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Die Anzeichen verdichten sich
V&B hat die große Übernahme im Blick

 Markus Warncke (Vorstand Finanzen, l.) und Vorstandschef Frank Göring präsentierten am Donnerstag in Frankfurt die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2019 von Villeroy & Boch.
Markus Warncke (Vorstand Finanzen, l.) und Vorstandschef Frank Göring präsentierten am Donnerstag in Frankfurt die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2019 von Villeroy & Boch. FOTO: Villeroy & Boch
Frankfurt. Bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz unterstrich der Keramikhersteller Villeroy & Boch die Pläne zum Kauf des Konkurrenten Ideal Standard. Von Volker Meyer zu Tittingdorf

Villeroy & Boch (V&B) ist mit den Plänen für den möglichen Kauf des Mitbewerbers Ideal Standard weiter, als es zunächst den Anschein hatte. Der Mettlacher Keramikkonzern befinde sich in einer „frühen Phase“, hieß es vor gut zwei Wochen in einer Mitteilung. „So richtig früh sind wir nicht, mehr in der Mitte“, sagte Vorstandschef Frank Göring am Donnerstag in Frankfurt anlässlich der Präsentation der Bilanz des vergangenen Jahres. „Wir sind in einer intensiven Prüfung“, sagte er. Die Übernahme wäre die größte in der Geschichte von V&B. Beim Umsatz liegen beide Unternehmen nicht weit auseinander: V&B erlöste im vergangenen Jahr rund 833 Millionen Euro, Ideal Standard rund 730 Millionen Euro.

Göring machte keinen Hehl daraus, dass er viel von dem Projekt hält, den Badkeramik- und Armaturenhersteller Ideal Standard zu übernehmen. „Ich habe das Gefühl, dass wir für das Unternehmen eine schöne neue Heimat wären.“ Torsten Türling, der Chef von Ideal Standard, hatte kürzlich in einem Interview mit der Zeitung Welt den möglichen Zusammenschluss als „charmante Kombination“ bezeichnet. Noch sei die Sache aber nicht durch. Preisverhandlungen habe es bisher nicht gegeben, so Göring. Kein Wort sagte er dazu, wie viel V&B für Ideal Standard in etwa auf den Tisch legen müsste.

Göring verspricht sich von dem Kauf einen Schub für V&B. „Das Wesentliche ist, dass Ideal Standard ein großes interessantes Armaturengeschäft hat, das uns im Portfolio fehlt.“ Außerdem würden sich die Märkte ergänzen. So sei Ideal Standard zum Beispiel in Großbritannien stark vertreten, wo V&B kaum präsent sei. Auch bewegen sich die Mettlacher laut Göring eher im gehobenen Segment und Ideal Standard vor allem im Massenmarkt. Eine große Herausforderung sieht Göring darin, die Unternehmenskulturen zusammenzubringen, falls es zu einer Übernahme kommt. Hier V&B mit seiner Verankerung im Saarland und seiner Prägung durch die Familiengesellschafter, dort Ideal Standard, in dem Finanzinvestoren den Ton angeben. Seit 2018 gehört das Unternehmen zu einem Konsortium um die Luxemburger Beteiligungsgesellschaft CVC Credit Partners.



Eine Übernahme hätte auch Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Werke, räumte Göring ein. Ideal Standard hat sein größtes deutsches Werk nicht weit von Mettlach in der Eifelstadt Wittlich. Zu einem möglichen Personalabbau äußerte er sich nicht. Die Arbeitsplätze im Saarland seien sicher, eine Garantie wollte der Vorstandschef aber nicht geben. „Mettlach bleibt unser Head­quarter“, also die Konzernzentrale, versicherte er. Nach einem Kauf müssten möglicherweise Zentralfunktionen in Mettlach gestärkt werden. Neue Jobs könnten also entstehen. Zurzeit hat V&B im Saarland nach eigenen Angaben rund 2000 Vollzeitbeschäftigte – 0,7 Prozent mehr als 2018. Bundesweit sind es etwa 2560, weltweit 7350.

Entschieden bestreitet Göring, dass es wegen der möglichen Übernahme Zwist unter den Familiengesellschaftern gebe. Das Manager Magazin hatte im Januar über einen „Zoff im Porzellanladen“ berichtet und einen Generationenkonflikt beschrieben – zwischen den Jüngeren, die den Kauf skeptisch sähen, und den Älteren, die ihn unterstützten. Göring sprach von einer intensiven und auch notwendigen Diskussion in der Familie, die alle stimmrechtsfähigen Stammaktien hält. Schließlich gehe es um viel Geld. Und im Aufsichtsrat, in dem die Position der Familiengesellschafter gebündelt ist, „ist Konsens, dass das Projekt weiter betrieben wird“, sagte Göring. Auch bestätigte er nicht, dass die beiden Rücktritte aus dem Aufsichtsrat mit Streitigkeiten wegen der Übernahmepläne zu tun hätten. Es seien unterschiedliche persönliche Gründe gewesen, versicherte der Vorstandschef. Aufsichtsratschef Yves Elsen hatte Ende vergangenen Jahres plötzlich das Handtuch geworfen, und kurz darauf hatte die Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Annette Köhler, ihren Rückzug aus dem Kontrollgremium für Ende Februar angekündigt.

Gegenwind zu den Übernahmeplänen war in den vergangenen Tagen aus dem Lager der Vorzugsaktionäre gekommen, die keine Stimmrechte haben. Christian Kappelhoff-Wulff, der die Lakestreet Capital Partners AG aus Zug in der Schweiz vertritt, warnte im Handelsblatt mit drastischen Worten: „Die Villeroy & Boch AG wäre gut beraten, diesen Griff ins Klo zu vermeiden.“ Er monierte schwache Zahlen bei Ideal Standard. Stattdessen forderte er von V&B eine Sonderdividende aus den zusätzlichen Einnahmen durch einen Immobilienverkauf in Luxemburg. In der Tat erzielte V&B dadurch einen hohen Sonderertrag – 87,7 Millionen Euro, wie aus den Bilanzzahlen hervorgeht. Göring wertet die Warnung als „Stimmungsmache“ und stellt sich gegen eine Sonderdividende. Die Dividende soll bei 60 Cent pro Aktie für Vorzugsaktionäre und 55 Cent für Stammaktionäre bleiben. Der V&B-Chef bestreitet auch, dass Ideal Standard schlecht dastehe. Das Unternehmen habe harte Jahre hinter sich, sei aber in der Restrukturierung vorangekommen.

Göring nannte aber auch klare Bedingungen für eine Übernahme: „Es muss ein profitables Unternehmen sein. Sonst kaufen wir nicht.“ Und dafür reiche ein Minigewinn in der Bilanz nicht aus. Ideal-Standard-Chef Türling hatte gegenüber der Welt von einem operativen Gewinn von 85 Millionen Euro im vergangenen Jahr gesprochen – deutlich mehr als die 51 Millionen Euro, die V&B erzielte.