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Atomwaffen
Länder vereinbaren Wege zur Rettung des Atomdeals

Heiko Maas (SPD) auf dem Weg zum Außenminister-Treffen der Kommission zur Umsetzung des Iran-Atomabkommens. Er will verhindern, dass sich europäische Unternehmen aus dem Iran zurückziehen.
Heiko Maas (SPD) auf dem Weg zum Außenminister-Treffen der Kommission zur Umsetzung des Iran-Atomabkommens. Er will verhindern, dass sich europäische Unternehmen aus dem Iran zurückziehen. FOTO: dpa / Hans Punz
Wien. Der Iran setzt eine Frist. Außenminister Maas betont erneut die Wichtigkeit des Abkommens für die europäische Sicherheit.

Die verbliebenen Länder im Atomabkommen mit dem Iran haben erste Weichen gestellt, um auch nach dem Ausstieg der USA an dem Deal festhalten zu können. Bei einem Treffen in Wien verständigten sich Außenminister und Diplomaten aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Russland, China und dem Iran am Freitag auf zahlreiche wirtschaftliche Maßnahmen, um Teheran weiterhin von dem Abkommen zu überzeugen. Dazu gehören unter anderem ein funktionierender Zahlungsverkehr sowie der Export von Öl und Gas, wie aus einer Abschlusserklärung hervorgeht.

Die iranische Seite äußerte sich nach der Gesprächsrunde optimistisch und bezeichnete das Treffen als einen „Schritt vorwärts“. Nun müsste aber auch eine schnelle Umsetzung bis zum 6. August folgen – denn dann treten die ersten US-Sanktionen gegen den Iran in Kraft.

Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China hatten 2015 gemeinsam mit den USA und dem Iran das Atomabkommen ausgehandelt. Die Vereinbarung sieht vor, dass der Iran sein Atomprogramm massiv zurückfährt und streng überwachen lässt. So soll die Islamische Republik am Bau einer Atomwaffe gehindert werden. Im Gegenzug wurde Teheran der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen versprochen. Seit US-Präsident Donald Trump Anfang Mai aus der Vereinbarung ausgestiegen ist und neue Sanktionen gegen den Iran angekündigt hat, steht der Atomdeal aber auf der Kippe.



Der Iran hatte zuletzt betont, dass er nur dann an dem Abkommen festhalten will, wenn er wirtschaftlich davon profitiert. Irans Präsident Hassan Ruhani hatte am Donnerstag die bereits vor dem Treffen in Wien bekannt gewordenen Vorschläge der drei EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien als „enttäuschend“ kritisiert. In iranischen Delegationskreisen hieß es nach der Zusammenkunft am Freitag, dass eigene Experten bis Montag in Wien die Details des Angebots der drei europäischen Länder überprüfen wollen. Eine Entscheidung solle dann aber erst in Teheran getroffen werden. Für Ruhani und seine Regierung ist ein gutes Verhandlungsergebnis zwingend notwendig, um die Lage im eigenen Land zu beruhigen. Das Atomabkommen war ein großer Erfolg für die Ruhani-Regierung – ein Ende der Vereinbarung dürfte nach Ansicht von Beobachtern in Teheran das Ende seiner Präsidentschaft bedeuten. Vor allem wirtschaftlich steckt der Iran gerade in einer tiefen Krise.

„Wir wollen dem Iran heute deutlich machen, dass er nach wie vor wirtschaftliche Vorteile durch dieses Abkommen hat“, sagte Deutschlands Außenminister Heiko Maas (SPD) am Freitag vor dem Treffen. Eine Zukunft des Abkommens sei wichtig für die europäische Sicherheit, erklärte Maas. Er erklärte, dass mit der Anti-Blocking-Verordnung zum Schutz europäischer Unternehmen, die im Iran tätig sind, und der Ausweitung des Mandats für die europäische Investitionsbank bereits erste Schritte umgesetzt wurden. Mit den beiden Maßnahmen soll verhindert werden, dass sich europäische Unternehmen aus dem Iran zurückziehen.