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Ausstellung
Schüler zu Besuch beim „Stadterklärer“

Lothar Bender erläutert Schülern des Saarpfalz-Gymnasiums und Stadtarchivarin Karina Kloos (rechts) seine Ausstellung „Schönes altes Homburg: ehemalige Homburger Gaststätten, Hotels, Cafés, Weinstuben“.
Lothar Bender erläutert Schülern des Saarpfalz-Gymnasiums und Stadtarchivarin Karina Kloos (rechts) seine Ausstellung „Schönes altes Homburg: ehemalige Homburger Gaststätten, Hotels, Cafés, Weinstuben“. FOTO: Eberhard Jung
Homburg. Lothar Bender gab Schülern des Saarpfalz-Gymnasiums Einblicke in die Homburger Geschichte.

An einem schulfreien Tag mit einem Lehrer freiwillig eine Ausstellung zu besuchen, ist für heutige Schüler keine Selbstverständlichkeit. Zahlreiche Jugendliche aus dem Saarpfalz-Gymnasium ließen sich dennoch darauf ein. Lehrer Eberhard Jung hatte ihnen interessante Einblicke in die Homburger Stadtgeschichte versprochen und viel Diskussionsstoff beim „Dialog der Generationen“.

Lothar Bender (Jahrgang 1943), ein Homburger in der sechsten Generation, der sich selbst als „Stadterklärer“ bezeichnet, erwartete sie im Siebenpfeifferhaus in der Ausstellung „Schönes altes Homburg: ehemalige Homburger Gaststätten, Hotels, Cafés, Weinstuben“.

Mit dabei waren die Stadtarchivarin Karina Kloos und der Zeitzeuge Gero Knott (ebenfalls Jahrgang 1943) aus Homburg. Lothar Bender gestaltete den Einstieg in die vielfältige Homburger Gastronomie mit Fotos des „Hotels zur Pfalz“ von Ernst Dümmler. Es wurde 1962 abgerissen und befand sich in der Eisenbahnstraße 10. Im Hotel Dümmler übernachteten im 19. Jahrhundert prominente Gäste wie der französische Schriftsteller Victor Hugo . Letzter Besitzer war die Familie Knott, die darin ein Speiselokal führte. Es ist heute nur noch den ältesten Homburgern bekannt. Eine „Goldgrube“ sei die Industrieschänke in der Entenmühlenstraße gewesen. Hier habe es nicht – wie sonst in Homburg üblich – Karlsberg-Bier, sondern das St. Ingberter Becker-Bier gegeben. Die Abkürzung IGB habe man scherzhaft umgedeutet als „immer gutes Bier“.



Einige Lokale erlangten sogar eine historische Bedeutung, so zum Beispiel „Zum Bismarck“ am Marktplatz, wo sich Anfang August 1870, zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges, das preußische Hauptquartier und die Wohnung des preußischen Ministerpräsidenten und späteren Reichskanzlers Otto von Bismarck befand.

In der ehemaligen „Gastwirtschaft Cappel“ (heute Geschäftsstelle der Saarbrücker Zeitung) fand am 8. Januar 1832, ein Vierteljahr vor dem Hambacher Fest, ein Festmahl von Homburger Bürgern zu Ehren des Freiheitskämpfers Dr. Johann Georg August Wirth statt.

Im „Storchen“ traf man hauptsächlich Einheimische an, kaum Fremde. Seit vielen Jahren warten Geschichtsinteressierte darauf, dass in diesem ehemaligen Traditionslokal endlich das von Homburger Politikern in Aussicht gestellte Museum für die Freiheitsbewegung um Siebenpfeiffer und Wirth eingerichtet wird.

Für Schmunzeln sorgte der Hinweis auf den „Affenwirt“ des „Kurhauses“ auf dem Schlossberg. Er erhielt seinen Spitznamen wegen des Affen in seinem kleinen Zoo, den er sich im Wald angelegt hatte. An Stelle des Kurhauses steht heute das Schlossberg-Hotel.

Spannend war auch die Geschichte mancher Straßenbezeichnungen. Auf Unverständnis vor allem der AG Geschichte stieß die Abschaffung der „Stresemannstraße“ zu Gunsten der „Lagerstraße“ (vorher „Lagerweg“). Immerhin war Stresemann ein verdienstvoller Reichskanzler und Außenminister der Weimarer Republik. Dass die ehemalige Bahnhofstraße im Dritten Reich Adolf-Hitler-Straße hieß und heute die Eisenbahnstraße ist, war den meisten bereits bekannt. Das Gebiet der heutigen Talstraße sei einst eine Sumpflandschaft gewesen und stehe heute auf Betonpfeilern. Die Kanalstraße habe die Wasserzufuhr zur Festung gesichert, und die Straße „Am Mühlgraben“ belege, dass es in Homburg eine Stadtmühle gab (in der Nähe der heutigen Jugendherberge). Auch die „Entenmühle“, die „Walzenmühle“ und die „Beeder Mühle“ erinnern an die Mühlentradition.

Gero Knott berichtete von den letzten Kriegstagen in Homburg, , über seinen Onkel Ludwig als Gastwirt im „Schwanen“, die Flucht der Familie nach Heppenheim (Bergstraße) 1945 und die unruhigen Jahre der Nachkriegszeit mit Schmuggel, Not und Entbehrungen. Im „Schwanen“ sei 1954 der erste Homburger Fernsehapparat aufgestellt worden, ein kleines Gerät, vor dem sich 200 begeisterte Zuschauer eingefunden hätten. Werner Kohlmeyer, einer der „Helden von Bern“, habe 1957 bis 1959 für den FC 08 Homburg gespielt.

Bender hat sich auch eine Liste von jüdischen Ausdrücken angelegt, die fast verloren gegangen sind, und verwies wie Knott darauf, dass die Juden in Homburg vor den antisemitischen Ausschreitungen in der Nazi-Diktatur eigentlich gut integriert waren. Nach Ansicht der AG Geschichte des Saarpfalz-Gymnasiums ist ein Denkmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft längst überfällig, es sollte aber nicht nur an die Verfolgung der Juden erinnern, sondern auch an die vielen anderen Bevölkerungsgruppen: Euthanasie-Opfer, Kritiker, Zwangsarbeiter usw.

Stadtarchivarin Karina Kloos fasste zusammen, dass es in früheren Jahrzehnten, als „die Kerb“ auch noch zünftig gefeiert wurde, in der „Bierstadt“ Homburg eine Vielzahl von Kneipen gab, die besser besucht waren als heutzutage. Sie seien Treffpunkt zum Austausch von Neuigkeiten gewesen, „denn schließlich wird Kulturgut auch mündlich weitergegeben.“

Am 24. September eröffnet Lothar Bender eine weitere Ausstellung über das alte Homburg im Saarpfalz-Gymnasium.

Zeitzeuge Gero Knott mit seiner Nichte Nadine vor Fotografien des Traditionshotels Dümmler Foto: Eberhard Jung
Zeitzeuge Gero Knott mit seiner Nichte Nadine vor Fotografien des Traditionshotels Dümmler Foto: Eberhard Jung FOTO: Eberhard Jung