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Kommentar
Mehr Fluch als Segen?

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Studie über das aktuelle Freizeitverhalten der Deutschen dürfte einmal mehr zu düsteren Prophezeiungen führen – wie dereinst, als Graetz und Nordmende nach und nach jedes deutsche Wohnzimmer eroberten.

Wenig später klebte die gesamte Nation vor den Flimmerkisten (die diesen Namen auch verdienten), und der Niedergang der trauten familiären Gesprächsatmosphäre war schon ausgemacht. Vielleicht hat das Fernsehen tatsächlich dazu beigetragen, dass die direkte Kommunikation ein Stück weit zurückgedrängt wurde. Vielleicht hat es aber auch das Gegenteil bewirkt: Gespräche angeregt, wo zuvor Schweigen und Sprachlosigkeit herrschten. Eindeutig lässt sich die Frage nach dem Für und Wider nicht beantworten. Heute hat der Medienkonsum freilich eine andere Dimension erreicht. Dass Internet und soziale Medien zumindest einer physischen Isolation Vorschub leisten können, ist sicherlich  keine unberechtigte Sorge. Und dass jene Abgeschiedenheit auch zu sozialen Verwerfungen führen kann, zeigt die Masse an Hass-Kommentaren in den sozialen Medien. Offenbar drohen jenseits der Face-to-Face-Kommunikation Schranken und Hemmungen zu fallen. Das ist eine Erkenntnis, die unbedingt in den Medien-Unterricht der Schulen einfließen sollte. Der souveräne Umgang entscheidet schließlich, ob die Zukunft der neuen Medien Fluch oder Segen sein wird – und ist allemal besser als jede Maßregelung.