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Südwestpfalz
„Macht man das so unter Kollegen?“

Der Angeklagte hatte mehrfach Amphetamin gekauft, um es weiterzuveräußern.
Der Angeklagte hatte mehrfach Amphetamin gekauft, um es weiterzuveräußern. FOTO: Polizei
Südwestpfalz. Man hatte in der Firma mit Kollegen Amphetamin genommen: Bewährungsstrafe wegen Drogenhandels.

Zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und acht Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung, wurde vom Schöffengericht Pirmasens ein 25-jähriger Mann aus dem Landkreis Südwestpfalz wegen unerlaubten Drogenhandels verurteilt. Der bislang unbescholtene Mann gestand während der Verhandlung, dass er zwischen 2016 und 2017 in zwei Ortsgemeinden im Landkreis in drei Fällen jeweils 250 Gramm Amphetamin verkauft hat.

Außerdem muss der Angeklagte an ambulanten Drogenberatungsgesprächen teilnehmen und zum Nachweis der Drogenabstinenz vier Urinkontrollen auf seine Kosten abgeben. Auch erhielt er eine Geldauflage von 700 Euro, und das Geld aus dem Drogenverkauf – laut Urteil 7 500 Euro – wird bei ihm eingezogen.

Laut der Anklageschrift kaufte der 25-Jährige bei einem bereits zu einer Haftstrafe verurteilten Mann aus dem Landkreis mehrfach Amphetamin zum Grammpreis von fünf Euro, um es gewinnbringend weiter zu veräußern. Außerdem soll er bei dem Mann noch 100 Ecstasy-Pillen zum Preis von 600 Euro gekauft haben, um diese ebenfalls weiterzuverkaufen. Zudem hatte er laut der Anklage im Gegenzug seinem Geschäftspartner noch 125 Gramm Marihuana verkauft.



Der Auszubildende ließ sich zunächst nur zu seiner Person ein. Er habe eine Maurerlehre wegen des Konkurses der Firma abbrechen müssen, nun gehe er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann an. Nach der Aussage des ersten Zeugen, des aktuell inhaftierten 30-jährigen Elektrikers, mit dem der Angeklagte Drogengeschäfte abgewickelt hat, änderte er sein Aussageverhalten allerdings.

Der Zeuge hatte nämlich bestätigt, dass der Angeklagte bei ihm die Käufe und den Verkauf, wie in der Anklageschrift formuliert, getätigt hat. Beide kennen sich schon länger, so der Zeuge, vor zwei Jahren sei der Kontakt auch aufgrund einer gemeinsamen Arbeitsstelle bei einer Firma im Landkreis stärker geworden. Zusammen haben sie auf der Firmentoilette Amphetamin konsumiert, so der mit Handschellen in den Gerichtssaal geführte Mann. „Macht man das so unter Kollegen auf der Arbeit?“, fragte Richterin Kathrin Schmitt den Zeugen, der salopp zustimmte und meinte, dass dies über Wochen so praktiziert worden sei. Auf diverse Widersprüche in den Aussagen bei der Polizei und vor Gericht angesprochen, gab sich der Zeuge kleinlaut. Er könne sich nicht mehr an alles erinnern, es sei ja schon so lange her.

Nach der Zeugenaussage ließ sich auch der Angeklagte zur Sache ein. Obwohl er kurz vorher noch ausgesagt hatte, dass er zuletzt vor Jahren lediglich Drogen wie Marihuana geraucht hatte, gab er nun zu, dass der Vorwurf der Amphetaminverkäufe stimme, Ecstasy und Marihuana habe er jedoch nicht gekauft. Er habe eine schwierige Trennung mit seiner Lebensgefährtin hinter sich gehabt und sei irgendwie zum Amphetamin gekommen, zeitweise dann auch mehrere Gramm pro Tag konsumiert. Mit dem Amphetamin sei er allerdings erst richtig in Kontakt gekommen, als er mit seinem alten Bekannten in Maßweiler arbeitete.

Nach dem Geständnis beschloss das Gericht, die Anklagepunkte des Ecstasy- und Marihuanakaufs einzustellen. Die Staatsanwaltschaft plädierte auf eine Haftstrafe von zwei Jahren, diese könne aber aufgrund der günstigen Sozialprognose zur Bewährung ausgesetzt werden. Für die Verteidigung war das Geständnis von besonderem Wert, durch sein Aussageverhalten habe der Mann die Verhandlung erheblich verkürzt und vereinfacht. Sonst stimmte der Verteidiger, der eine mildere Strafe als schuld- und tatangemessen sah, dem Vertreter der Staatsanwaltschaft zu.