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Legalisierung von Cannabis
Wer sich unbedingt schaden will, soll das bitte schön tun

 Kommentarkopf Fatima Abbas
Kommentarkopf Fatima Abbas FOTO: SZ / Robby Lorenz
Ein historisches Lehrstück, auch über die Wirkung rigoroser Verbote. Wenn solche nämlich auf Güter abzielen, die sich hoher Nachfrage erfreuen, sind sie zum Scheitern verurteilt. Von Fatima Abbas

Auch wenn sich die Lehren aus der Prohibition nicht eins zu eins auf die heutige Debatte über die Legalisierung von Cannabis übertragen lassen: Sie helfen bei der Analyse.

Was Alkohol und Hanf hierzulande unterscheidet, ist die Nachfrage. Studien zufolge gibt es unter den Jugendlichen in Deutschland zwar immer mehr Kiffer. Alkohol ist und bleibt aber die Droge Nummer eins. Cannabis wird in der Breite deutlich weniger konsumiert. Ob das so ist, weil Bier, Wein und Co erlaubt sind, und ob es anders wäre, wenn Hanf legal wäre, lässt sich aktuell nicht ermitteln. Angesichts der Faktenlage lässt sich jedoch mit Fug und Recht die Frage stellen, warum Alkohol, der mindestens genauso schädlich ist, frei erhältlich ist, während Hanf im Nebel von Hinterzimmern verschwinden soll. Der potenzielle Schaden ist kein glaubwürdiges Argument gegen Legalisierung. Und um Kommentarhysterie vorzubeugen: Legalisierung zu erwägen, heißt nicht, ein Loblied auf Drogen zu singen. Und dass bestimmte Personengruppen besonders zu schützen sind, versteht sich ebenfalls von selbst. Wenn man aber den mündigen Bürger als solchen ernstnimmt, sollte jeder selbst entscheiden dürfen, ob er sich schadet oder nicht. Der Fall Kanada zeigt bislang zweierlei: Den Schwarzmarkt wird man auch durch Legalisierung nicht los. Und: Die Kanadier sind trotz erlaubter Verfügbarkeit nicht allesamt zu Extremkiffern geworden.