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Magnet für Pflegefachkräfte

 Die Knappschaftskliniken in Sulzbach und Püttlingen haben mit ihrer Pflegeinitiative 2019 bereits Mitte des Jahres Erfolg auf ganzer Linie.
Die Knappschaftskliniken in Sulzbach und Püttlingen haben mit ihrer Pflegeinitiative 2019 bereits Mitte des Jahres Erfolg auf ganzer Linie. FOTO: xxxxx / xxxx
Überall fehlt es auf den Pflegestationen an Personal. Der Fachkräftemangel lässt grüßen. Doch es gibt Ausnahmen: Das Knappschaftsklinikum Saar hat Anfang des Jahres seine „Pflegeinitiative 2019“ verkündet und massive Neueinstellungen im Pflegebereich versprochen. Nur ein PR-Gag? Von wegen: Auf Nachfrage verrät uns das Klinikum seine Zwischen- bilanz zur Jahresmitte. Und die übertrifft alle Erwartungen.

Ich bin wirklich total froh, wieder in der Pflege zu arbeiten“, sagt Hannah Gerber. Fünf Jahre war sie raus aus dem Beruf. Bei Pflegefachkräften nicht ungewöhnlich. Sie hatte sich zur Industriekauffrau umschulen lassen. „Doch ich war unglücklich, vermisste meinen alten Beruf“, so die junge Frau. „Ich wollte unbedingt wieder in der Pflege arbeiten.“ Pfleger aus ihrem Bekanntenkreis gaben den Ausschlag für ihre Arbeitgeberwahl: „Sie arbeiten in der Klinik Sulzbach und erzählten so viel Positives“, sagt Hannah Gerber. Dann ging alles schnell. Sie fand die Anzeige des Knappschaftsklinikums Saar (KKSaar) im Online-Stellenmarkt der SZ, schickte eine Mail, und eine Woche später hatte sie einen Termin fürs Bewerbungsgespräch. Wiedereinstieg? Kein Problem. Am KKSaar-Standort Püttlingen fand sich sogar ein Platz in ihrem Wunsch-Fachbereich, der Orthopädie.

Hannah Gerber ist eine der Neuen, die im Rahmen der „KKSaar-Pflegeinitiative 2019“ eingestellt wurden und immer noch werden. 40 zusätzliche Pflegestellen in 2019, verteilt auf die Standorte Püttlingen und Sulzbach, das hatten Geschäftsführerin Andrea Massone und Pflegedirektor Frank Kinsinger im Januar gegenüber der Saarbrücker Zeitung versprochen (siehe SZ vom 27.01.2019 „Krankenhäuser stocken Personal auf“). Seitdem werben die beiden Häuser verstärkt Mitarbeiter an. Offenbar mit Erfolg: Auf Nachfrage der SZ hat die KKSaar-Personalabteilung mitgeteilt, dass inzwischen sogar 99 examinierte Pflegefachkräfte gewonnen werden konnten. Und in den nächsten Tagen könnte die Zahl 100 überschritten werden.

44 hätten ihren Dienst bereits angetreten, der Rest folge übers Jahr. Rechnet man die Teilzeitverträge raus, sind es immer noch 88 Vollzeitstellen – über vier Mal so viel wie ursprünglich erhofft. Und das bereits in der Hälfte der Zeit. „Wir werden auch weitere Pflegekräfte einstellen“, verspricht Pflegedirektor Kinsinger. Zwar sei das anfangs gesteckte Ziel bereits übertroffen, doch auch jede zusätzliche Verstärkung sei sehr willkommen. „Unsere KKSaar-Pflegeinitiative 2019 läuft ungebremst weiter“, sagt er. Möglich wird der massive Planstellenzuwachs am KKSaar durch das Pflegestärkungsgesetz der Bundesregierung, das seit Januar die Finanzierung zusätzlicher Fachkräfte in „pflegesensitiven Bereichen“ durch die Krankenkassen ermöglicht.



Doch wie kommt es, dass das Knappschaftsklinikum Saar so viele neue Leute einstellen kann, obwohl der Arbeitsmarkt quasi leergefegt ist? „Wir haben uns schon früh Gedanken gemacht, wie wir die Arbeitsbedingungen für unsere Pflegekräfte verbessern können. Und das spricht sich herum“, sagt Kinsinger. Dazu gehörten neben einem attraktiven Tarifvertrag verschiedene Entlastungen von „pflegefremden Tätigkeiten“ und eine fortgeschrittene Digitalisierung. „Hier sind wir Vorreiter im Saarland.“ Verschiedene Maßnahmen vom Patiententransportdienst bis hin zur IT-gestützten Materialbeschaffung halten den Pflegekräften den Rücken frei. Und mit zunehmender Personalstärke würden bestimmte Maßnahmen erst richtig greifen, so Kinsinger. Dazu gehört etwa der hauseigene Springer-Pool, der kurzfristige Mitarbeiterausfälle kompensiert. So soll das unbeliebte „Holen aus dem Frei“ vermieden werden. Kurz: Dem KKSaar gelang es, durch attraktivere Arbeitsbedingungen mehr Anziehungskraft für Bewerber zu erzeugen. Das heißt nun aber nicht, dass man anderen Häusern gezielt Mitarbeiter abwerbe, betont Kinsinger. „Wir bekommen auch erfreulich viele Wiedereinsteiger.“ Zum Beispiel junge Eltern, „weil wir besonders familienfreundliche Arbeitsbedingungen bieten“, so Kinsinger. „Hinzu kommt eine besonders umfangreiche Einarbeitung, sogar außerhalb der Station, was besonders aufwändig ist.“

Der Aufwand lohnt sich offenbar. Hannah Gerber hat im April in der Klinik Püttlingen angefangen. Trotz ihrer jahrelangen Auszeit hat sie den Wiedereinstieg gut gemeistert. „Ich habe super Kollegen“, schwärmt sie. „Die helfen mir bei der Einarbeitung, nehmen sich Zeit für mich.“ Ihre Entscheidung, dem Pflegeberuf wieder eine Chance zu geben, findet sie jedenfalls goldrichtig. Auch, weil sich ihr neuer Arbeitgeber im Vorfeld ein paar Gedanken über die Arbeitsbedingungen gemacht hat. „Es fühlt sich super an hier. Ich bin wirklich glücklich!“⇥A.Schmid

 Das Pflegestärkungsgesetz und optimale Bedingungen machen KKSaar so attraktiv für Arbeitnehmer wie Hannah Gerber.
Das Pflegestärkungsgesetz und optimale Bedingungen machen KKSaar so attraktiv für Arbeitnehmer wie Hannah Gerber. FOTO: xxxx / xxx