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Sinfonieorchester Homburg
Werke voller Präzision und Lebendigkeit

Das Homburger Sinfonie-Orchester und der Chor Encore erfreuten die Besucher mit einem in vielerlei Hinsicht begeisternden Konzert.
Das Homburger Sinfonie-Orchester und der Chor Encore erfreuten die Besucher mit einem in vielerlei Hinsicht begeisternden Konzert. FOTO: Thorsten Wolf
Erbach. Das Homburger Sinfonie-Orchester und der Chor Encore begeisterten in Erbach mit Brahms Requiem. Von Thorsten Wolf

Es gibt Monumente der klassischen Musik: Populäre Werke wie Dvoraks neunte Sinfonie „Aus der neuen Welt“ und Smetanas „Moldau“, religiös begründete Kompositionen wie Bachs h-Moll-Messe und Händels „Messiah“. Und es gibt Kompositionen wie „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms, das, gleichwohl basierend auf Texten der Luther-Bibel, eine religiöse Fassung hat – aber nicht im eigentlichen Sinne Kirchenmusik ist. Tatsächlich ist Brahms Werk nicht mal wirklich ein Requiem, wendet es sich doch nicht im katholischen Sinne den Toten zu, sondern den Lebenden. Damit entzieht sich „Ein deutsches Requiem“ zu einem guten Teil den üblichen Klassifizierungen, trotzdem oder gerade deswegen ist das Werk eine der unübersehbaren Wegmarken der Klassik und war zu Lebzeiten der Durchbruch für den jungen Johannes Brahms.

Am Sonntag nun bot die Komposition für Orchester, Chor, Solo-Sopran und Solo-Bariton in mehrfacher Hinsicht den Rahmen für ein wirklich beeindruckendes Konzerterlebnis in der Erbacher Kirche Maria vom Frieden, verwirklicht vom Homburger Sinfonie-Orchester unter der Leitung von Jonathan Kaell, dem Chor Encore unter der Konduktion von Matthias Rajczyk, Elisatbeth Wiles (Sopran) und Peter Schöne (Bariton). Denn: Zum einen war es im zweiten Teil des Abend das titelgebende Hauptwerk, zum anderen waren zentrale Textpassagen des Requiems Grundlage für den nunmehr fünften Kompositionswettbewerb der Stadt Homburg.

Und so standen die drei Siegerbeiträge im Mittelpunkt des ersten Teils des Abends. Und was Johannes X. Schachtner (Deutschland, leider an diesem Abend verhindert), Pierre Agut (Frankreich) und Renats Cveckovskis (Lettland) als Siegerwerke eingreicht hatten, das konnte sich am Sonntag nicht nur hören lassen – es begeisterte schlicht vom ersten Ton an. Da passte einfach alles. Orchester und Chor harmonisierten im Gerüst der sehr anspruchsvollen Kompositionen und bewältigten die sehr abwechslungreichen Umsetzungen des „Psalms 39“ in einer Präzision und Lebendigkeit, die das gesamt Kirchenschiff zum Schwingen brachte und den Gästen nach Ende eines jeden Stückes laustarken Applaus und mitunter auch Jubel entlockte. Schachtner, Cveckovskis und Agut spannten in ihren Kompositionen dabei den Bogen von der modernen Klassik bis hin zu traditionellen Konstrukten. Besonders spannend: Die jeweils gewählte Verbindung von Chor und Orchester, auch hier versehen mit vielen und ganz unterschiedlichen Spielarten. Bevor Schachtners „Psalmodia – Canonische Meditation Nr. 3 für Chor und Orchester“ den wunderbaren Abend in der Kirche eröffnete, wandte sich Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind an die Konzert-Besucher im voll besetzten Kirchenschiff. Dabei nannte er das Homburger Sinfonie-Orchester die „Perle der Kultur in unserer Stadt“. Danach eben Schachtners Werk. Das begann mit einem kraftvollen Choreinsatz und entwickelte von da an eine mitreißende Dynamik und Dramatik – im Wechsel zwischen Stille und Aufbrausen. Gerade dem Chor kam dabei die Funktion zu, den meditativen Charakter des Werks auszuformen, auch mit gesprochenem Wort.



Dieses Stilelement wählte auch Renāts Cveckovskis als Facette seines „Orationis Meae – Mein Gebet“. Und was da durch das Kirchenschiff von Maria vom Frieden hallte, das war opulent, getragen, auf anspruchsvolle Art eingängig – ein Ton gewordener Dialog zwischen dem Irdischen und dem Göttlichen, wahrlich ein Gebet. Und wie schon zuvor beim Schachtners Komposition gelang es Chor und Orchster, die Botschaft jeneits der Wahrheit der Notenblätter in die Welt zu tragen. Und die wurde an diesem Abend dann auch noch um einiges reicher. Nach Ende des Werkes bedankte ein sichtlich berührter Renats Cveckovskis persönlich bei Jonathan Kaell, den Musikern und den Sängern für diesen grandiosen Moment.

Als dritter Beitrag des Abends stand dann Pierre Aguts „Ein deutscher Psalm“ auf dem Programm. Seine Lesart des Pslam 39 fügte dem Konzert eine weitere Farbe hinzu. Ruhiger im Ansatz, trotzdem kraftvoll wusste auch diese Komposition zu begeistern. Und wie schon zuvor Renats Cveckovskis ließ es sich auch Aguts nicht nehmen, Chor, Orchster und Dirigent direkt an der Bühne zu danken.

Vor der Pause gab es für diese außerordentlichen Momente dann auch den verdienten Lohn, hier dann namentlich aus den Händen des Kulturbeigeordneter Raimund Konrad den Kompositions-Preis der Stadt für die drei mehr als verdienten Sieger.