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Enge Zusammenarbeit
Ein vergiftetes Geschenk an die Kanzlerin

Paris. Macron trennt zwischen Progressiven und Populisten in der EU. Für Merkel dürfte das schwierig werden. Von Christine Longin

Es waren mehr die Bilder als die Worte, die am Freitagabend sprachen. Angela Merkel und Emmanuel Macron zeigten sich zusammen in Marseille, der Einwandererstadt am Mittelmeer. Ihre Erklärung vor dem Palais du Pharo dauerte nur fünf Minuten, doch die Botschaft war klar: Deutschland und Frankreich suchen weiter nach einer gemeinsamen europäischen Flüchtlingspolitik. „Deutschland und Frankreich haben dieselbe Art des Herangehens an die Probleme“, sagte Merkel.

Macron hatte am Donnerstag in Luxemburg mit den Regierungschefs der Benelux-Staaten vereinbart, beim EU-Gipfel am 19. und 20. September in Salzburg konkrete Ideen vorzulegen.

Im Gegensatz zur Kanzlerin ist Macron bereits im Wahlkampfmodus. Das hatte er in Luxemburg deutlich gemacht. Dort trat der 40-Jährige zusammen mit Regierungschef Xavier Bettel bei einer „Bürgerkonsultation“ auf und wurde mit stehenden Ovationen gefeiert. Macron setzte dabei einmal mehr auf eine Konfrontation zwischen „Progressiven“, als deren Anführer er sich sieht, und Populisten. Merkel rechnete er seinem Lager zu: „Da gibt es keine Zweideutigkeit.“



Diese Polarisierung dürfte Merkel allerdings Probleme bereiten, denn der Präsident forderte die konservative Europäische Volkspartei (EVP) auf, ihre Position zu klären. „Man kann nicht gleichzeitig auf Merkels und Orbans Seite sein“, sagte er mit Blick auf den ungarischen Regierungschef. Ein vergiftetes Geschenk an die Kanzlerin, die als CDU-Chefin die EVP zusammenhalten will. Kein Wunder also, dass Unionsfraktionschef Volker Kauder in Berlin kritisierte: „Der französische Präsident fängt ein bisschen früh mit dem Europawahlkampf an. Vielleicht zu früh.“