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Fußball-Bundesliga
Kovacs Wechsel erzürnt die Eintracht

Sie sind Kumpels und arbeiten ab der kommenden Saison zusammen beim FC Bayern: Sportdirektor Hasan Salihamidzic (links) und Trainer Niko Kovac, der noch bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag steht.
Sie sind Kumpels und arbeiten ab der kommenden Saison zusammen beim FC Bayern: Sportdirektor Hasan Salihamidzic (links) und Trainer Niko Kovac, der noch bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag steht. FOTO: Uwe Anspach / dpa
München. Der Kroate unterschreibt beim FC Bayern einen Dreijahresvertrag. Noch-Trainer Jupp Heynckes lobt die Wahl.

Niko Kovac saß im dunkelgrauen T-Shirt vor der aufgeregten Journalistenschar im Presseraum von Eintracht Frankfurt und sprach betont nüchtern über die Ereignisse seines turbulenten Donnerstags. „Der Tag fing normal an, aber dann kam eine Dynamik rein, die ich in dieser Form selbst noch nicht erlebt habe“, berichtete der künftige Trainer von Bayern München: „Es gibt Sachen, die passieren wirklich sehr schnell im Leben.“

Glaubt man den Schilderungen des 46-Jährigen, dann ging sein kompletter Wechsel zum deutschen Rekordmeister innerhalb weniger Stunden über die Bühne. „Ich habe einen Anruf aus München bekommen, mit Vertragsangebot. Dieses habe ich gestern auch angenommen“, sagte Kovac. Er habe sich daraufhin mit Eintrachts Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner getroffen und sie über den Entschluss in Kenntnis gesetzt.

Zu den Medien war Kovacs Wechsel bereits am Donnerstagabend durchgesickert. Auch über seine Ausstiegsklausel, die den Transfer überhaupt erst ermöglichte und bei 2,2 Millionen liegt, wurde da bereits berichtet. „Eine Möglichkeit in München zu arbeiten, die bekommen nicht viele Spieler, nicht viele Trainer“, sagte der Kroate, der einen Vertrag bis 2021 erhält.



Vor allem Bobic kritisierte die Münchner derweil scharf. „Dass Informationen innerhalb kürzester Zeit nach außen geflossen sind – und das sicherlich nicht aus Frankfurt – ist sehr ärgerlich, unprofessionell und respektlos“, sagte der 46-Jährige und beklagte, dass von Seiten der Münchner zuvor „keine Kontaktaufnahme“ stattgefunden habe: „Aber das sind eben die Bayern, die haben ihr Ding gemacht und an sich gedacht.“

Kovac folgt in München auf Pep Guardiola, Carlo Ancelotti und Jupp Heynckes, die gemeinhin als Meister ihres Fachs gelten. Alleine sieben Mal haben sie mit ihren Mannschaften die Königsklasse gewonnen. Und nun soll Kovac die Münchner Träume erfüllen. Der frühere Profi besitzt zwar das berühmte Bayern-Gen, ein gewisses Risiko geht der Rekordmeister mit der Verpflichtung des international kaum erfahrenen Kroaten als Nachfolger von Heynckes aber dennoch ein.

Über die bei den Münchnern gewünschte und erforderliche Erfahrung im Big-Business Champions League verfügt Kovac nämlich nicht. Lediglich als Nationaltrainer Kroatiens von 2013 bis 2015 schnupperte er internationale Luft. Die Erfolge hielten sich aber in Grenzen. Bei der WM 2014 war er mit seinem Team um Luka Modric in der Vorrunde gescheitert, in der anschließenden EM-Qualifikation wurde er nach einem 0:0 in Aserbaidschan und einem 0:2 in Norwegen entlassen.

Doch Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic sieht darin kein Problem. „Er arbeitet modern, innovativ und passt sich unseren Strukturen an. Er ist der perfekte Trainer für uns und genau das, was wir brauchen“, sagte Salihamidzic. Kovac kenne den Club, „die DNA des FC Bayern ganz genau“.

Die Entscheidung ist im Vorstand nach den Absagen der Wunschlösung Heynckes, der sich ab Juni endgültig in den Ruhestand verabschiedet, und von Thomas Tuchel (zu Paris St. Germain) „einstimmig“ gefallen, bestätigte der Sportdirektor, der überzeugt ist, dass Kovac auch die Arbeit von Heynckes „vertrauensvoll und erfolgreich“ weiterführen wird. Das glaubt auch Heynckes selbst: „Er arbeitet in Frankfurt mit sehr vielen unterschiedlichen Spielertypen mit unterschiedlichen Nationalitäten. Das macht er exzellent. Deswegen ist er prädestiniert, den FC Bayern zu trainieren.“