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Nach Sieg bei der Parlamentswahl
Sinn-Féin-Chefin McDonald will irische Premierministerin werden

 Sinn-Féin-Chefin Mary Lou McDonald will mit allen irischen Parteien über eine Koalition reden.
Sinn-Féin-Chefin Mary Lou McDonald will mit allen irischen Parteien über eine Koalition reden. FOTO: dpa / Niall Carson
Dublin. Die irische Sinn-Féin-Chefin Mary Lou McDonald will nach dem überraschenden Wahlerfolg ihrer Partei die erste Premierministerin ihres Landes werden. „Ich denke, es wäre doch eine tolle Sache, einen Sinn-Féin-Premier und auch noch eine Frau auf diesem Posten zu haben“, sagte die 50-Jährige in Dublin. dpa

Sinn Féin schnitt in der Wählergunst besser ab als die bürgerlichen Parteien Fianna Fáil und Fine Gael. Damit leitete sie einen politischen Umbruch in Irland ein.

McDonald kündigte an, mit allen Parteien über eine Regierungsbildung sprechen zu wollen – vorzugsweise mit den kleineren linksgerichteten. Doch obwohl Sinn Féin die etablierten Parteien überflügelte, ist eine Beteiligung an der Regierung nicht gesichert. Die drei großen Parteien sind alle weit von einer Mehrheit von 80 Sitzen entfernt. Premier Leo Varadkar (Fine Gael) warnte vor monatelangen Koalitionsverhandlungen. Er schließt eine Zusammenarbeit mit Sinn Féin kategorisch aus. Fianna-Fáil-Chef Micheal Martin gab sich etwas moderater und sagte: „Das Volk hat gesprochen“ – und er werde darauf hören.

Sinn Féin galt lange als politischer Arm der Untergrundorganisation IRA (Irisch-Republikanische Armee) und setzt sich für eine Wiedervereinigung Irlands ein. Kritiker werfen der Partei vor, an ihr klebe Blut. McDonald konnte dennoch bei den Wahlen mit sozialen Themen wie Gesundheits- und Wohnungskrise sowie Rentenalter punkten. Varadkar setzte auf den Brexit als Wahlkampfthema und verzockte sich. Er führt eine von Fianna Fáil tolerierte Minderheitsregierung an.



Sinn Féin hatte nicht mit den vielen Wählerstimmen gerechnet und zu wenige Kandidaten aufgestellt: Fianna Fáil bekam 38 Sitze, Sinn Féin 37 und Fine Gael 35. Die Grünen konnten sich stark von drei auf zwölf Sitze verbessern, die Sozialdemokraten von zwei auf sechs.