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Kongress-Standort Metz
Metz eröffnet neues Kongresszentrum

Ein architektonischer Blickfang: Metz hat am Freitag sein neues Kongresszentrum vorgestellt.
Ein architektonischer Blickfang: Metz hat am Freitag sein neues Kongresszentrum vorgestellt. FOTO: LUC BOEGLY PHOTOGRAPHE 2018
Metz. Was in der Region noch in Planung ist, hat Metz bereits realisiert. Ein Zentrum für Kongressmessen mit Platz für 6500 Besucher. Von Silvia Buss

Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit hat Metz am Freitag feierlich das neue Kongresszentrum eröffnet. Mit der 56,9-Millionen-Euro-Investition will sich die Moselstadt als Kongress-Standort profilieren. Das neue Gebäude, entworfen von dem in Frankreich als „Star-Architekt“ geltenden Jean-Michel Wilmotte, verfügt über ein Auditorium von bis zu 1200 Plätzen, 16 Konferenz-Säle und -Hallen, und hat insgesamt Platz für 6500 Besucher.

Bisher verfügte Metz, ähnlich wie Saarbrücken, nur über ein Messegelände am Stadtrand. Es ist etwa Schauplatz der jährlichen „Foire internationale de Metz“ und soll auch weiter genutzt werden. Schon seit rund 20 Jahren hegte die Stadt jedoch Pläne, sich ein kleineres Kongresszentrum in die Stadtmitte zu stellen. Anlass war der Trend zu kleinen Fachmessen und Kongressen, dessen Teilnehmer auch ein attraktives urbanes Umfeld erwarten. Auch im Saarland ist ein entsprechendes Zentrum für Kongressmessen an der Congresshalle in Saarbrücken geplant. Anders als in Metz befindet sich das Projekt allerdings noch in der Planungsphase.

Das Kongressgebäude in Metz, dessen Bau mehrfach aufgeschoben und aufgrund einer angespannten Finanzlage auch zunehmend kontrovers diskutiert wurde, steht in der Nähe des Bahnhofs. Ein Gebiet, das sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt hat. Zuerst kam die TGV-Verbindung, die der Messestadt eine schnelle Erreichbarkeit sicherte. 2010 eröffnete das Centre Pompidou Metz (CPM). Die Dependance des Pariser Mutterhauses ist einer der größten Touristenbringer. „Dadurch haben wir unser altes Image als Kasernenstadt hinter uns lassen können“, sagt der sozialistische Bürgermeister Dominique Gros. Inzwischen ist um das CPM ein neues, modernes Stadtviertel gewachsen. Im Vorjahr eröffnete hier ein neues Einkaufzentrum, das „Muse“, ein Multiplex-Kino soll noch kommen. Neu ist auch ein Kongress-Hotel, ein extravagantes 5-Sterne-Hotel ist in Planung. Für Bürgermeister Gros ist das neue Kongresszentrum der fehlende letzte Baustein „im Tryptichon mit TGV und Centre Pompidou“ mit dem die Stadt die lukrativen Geschäftstouristen locken will, die nach Expertenschätzungen pro Tag rund 150 Euro in der Stadt lassen. Doch auch in den Städten der Umgebung ist die Konkurrenz gewachsen: Nancy und Straßburg haben ebenfalls ihre Kongresspaläste aufgerüstet.



Jean-Luc Bohl, Präsident der Metropolregion Metz sieht diese trotzdem im Vorteil: Einerseits wegen der historischen Altstadt, andererseits wegen der Lage im Dreiländereck mit Luxemburg, Belgien und dem Saarland. Auch deshalb habe die Stadt das Kongresszentrum nach Robert Schuman, benannt, dem Vordenker und -kämpfer einer europäischen Einigung. „Willkommen Saarland“ lässt Bohl ausrichten. Um so erstaunlicher jedoch, dass er bei der Eröffnung mit 1200 geladenen Gästen keinen einzigen Ehrengast von der Saar oder aus Luxemburg begrüßen konnte.

Bauherr des neuen „Metz Congrès Robert Schuman“ ist M3-Congrès, eine neu gebildete Messegesellschaft. Ihre Hauptaktionäre sind die Stadt und die Metropolregion Metz sowie das Département Moselle, das lange Zeit bei dem Projekt nicht mitziehen wollte.

Betreiber der Messe ist der französische Privatkonzern GL Events. Er gehört nach eigenen Angaben mit einer Milliarde Euro Jahresumsatz zu den vier größten Global Playern der Messebranche. GL Events betreibt weltweit 43 Messe- und Kongress-Standorte von Brasilien bis Japan, darunter auch das Metzer Messegelände und das neue Kongresszentrum Prouvé in Nancy. Das Metzer Kongresszentrum stehe nicht nur in Konkurrenz zu Nancy, sondern mit allen französischen Messe- und Kongress-Städten, sagt GL-Vertreter Jean-Eudes Rabud.

Das neue Kongress-Zentrum ist auf gutem Weg: Man habe bereits 26 Kongresse und 80 Einzel-Events in der Agenda, sowie zwei Kongresse für das kommende Jahr vorgemerkt, sagt Laurence Bussière von der GL-Tochter Metz Congrès Évènement. Im Fokus habe man vor allem die Branchen Medizin, Automobil, Versicherungen und Energie.