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kleine bühne
Die „kleine bühne“ spielt „Die Perser“

Eine Szene aus „Ein Mond für die Beladenen“ mit Ursula Ochs-Steinfeld und Günther Jolly.
Eine Szene aus „Ein Mond für die Beladenen“ mit Ursula Ochs-Steinfeld und Günther Jolly. FOTO: Roger Paulet
St. Ingbert. Die „kleine bühne“ in St. Ingbert entstand vor 60 Jahren an der VHS. red

Niemand von den jungen Leuten, die sich am 25. September 1958 im Kulturhaus in der Annastraße trafen, um eine Theatergruppe zu gründen, hat sich wohl vorstellen können, dass die so entstandene „kleine bühne“ der Volkshochschule St. Ingbert im Jahre 2018 ihr sechzigjähriges Bestehen feiern würde. Der damalige Leiter der Volkshochschule, Franz Ecker, und Gerd Schlaudecker hatten zum besagten Treffen eingeladen. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben Gerd Schlaudecker und Albrecht Ochs die inzwischen verstorbenen Gerd Günther, Robert Berrang und Günther Scheuer. Sehr früh kamen auch Ute Korb, Ursula Steinfeld und Elmar Müller zur „kleinen bühne“. In den folgenden Jahrzehnten wirkte eine große Zahl von jüngeren und älteren Leuten bei den Aufführungen mit. Durch zahlreiche Gastspiele im Saarland und darüber hinaus, nach der Wende sogar in Thüringen, wurde die „kleine bühne“ der VHS über St. Ingbert hinaus bekannt.

Als Jubiläumsaufführung wird die Tragödie „Die Perser“ des altgriechischen Dichters Aischylos (525 - 456 v. Chr.) gespielt. Dieses Stück hatte die damals noch junge „kleine bühne“ schon 1963 als Freilichtaufführung im Park des Kulturhauses aufgeführt. Es ist das älteste erhaltene Theaterstück der europäischen Literatur. „Die Perser“ wurden 472 v. Chr. in Athen uraufgeführt.

Das Stück hat ein zeitgeschichtliches Thema: die Niederlage des damaligen persischen Großreiches im vorderen und mittleren Orient in der Seeschlacht bei Salamis 480 v. Chr.



Der Dichter Aischylos selbst hat sowohl bei Marathon als bei Salamis auf athenischer Seite gekämpft. Er macht sein Stück aber nicht zum propagandistischen Sprachrohr des militärischen Triumphes der Griechen. Er betrachtet vielmehr das militärische Desaster der Perser aus der Perspektive der Unterlegenen und zeigt dabei, wie Überheblichkeit und Arroganz der Macht die Perser in die Katastrophe geführt haben.

Gleichzeitig kann das Stück aber auch als Warnung an die Griechen selbst gelesen werden, nicht ihrerseits als Sieger in Maßlosigkeit und Hybris zu verfallen und totalitären Verlockungen nachzugeben. Nicht ohne Grund stellt Aischylos in seinem Stück die freiheitliche, demokratische Verfasstheit des athenischen Stadtstaates der Despotie des persischen Großkönigtums entgegen. Die „kleine bühne“ führt „Die Perser“ in der 2001 erschienenen neuen Übersetzung des mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichneten Schriftstellers und Lyrikers Durs Grünbein auf.

Bei der Aufführung wirken mit: Nicole Haag, Ute Katharina Lang, Petra Leonhardt, Ursula Ochs-Steinfeld, Gereon Schäfer, Gerd Schlaudecker. Bühne: Katrin Fischer, Regie: Albrecht Ochs. Premiere ist am Freitag, 19. Oktober, 19.30 Uhr. Weitere Aufführungen: Samstag, 20., Freitag, 26., Samstag, 27. Oktober, jeweils 19.30 Uhr im Kulturhaus St. Ingbert, Annastraße 30.