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Merkel und Trump in Paris
Morgens mit Merkel, abends mit Trump

Paris. Erst vereinbart Macron mit der Kanzlerin eine „Revolution“, dann empfängt er den US-Präsidenten. Von Christine Longin

Das hat es wohl noch nie gegeben: ein französischer Präsident, der zusammen mit der deutschen Bundeskanzlerin vom Balkan-Gipfel in Triest nach Paris fliegt. Nur wenige Stunden verbrachten Emmanuel Macron und Angela Merkel dann getrennt, bevor sie sich am Donnerstagmorgen schon wieder sahen. Für Macron stand der erste gemeinsame Ministerrat seiner Amtszeit auf dem Programm. „An die Arbeit“ twitterte der 39-Jährige kurz vor dem Empfang der Kanzlerin auf Deutsch. Ins Englische wechselte er dann am Nachmittag auch noch: Denn nach der Kanzlerin empfing Macron US-Präsident Donald Trump, der den heutigen Nationalfeiertag in Frankreich verbringt.

Eine Vorlage zu dem Treffen mit Merkel hatte Macron schon mit einem Interview gegeben, das pünktlich zum Ministerrat parallel in der Zeitung „Ouest France“ und den Blättern der Funke-Mediengruppe erschienen war. Darin machte der Staatschef klar, dass er durchaus ein anspruchsvoller Partner sein will. „Deutschland muss sich bewegen“, lautete seine markanteste Äußerung. „Deutschland muss für eine Wiederbelebung der öffentlichen und privaten Investitionen in Europa sorgen“, forderte Macron. Neu ist diese Forderung nicht.

Inzwischen scheint die Kanzlerin aber durchaus offen für solche Appelle. „Ja, wir haben Spielraum“, sagte sie zu den geforderten Investitionen. Es gebe allerdings „zu langsame Planungsprozesse“, um das Geld auch auszugeben. „Wir müssen überlegen, wie wir schneller planen können.“ Notwendigkeit bestehe durchaus. „Unsere Infrastruktur ist nicht so, dass sie Investitionen nicht vertragen könnte.“



In seinem Interview kritisierte Macron wie schon im Wahlkampf die deutschen Exportüberschüsse. Elegant spielte Merkel den Ball zurück in das französische Feld: „Ich möchte für Deutschland sagen, dass wir das Interesse haben, dass alle Länder in der Eurozone stark sind. Deshalb verfolgen wir die französischen Reformen mit Aufmerksamkeit.“ Auch für Macrons Vorschläge einer Reform der Eurozone zeigte sich Merkel offen. „Ich habe nichts gegen ein Eurozonen-Budget“, versicherte sie. „Auch über den Finanzminister kann man reden.“ Allerdings brauche es für dafür ein Mandat. Diplomaten hatten ohnehin nicht erwartet, dass der Ministerrat in der heiklen Frage einer Neuordnung der Eurozone einen Durchbruch bringt. Zu nah lag der Termin an den Bundestagswahlen, nach denen die Kanzlerin im Falle eines Wahlsieges freie Hand hätte. „Ich glaube, wir werden Sie noch überraschen“, kündigte Merkel bereits an. Eine faustdicke Überraschung hatten sie und Macron bereits parat: Deutschland und Frankreich wollen sich an das Projekt eines gemeinsamen europäischen Kampfflugzeuges machen, das die bisherigen Jets ersetzen soll. „Das ist eine tiefgreifende Revolution“, betonte Macron. „Aber wir haben keine Angst vor Revolutionen.“

An den Beginn der französischen Revolution von 1789 erinnert der heutige Nationalfeiertag, zu dem US-Präsident Trump gestern Nachmittag in Paris eintraf. Mit der Einladung würdigt Frankreich den Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren.