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Von Volker Baumann
Jonas Sundahl setzte in und um Zweibrücken viele Akzente

Die 500 Meter lange Sundahlstraße verläuft am Eitersberg parallel zur Hofenfelsstraße.
Die 500 Meter lange Sundahlstraße verläuft am Eitersberg parallel zur Hofenfelsstraße. FOTO: Volker Baumann
Von Volker Baumann. Was verbindet Zweibrücken mit Schweden? Das nordische Land ruft bei vielen Urlaubern zunächst einmal Gedanken an Kälte, Wälder, tausende kleiner Inseln und nicht zuletzt an die in freier Wildbahn lebenden Elche hervor.

Auf kulturellem Gebiet hat die Pop-Gruppe ABBA in den 70er Jahren aus Schweden heraus auf phänomenale Art die Musikszene bereichert und zählt bis heute zu den kommerziell erfolgreichsten Musikgruppen überhaupt.

Auch Ingvar Kamprad von Elmtaryd in Aggunaryd  erlangte mit den passenden Initialen IKEA einen weltweiten Möbelhaus-Bekanntheitsgrad. Jonas Erikson Sundahl erreichte diese Berühmtheit nicht ganz, setzte aber vor allem in Zweibrücken und Umgebung architektonische Akzente, weshalb auch die 500 Meter lange Straße am Eitersberg, oberhalb des Mannlichplatzes, nach ihm benannt wurde.

Der 1678 in Schweden geborene Baumeister verstarb am 5. Juni 1762 in Zweibrücken.  Bereits im Alter von elf Jahren ist Sundahl 1689 als Student der Universität Uppsala verzeichnet. Als Karl XII. aus dem Haus Pfalz-Zweibrücken schwedischer König war, brachte sein Statthalter Gabriel Oxenstierna Sundahl 1702 ins pfälzische Herzogtum mit. Sundahl arbeitete über 50 Jahre an leitender Stelle der herzoglichen Bauverwaltung mit einer Unterbrechung von 1725 bis 1731, als Charles François Duchesnois ihn verdrängt hatte. Zuletzt war er als Bau- und Renovationsdirektor mit dem Titel eines Hofkammerrats tätig und wurde in einem fließenden Übergang durch Christian Ludwig Hautt in seinen Tätigkeiten abgelöst.



Seine erste überlieferte Arbeit ist ein Grundriss des inneren und äußeren Grabens am oberen Tor in Zweibrücken aus dem Jahr 1702. Für den vertriebenen polnischen König Stanislaus Leszczynski, dem Karl XII. 1714 in Zweibrücken Asyl gewährt hatte, erbaute Sundahl östlich der Stadt, oberhalb des Schwarzbachs, das Lustschloss Tschifflik mit Gartenhäusern, Weihern, Wasserfällen, Gewächshäusern und Freilichtbühne, einer exotischen Kleinarchitektur, 40 Jahre bevor diese Mode in der englischen Gartenarchitektur aufkam. Umgeben war die Anlage von einer Fasanerie, deren Ummauerung als Abgrenzung zu den Waldstücken Luitpoldpark und Ehrbusch teilweise noch vorhanden ist.

Als Karl XII. im Jahr 1718 starb, verlegte Stanislaus sein Domizil nach Weißenburg. Ebenfalls im Auftrag des Polenkönigs baute Jonas Erikson Sundahl 1714–1719 das weitgehend zerstörte Kloster Gräfinthal wieder auf. Seine weiteren Hauptwerke schuf Sundahl während der Regierungszeit Gustav Samuel Leopolds, so vor allem um 1725 das Zweibrücker Residenzschloss, das nach den Zerstörungen von 1793 und 1945 jeweils wieder aufgebaut wurde und heute das Pfälzische Oberlandesgericht beherbergt, aber auch die Gustavsburg in Homburg-Jägersburg.

Als Kirchenarchitekt war Sundahl unter anderem in den nordpfälzischen Bezirken des Herzogtums tätig und schuf 1723 die Barockkirchen von Rathskirchen und Niederkirchen, aber auch die Hof- und Bergkirche in Bergzabern, deren Portal demjenigen, der auch von Sundahl stammenden Zweibrücker Karlskirche, sehr ähnlich ist.