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Vom Allgäu bis zum Bodensee
Auf der Schwäbischen Bäderstraße

  Auf der Themenroute vom Allgäu bis zum Bodensee lohnt sich ein Halt in Bad Waldsee. Die oberschwäbische Kurstadt liegt malerisch zwischen zwei Naturseen.
Auf der Themenroute vom Allgäu bis zum Bodensee lohnt sich ein Halt in Bad Waldsee. Die oberschwäbische Kurstadt liegt malerisch zwischen zwei Naturseen. FOTO: Bad Waldsee Tourismus
Bad Wörishofen. Neben Gesundheits- und Wohlfühlangeboten verspricht die Ferienroute auch ein Erlebnisprogramm aus Natur und Kultur. Von Sabine Mattern

Bis weit über die Grenzen unseres Landes ist sein Name bekannt: Sebastian Kneipp – katholischer Priester, Verfechter der Kaltwasserkur und eng verbunden mit dem Städtchen Bad Wörishofen, wo er Mitte des 19. Jahrhunderts im Kloster das Amt des Hausgeistlichen antrat und im Laufe der Zeit für einen regen Zulauf an Kurgästen sorgte. Heute ist die einstige Wirkungsstätte des legendären Wasserdoktors mit über hundert Kureinrichtungen weltgrößter Kneippkurort. Und sie ist Startpunkt der Schwäbischen Bäderstraße, die vom Allgäu ans Nordufer des Bodensees und damit von Bayern nach Baden-Württemberg führt.

Auf 180 landschaftlich abwechslungsreichen Kilometern zieht sich die Themenroute durch den deutschen Süden und platziert zwischen Bad Wörishofen und Überlingen sieben weitere Partnerstädte: Bad Grönenbach, Bad Wurzach, Bad Waldsee, Aulendorf, Bad Schussenried, Bad Buchau und Bad Saulgau. Gesundheitstouristen, Erholungssuchende und Wellnessliebhaber entscheiden sich hier je nach Angebot für den passenden Standort, um in den heilsamen Genuss warmen Thermalwassers zu kommen, ein Moorbad zu nehmen, nach Kneippscher Manier Wasser zu treten oder sich in der Natur zu bewegen.

Das Logo der Bäderstraße, die Welle mit dem Zwiebelturm, lässt erahnen, dass die Route auch in Sachen Kultur noch ein Ass im Ärmel hat: die barocken Architekturschätze einiger Orte. Allen voran Bad Schussenried, das schmucke Klosterstädtchen im Herzen Oberschwabens. Nur ein paar Meter vom Markt entfernt öffnet sich ein Torhaus mit verspieltem Giebel und Uhrenturm in den Klosterhof. Vom Orden der ­Prämonstratenser 1183 gegründet und nach schweren Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg wiederhergestellt, sollte der alte Klosterkomplex Mitte des 18. Jahrhunderts einem barocken Neubau weichen. Ein ehrgeiziges Projekt, das jedoch unvollendet blieb.



Heute haben Besucher Gelegenheit, einen Blick in die Klosterkirche St. Magnus zu werfen, die sich mit ihren farbigen Malereien und dem kunstvoll geschnitzten Chorgestühl gewiss nicht hinter „der schönsten Dorfkirche der Welt“ verstecken muss, die im Schussenrieder Ortsteil Steinhausen steht. Trotzdem ist nicht die Kirche der Publikumsmagnet des ehemaligen Stifts, sondern der Bibliothekssaal im Mittelteil der Dreiflügelanlage: ein lichtdurchfluteter Raum mit opulentem Deckenfresko über einem zweigeschossigen, durch eine Galerie geteilten Wandaufbau, mit Schränken in Berliner Blau und aufgemalten Bücherreihen, mit Säulen aus Stuckmarmor und Figurenschmuck in blendendem Weiß. Kurzum, ein Juwel des Rokoko.

Keine zehn Kilometer entfernt liegt mit Bad Buchau eine weitere Station der Schwäbischen Bäderstraße. Auch hier gab es einmal ein Kloster, in dem unter der Leitung einer Äbtissin Frauen von Adel lebten. Die Säkularisation beendete 1802 die Existenz des freiweltlichen Damenstifts, dessen Anfänge auf das 8. Jahrhundert zurückgehen. Inzwischen belegt die Schlossklinik die Räumlichkeiten des einstigen Konvents – als (neben Federseeklinik und Adelindis Therme) wichtiger Baustein des Gesundheitszentrums, in dem Moor und Thermalwasser als natürliche Heilmittel zum Einsatz kommen.

Wer sich in Bad Buchau nicht gerade aufs Gesundwerden und -bleiben konzentriert oder am Markt beim Eis und Kurkonzert sitzt, wird seine Zeit in der Natur verbringen. Am nördlichen Ortsrand schafft die geschützte Moorlandschaft rund um den Federsee ein Paradies für Tier und Pflanze. Und eins für den Menschen, der die Zurückgezogenheit dieser verzauberten Landschaft als Gast erleben darf. Etwa bei einer Runde durch den Wackelwald in Kurparknähe, wo man die Bäume zum Beben bringen kann. Oder bei einem Gang über den Federseesteg, einen anderthalb Kilometer langen Eichenholzweg, der über dem Moor durch meterhohes Schilf und Feuchtwiesen bis zur Plattform im See verläuft, auf dem Teichrosen zu Tausenden die Wasserfläche begrünen.

Doch auch kulturell hat der Federsee Bedeutendes zu bieten, denn schon seit der Steinzeit siedelten hier Menschen und hinterließen ihre Spuren, gut konserviert, im Moor. Gleich am Steg steht die moderne Holz-Glas-Konstruktion des Federseemuseums auf Stelzen in einem Teich und zeigt uns mit den prähistorischen Pfahlbauten am Federsee ein bestaunenswertes Welterbe: eine einmalige Sammlung vorgeschichtlicher Häuser neben originalen Funden wie Teilen eines keltischen Streitwagens oder steinzeitlicher Haute Couture.