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Gießereien
Stabile Zukunft für Gießerei-Gruppe

 Das Gießen von Motorblöcken ist das Brot- und Buttergeschäft von Neue Halberg Guss.
Das Gießen von Motorblöcken ist das Brot- und Buttergeschäft von Neue Halberg Guss. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Bei Halberg Guss ist der Eigentümer-Wechsel zur SDL Süddeutschen Beteiligung vollzogen. Die neuen Inhaber setzen auf Langfristigkeit.

Die Saarbrücker Motorblock-Gießerei Neue Halberg Guss (NHG)  scheint jetzt einen Eigentümer gefunden zu haben, der an einem langfristigen Engagement interessiert zu sein scheint. „Wir sehen für das Unternehmen Potenzial und wollen eine dauerhafte Beteiligung“, sagte gestern Christopher Keller, der für den neuen Inhaber, die SDL Süddeutsche Beteiligungs GmbH mit Sitz in Elchingen an der Donau für das Beteiligungsmanagement zuständig ist. Vor kurzem hat SDL die Saarbrücker Gießerei von dem niederländischen Fonds HTP gekauft, der nach der Insolvenz im Jahr 2011 eingestiegen war, aber nie mit seiner Absicht hinter dem Berg hielt, diese Beteiligung wieder zu veräußern (wir berichteten).

Inzwischen hat auch wieder die Geschäftsführung gewechselt Mit Holger Passauer ist ein alter Bekannter auf den Chefsessel zurückgekehrt. Der Mann aus der Pfalz, der seit dem Jahr 2000 bei NHG tätig ist, war schon einmal Geschäftsführer. „Für die Belegschaft ist das ein wichtiges Signal. dass der neue Eigentümer auf Kontinuität setzt“, sagt er. Außerdem hätten die neuen Inhaber zugesichert, dass sie Geld für künftige Investitionen zur Verfügung stellen, wenn zum Beispiel neue Motorblock-Generationen auf Kiel gelegt werden.

Derzeit sei das Werk gut ausgelastet, bestätitgt Passauer. Die größten Auftraggeber seien VW, Daimler und der US-Autokonzern General Motors (GM). So sei beispielsweise eine Serie von Lkw-Blöcken für Daimler angelaufen. Eine gute Auslastung bringe zudem ein V-8-Motorblock für GM. Schon seit längerem sei NHG dabei, sich verstärkt auf den Nutzfahrzeug-Bereich mit Lkw, Bussen und Landmaschinen zu konzentrieren und den Motorblock-Guss für Pkw allmählich zurückzufahren. Dies sei angesichts der Diskussion um die Diesel-Technologie eine zentrale Zukunftsfrage. Außerdem sollen neben Motorblöcken und Zylinderköpfen neue Gießprodukte für die Nutzfahrzeug-Hersteller ins Angebots-Portfolio aufgenommen werden – zum Beispiel im Bereich der Getriebe. Passauer ist davon überzeugt, dass für die nächsten sieben bis zehn Jahre ausreichend Fertigungs-Volumen für die drei Gießereien der NHG-Gruppe vorhanden sei. Neben der Saarbrücker Fabrik betreibt NHG noch eine Gießerei in Leipzig und im Südafrika. Das  Unternehmen Atlantis Foundries (AF)  auf dem afrikanischen Kontinent hatte NHG vor zwei Jahren von Daimler gekauft. An den drei Standorten werden insgesamt 3000 Mitarbeiter beschäftigt, davon 1400 in Saarbrücken, 950 in Südafrika und 650 in Leipzig. Die gesamte NHG-Gruppe erlöst rund 480 Millionen Euro Umsatz pro Jahr.



Auch SDL-Sprecher Keller ist zuversichtlich, dass NHG eine stabile Zukunft hat. Die SDL-Schwestergesellschaft Süddeutsche Leasing habe bereits seit der Insolvenz im Jahr 2011 Geschäftsbeziehungen zu NHG. Damals hätten die Saarbrücker etliche Fertigungs-Maschinen über ein Mietkauf-Modell finanziert. Dabei übernimmt der Käufer in monatlichen Zahlungen Stück um Stück das Eigentum an der Maschine. Daher habe die SDL schon länger einen guten Einblick in die wirtschaftliche Situation der NHG-Gruppe. Dies sei auch die Voraussetzung gewesen, dass die Firmenübergabe so schnell über die Bühne gegangen sei.

Die Süddeutsche Leasing sei zudem intensiv mit der heimischen  Automobilindustrie und ihren Zulieferern vernetzt. Das Familienunternehmen unterstützt mit seinen Leasing- und Finanzierungs-Modellen mehr als 340 Kunden – davon drei Viertel aus dem Automotive-Bereich. Wegen dieser guten Reputation von SDL sieht Keller auch Wachstumschancen für NHG. Türen, die für das Unternehmen bislang verschlossen waren, könnten sich wieder öffnen, so dass auch mit neuen Aufträgen zu rechnen sei. Auch in den vergangenen Jahren hat NHG viel Geld in die Hand genommen, um die Fabriken auf dem neuesten Stand zu halten. Rund 100 Millionen Euro hat die Saarbrücker Traditionsgießerei, die hinter  dem Automatikgetriebe-Hersteller ZF der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber in der Landeshauptstadt ist, seit 2011 investiert – und größtenteils aus dem laufenden Geldeingang (Cash-flow) finanziert. So wurden allein 20 Millionen Euro in eine neue Anlage gesteckt, in der die Gießerei-Kerne aus Quarzsand hergestellt werden.

  Holger Passau, seit kurzem wieder Geschäftsführer von Neue Halberg Guss.
 Holger Passau, seit kurzem wieder Geschäftsführer von Neue Halberg Guss. FOTO: BeckerBredel