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Protest der Kirchenfrauen
Mehr Gleichberechtigung, in Himmels Namen!

  Auch in Saarbrücken demonstrierten am Samstag rund 50 Kirchenfrauen aus der Region für eine geschlechtergerechte Kirche.  
Auch in Saarbrücken demonstrierten am Samstag rund 50 Kirchenfrauen aus der Region für eine geschlechtergerechte Kirche.   FOTO: BeckerBredel
Münster. „Maria 2.0“ geht zu Ende: Der Aufstand der Kirchenfrauen gegen die Männerdominanz hat Wellen geschlagen. dpa

Ohne Frauen geht in vielen Gemeinden der katholischen Kirche kaum etwas. Viel zu sagen aber haben sie in der männerdominierten Kirche neben Priestern und Bischöfen nicht. Bei einer Gruppe in Münster war jetzt das Fass übergelaufen. Nach dem Missbrauchsskandal und der seit Jahrzehnten erfolglosen Forderung, die Weiheämter auch für Frauen zu öffnen, hatte die 15-köpfige Gruppe die Idee, in den Streik zu treten: eine Woche nicht im Ehrenamt helfen und draußen eigene Gottesdienste feiern. Die Alternative? Der Austritt aus der Kirche, das wollten die Frauen nicht – vorerst. Dem vorausgegangen war die bundesweite Aktion „MachtLichtAn“ der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) Ende 2018.

Die Idee aus Münster schlug Wellen. Bundesweit – aber auch in Österreich, der Schweiz und in den USA. Agnes Wuckelt ist stellvertretende Bundesvorsitzende der kfd. In der „Frankfurter Rundschau“ bezeichnete die Theologin den Kirchenstreik als letzten Weckruf von Frauen, die sagen, „Ich kann in dieser Kirche nur bleiben unter der Bedingung von Gleichberechtigung“. Frauen nehmen es nach ihrer Meinung nicht mehr hin, dass die Kirche der einzige Raum sein soll, in dem sie mit ihrem Einsatz und ihren Kompetenzen am Ende immer in der Rolle der Nachgeordneten bleiben, abhängig von geweihten Männern. Sollte dieser Weckruf ungehört verhallen, sagt Wuckelt einen lautlosen Auszug aus der Kirche voraus. Und zwar „in Scharen.“

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann kritisierte den Streik. „Ich kann die Ungeduld vieler Frauen verstehen. Ich sage aber offen, dass ich diese Streikaufrufe, diese Streikaktionen nicht für hilfreich halte“, sagte Ackermann. Die deutschen Bischöfe hätten sich zu einem „synodalen Weg“ – also zu einem Dialog mit Laien und Experten auch über „Frauen und Amt“ – bereiterklärt. Der Streik sei „eher kontraproduktiv“.



Ackermann zeigte sich offen für Frauen als Diakoninnen, sofern sich zeige, dass es in der frühen Geschichte der Kirche schon das Diakonat der Frau gegeben habe. Papst Franziskus hatte gesagt, eine Expertenkommission sei in der Frage, ob Diakoninnen in der Urkirche auch sakramentale Ämter hatten, „ohne klares Ergebnis“ geblieben. Deswegen müsse diese Frage von der Kommission weiter untersucht werden.

Der Streik hat nicht nur Unterstützer. Es gibt auch Frauen, die sich wie im Bistum Augsburg gegen die Bewegung gestellt haben. „Unsere Maria Mutter Gottes braucht kein Update“, heißt es auf der Webseite, die Johanna Stöhr ins Leben gerufen hat. „Maria war nach unserem heutigen Verständnis eine emanzipierte Frau“, erklärte die 33-jährige Katholikin, die in ihrer Pfarrei in Schongau aktiv ist. Insbesondere ein Frauenpriestertum lehnt sie ab. „Jesus hat ganz bewusst Männer in das Amt des Priestertums gerufen.“ Das stehe auch in der Bibel.