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Homburger Meisterkonzerte
Technische Brillanz und höchster Einsatz

FOTO: Hanya Chlala/ArenaPAL
Homburg. Nash Ensemble of London begeisterte die Zuhörer im Homburger Saalbau. Von Paul Krick

Das Nash Ensemble of London wurde bei seinem Homburger Meisterkonzert lautstark gefeiert. Behutsam und verlockend geleiteten der Pianist Alasdair Beatson, Primarius Benjamin Nabarro und der Cellist Adrian Brendel das Publikum mit dem kleinen Klaviertriosatz Andante con moto von Edvard Grieg zu den gewaltigen Klavierquintett-Gebirgen nach Schostakowitsch und Brahms, wo es nur noch atemlos staunen konnte. Dort ergänzten der zweite Geiger Michael Gurevich und der Bratscher Lawrence Power die Quintettbesetzung und nahmen Anteil an der überwältigenden Klangregie im Klavierquintett g-Moll op. 57 (1940) von Dmitri Schostakowitsch zwischen Entrückung in der Fuge oder im Intermezzo und der Wucht im Scherzo oder im Finale. Technische Brillanz und höchsten körperlichen Einsatz forderte auch Johannes Brahms ein, als er 1864 sein Klavierquintett f-Moll op. 34 als Gipfelwerk seines Kammermusikschaffens vollendete.

Die Zuhörer konnten nicht genug davon bekommen und forderten mit stehenden Ovationen eine Zugabe. Und erst als sich die Londoner Künstler auf Saiten und Klaviertasten mit der launig verspielten Dumka aus dem Klavierquintett A-Dur von Antonin Dvorák revanchiert hatten, waren sie bereit nach Hause zu gehen, viele den Ohrwurm aus dem Scherzo von Schostakowitsch auf den Lippen oder das wie über die Londoner Nash-Terrassen hinauf hüpfende Tonleiter-Thema aus der Dumka von Dvorák.

Nach dem Meisterkonzert ist vor dem nächsten: Star des vierten Konzertes der Reihe am Donnerstag, 12. Dezember, 19.30 Uhr im Kulturzentrum Homburger Saalbau ist der deutsche Ausnahmepianisten Alexander Lonquich. Er spielt keine großen, zyklisch angeordneten Klavierwerke, sondern achtzehn kleine Einzelstücke fast ebenso vieler Meister, die dennoch tiefe Einblicke in das Innenleben oder in biographische Situationen ihrer Schöpfer gestatten.



Das kunterbunte Panoptikum bietet mehr oder weniger bekannte Zugabestücke wie die „Zirkuspolka für einen jungen Elefanten“ von Strawinsky, die „Humoreske“ von Reger oder eines der Präludien aus der Sammlung op. 23 von Rachmaninow.

Bei anderen werden auch Kenner der Klavierliteratur verwundert den Kopf schütteln, dass der große, spätromantische Sinfoniker Bruckner, der normalerweise in großen Orchesterbesetzungen schwelgte, 1868 in einer auf Klaviertasten reduzierten „Erinnerung“ Kaiser Maximilian I. einen Gedenkstein setzte. Der unglücklich agierende Monarch aus dem Habsburgerhaus war ein Jahr zuvor in Mexiko standrechtlich erschossenen worden.

Alexander Lonquich nimmt sein Publikum in achtzehn Stationen mit auf eine spannende Entdeckungsreise mit. Der Vorverkauf läuft.

Einlass zum Meisterkonzert mit Alexander Lonquich ist ab 18.30 Uhr. Eine Einführung ins Konzert beginnt um 19 Uhr. Karten (30 und 27,50 Euro) gibt es in der Tourist-Info in Homburg, bei ticket-regional, allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie an der Abendkasse.