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Kommentar
Zu kurz gedacht

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Und ist er nicht willig – dann muss der Bürger eben über den Geldbeutel zur Räson gebracht werden. Das ist in der Politik derzeit guter Brauch, die Idee von Steuererhöhungen strapaziert die grauen Zellen weniger als ein durchdachtes Konzept. Von Iris Neu-Michalik

Das gilt auch für den Vorschlag einer Mehrwertsteuererhöhung auf Fleisch zur Klimaverbesserung. Denn ob dieser Obolus den Fleischkonsum tatsächlich dämmen und wie vorgesehen zum Klima- und Tierschutz beitragen würde, ist fraglich. Es fängt damit an, dass die Steuer-Mehreinnahmen nicht unmittelbar der Optimierung des Tierwohls gewidmet werden können – eine Zweckbindung von Steuern ist nämlich nicht möglich. Zudem ist nicht gesagt, dass Fleisch durch eine Steuererhöhung auch hochpreisiger verkauft wird. Möglich ist auch, dass Massentierhalter, die gutes Geld verdienen wollen, die Fleischpreise senken – auf Kosten der Qualität. Die gesundheitlichen Nachteile tragen dann vor allem Menschen in sozial benachteiligten Kreisen – dort, wo gesunde Ernährung ohnehin ein Problem darstellt. Eine effiziente Strategie aber muss gesunde Ernährung, Tier- und Klimaschutz eng verzahnen. Etwa durch stringentere Aufklärung über Nahrungsmittel und Konsum einerseits und durch nachhaltige Konzepte und Hilfen zur Verbesserung der Tierhaltung andererseits.