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Corona-Krise
Macron sammelt in der Krise Punkte – Armee hilft in Grand Est

 76 Prozent der Franzosen vertrauen Präsident Emmanuel Macron in der Krise, besagt eine Umfrage.
76 Prozent der Franzosen vertrauen Präsident Emmanuel Macron in der Krise, besagt eine Umfrage. FOTO: AP / France Televisions
Paris/Straßburg/Mülhausen. Die Mehrheit der Franzosen steht hinter dem harten Anti-Corona-Kurs des Präsidenten. Derweil verschärft sich im Elsass die Lage in den Kliniken. Von Knut Krohn und Hélène Maillasson

Während sich die Corona-Krise in Frankreich weiter zuspitzt, kennt sie auch Gewinner. Zu ihnen zählt zurzeit Emmanuel Macron. 76 Prozent der Franzosen vertrauen ihrem Präsidenten im Kampf gegen die Pandemie, wie eine Umfrage im Auftrag des Senders RTL ergab. Das ist ein Ergebnis, von dem der von zahlreichen Krisen geschüttelte Staatschef bisher nur träumen konnte.

35 Millionen Franzosen verfolgten seine Rede an die Nation am Montagabend – Zuschauerrekord. Dabei verkündete Macron neue, strenge Maßnahmen, um das Ausbreiten der Krankheit im Land weiter einzudämmen. Zudem erklärte er, angesichts der Krise seine umstrittene Rentenreform auszusetzen. In Frankreich sind seit Sonntag alle Restaurants und sehr viele Geschäfte geschlossen. Nun wurde vom Präsidenten eine Ausgangssperre verhängt, die von rund 100 000 Polizisten überwacht wird. Wer dagegen verstößt, muss 135 Euro Strafe zahlen.

Deutlich wird in der Umfrage, dass das Volk hinter den Maßnahmen seines Präsidenten steht. Rund Dreiviertel der Befragten finden sie überzeugend oder sogar sehr überzeugend. Auch die Regierung kann von dem Umfragehoch Macrons profitieren. 63 Prozent der Franzosen äußern ihr Vertrauen, dass die Politiker ihre Arbeit in der Krise gut machen. Auch das ist angesichts der monatelangen, bisweilen brutal geführten Streiks gegen die Rentenreform und die vorherigen Gelbwesten-Proteste in Frankreich ein überraschender Wert.



Auch dem Präsidenten erschienen die harten Anti-Corona-Maßnahmen notwendig, da Frankreich zu den am stärksten vom Virus betroffen Regionen in Europa zählt. Das Land hatte am Mittwochabend rund 9100 Fälle zu verzeichnen, und dazu 264 Tote zu beklagen. Beides starke Anstiege im Vergleich zum Vortag.

Dramatisch ist die Lage vor allem in der Region Grand Est, die auch an das Saarland grenzt. Vor allem im Elsass werden Intensivbetten und Beatmungsgeräte knapp.

Im elsässischen Mülhausen sind die Kapazitäten auf der Intensivstation bereits ausgeschöpft. Schon am Dienstag wurden die ersten neun Corona-Patienten nach Nancy und Straßburg ausgeflogen. Doch das reicht nicht aus. Denn auch in Straßburg werden die Intensivplätze knapp. Rund 60 Patienten müssen laut Krankenhausleitung zurzeit auf der Intensivstation betreut werden. Außerdem wurden rund 100 Mitarbeiter selbst positiv auf das Coronavirus getestet.

Um der angespannten Lage entgegenzuwirken, kommt jetzt Hilfe aus dem Rest der Republik. Zum ersten Mal wurde ein Militärflugzeug eingesetzt, um Kranke innerhalb Frankreichs zu verlegen. Sechs Corona-Patienten aus Mülhausen sollen in den Militärkrankenhäusern in Marseille und Toulon weiter behandelt werden. Weitere Unterstürzung soll in den nächsten Tagen durch ein Feldkrankenhaus der Armee mit 30 Betten erfolgen, das nahe der Mülhausener Klinik errichtet wird. Die Zahl der Betten kann bei bedarf aufgestockt werden.

Die Region Grand Est bleibt die am stärksten betroffene Region in Frankreich. 1820 Menschen waren laut der regionalen Gesundheitsbehörde ARS dort bis Mittwochnachmittag am Coronavirus erkrankt. Im Elsass mit seinen zwei Départements Haut-Rhin und Bas-Rhin sind es 1076 positive Fälle. In direkter Saarland-Nähe, im Département Moselle, sind 295 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Bisher starben in der gesamten Region Grand Est 61 Menschen an den Folgen der Krankheit, zehn davon seit Dienstag. „Diese Entwicklung zeigt, dass sich die Situation zuspitzt. Es ist mehr als notwendig, so wenig wie möglich rauszugehen und sich strengstens an die Hygiene-Vorschriften zu halten“, warnte die Behörde.