieg.

Sollte es zu einer neuen Krise kommen, könnte der IWF schon bald wieder als Feuerwehrmann gebraucht werden, um Staaten vor der Pleite zu retten. „Es ist eine riesige Verantwortung, am Steuer des IWF zu stehen zu einer Zeit, in der das globale Wirtschaftswachstum weiter enttäuschend ist, Handelskonflikte anhalten und sich Schulden auf einem historisch hohen Stand befinden“, erklärte Georgiewa in einer Stellungnahme zu ihrem Amtsantritt im Oktober. Ihre erste Priorität sei es daher, Staaten dabei zu helfen, „das Risiko von Krisen zu minimieren und für einen Abschwung vorbereitet zu sein“.

Georgiewa folgt der Französin Christine Lagarde nach, die im November als Chefin zur Europäischen Zentralbank geht. Die Bulgarin wird schon am kommenden Montag in Washington Finanzminister, Zentralbanker und Bankenchefs zur IWF-Jahrestagung begrüßen. Gemeinsam mit der Weltbank geht es darum, das globale Finanz- und Wirtschaftssystem weiterzuentwickeln.



Der in Washington ansässige IWF sieht sich als Stabilisator des globalen Finanzsystems. Die Institution mit 2700 Beschäftigten soll darüber wachen, dass es global nicht zu großen Währungsturbulenzen oder Schuldenkrisen kommt. Im Notfall vergibt der IWF Kredite an überschuldete und in Zahlungsschwierigkeiten geratene Staaten. In Europa war davon zuletzt Griechenland betroffen. Der IWF hat Kreditprogramme in Höhe von 70 Milliarden US-Dollar (63,7 Milliarden Euro) laufen. Zu den Empfängern der mit strengen Auflagen verbundenen Kredite gehören unter anderem Argentinien, Ägypten und die Ukraine. Der IWF könnte nach eigenen Angaben theoretisch bis zu 1000 Milliarden US-Dollar (911 Milliarden Euro) verleihen, um Krisen in den 189 Mitgliedsstaaten abzuwenden. Im höchsten IWF-Gremium, dem Gouverneursrat, sind die Stimmrechte der Mitgliedsländer proportional zu ihrer Wirtschaftskraft vergeben: Deutschland steht an vierter Stelle, hinter den USA, Japan und China.

Eine der großen Herausforderungen für Georgiewa dürften die Folgen der von Trump begonnenen Handelskonflikte sein, etwa jenem mit China. „Auf globaler Ebene kommt keinem Thema eine größere Rolle zu als dem Handel“, hieß es im neuesten IWF-Jahresbericht. Der IWF wurde gemeinsam mit der Weltbank 1945 gegründet. Die Weltbank wird traditionell von einem US-Amerikaner geführt, der Chefposten des IWF wird von den Europäern bestimmt. Bisher durfte ein IWF-Chef bei Dienstantritt nicht älter als 65 sein. Diese Regel wurde extra für die 66-Jährige geändert. Vor ihrem letzten Job als Geschäftsführerin der Weltbank war Georgiewa EU-Kommissarin, von 2010 bis 2014 in Brüssel für humanitäre Hilfe zuständig, dann bis 2017 Vizepräsidentin der Kommission für Haushalt und Personal.