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Kommentar
Es ist jede Menge Heuchelei im Spiel

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Verhängung von Sanktionen gegen den Bau von Nord Stream 2 durch US-Präsident Donald Trump war absehbar. Die Reaktionen in Deutschland kamen daher am Wochenende prompt. Von Friedemann Diederichs

Doch ist in der Debatte eine gehörige Portion Heuchelei im Spiel. Fangen wir mit den USA an: Die Strafmaßnahmen werden unter der Unterschrift verkauft, man betreibe einen fürsorglichen Akt „zum Schutz von Europas Energiesicherheit“. Angesichts Trumps „America first“-Devise lässt sich aber leicht schlussfolgern: Das Weiße Haus will sich Optionen für den Verkauf von Erdgas an den europäischen Markt offen halten.

Und Deutschland: Dass jetzt vor allem Vertreter der das Sterbebett umkreisenden SPD gegen die Sanktionen wetterten, dürfte vor allem am Schröder-Faktor liegen. Innerhalb der Partei gilt es immer noch als Pflicht, dem Altkanzler und inoffiziellen Chefdiplomaten Moskaus, Beistand zu leisten. Obwohl er seit langem seine Seele gewinnbringend an Wladimir Putin und dessen Verbrecher-Regime verkauft hat. Dass die CDU und Bundeskanzlerin Angela Merkel wohl mit Blick auf den Koalitionsfrieden dieses üble Spiel akzeptierten und ein Projekt verteidigen, das fast in der gesamten EU auf Widerstand stößt, ist ein Skandal. Man muss dem sonst zu jeder Menge Kritik Anlass bietenden Trump fast schon dankbar sein, jetzt erneut den Finger in diese Wunde gelegt zu haben.